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Der Telebasel News Beitrag vom 3. September 2021.
Basel

Dieser Mann rettet jährlich hunderte Frösche aus dem Abwasser

Julio Taboada ist bei Pro Rheno für die Amphibien zuständig. Jede Woche fischt er Kröten und Frösche aus dem Abwasser und lässt sie in den Langen Erlen frei.

Eine sogenannte Froschinsel macht es möglich: Im Abwasserbecken haben die Tiere noch eine Chance, davonzukommen. Mit einem Flaschenzug lässt Julio Taboada die Auffangvorrichtung ins Becken. «Das ist die letzte Stufe, bei der wir noch die Frösche, die Amphibien sammeln können», erklärt Taboada. Somit können die Frösche aus der braunen Brühe auf diese Insel klettern und heraufgezogen werden.

Letztes Jahr rettete er 521 Kröten, Frösche und Molche aus dem Abwasser. Julio Taboada ist gelernter Schlosser und Fachmann Betriebsunterhalt bei der Kläranlagen-Betreiberin Pro Rheno. Ob als Elektriker, Plattenleger oder Sanitärinstallateur – wie er erklärt, umfasse seine Stelle ganz verschiedene Arbeiten. Nebst technischen Wartungen gehört auch dieser ungewöhnliche Job zu seinem Arbeitsalltag.

«Es tut gut, zu wissen, dass sie nicht qualvoll verenden»

Für die Lurche hat Julio Taboada aus einem Streugutkasten ein Terrarium gezimmert. Dort verweilen die geretteten Schützlinge, bevor sie Julio Taboada jeweils am Freitag in die Langen Erlen bringt. Zur kalten Jahreszeit sieht es anders aus. In einem eigens dafür eingerichteten Kühlschrank können die Amphibien überwintern.

Dass diese spezielle Aufgabe ihm zufällt, freut ihn besonders. «Es tut gut, zu wissen, dass man Lebewesen rettet, damit sie nicht qualvoll verenden», sagt Julio Taboada. Seine frühe Kindheit verbrachte der gebürtige Spanier in einem galizischen Dorf. «Ich bin kein Stadtmensch, ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen und habe die Natur immer gern gehabt». Seine Verbundenheit mit Natur und Tieren pflegt er nicht nur bei der Arbeit: In seinem Garten hält er Kaninchen, Hühner, Schweine und Wachteln.

Sogar Schlangen und Schildkröten im Abwasser

Auf einer Liste mit allen einheimischen Amphibienarten führt Julio Taboada Buch über die quakenden oder kriechenden «Findelkinder». Manchmal landen seltenere Arten wie etwa der Laubfrosch oder der Feuersalamander auf einer Froschinsel. Nicht nur Amphibien landen in der Abwasserreinigung. Einmal fand Julio Taboada eine Ringelnatter im Abwasser. Kollegen von ihm haben sogar einmal eine Chinesische Streifenschildkröte geborgen. Sie brachten das gepanzerte Reptil ins Tierheim.

Solche Exoten sind aber die Ausnahme. Momentan sind es vor allem Grasfrösche und Erdkröten, die es ins Abwasser spült. Jeweils am Freitag bringt der Pro-Rheno-Mitarbeiter die Tiere zurück in die Natur. Für seine Fahrt in die Lange Erlen hat Julio Taboada eine Sonderbewilligung. «Amphibien-Transport» steht auf einem Schild auf der Windschutzscheibe. «So hält uns die Polizei meistens nicht an», sagt Taboada und lacht.

Endstation ist beim Eisweiher-Biotop in Riehen. Julio Taboada öffnet den Deckel des Transporteimers. Die Kröten und Frösche zappeln wild herum. Sie scheinen zu spüren, dass ihre Odyssee bald ein Ende hat. «Jetzt verabschieden wir uns, sie kommen in die Freiheit», sagt Taboada und lässt die Lurche in den Teich. Ganz aus den Augen will er die noch unsicheren Neuankömmlinge nicht verlieren. «Ich habe schon mehrmals gesehen, dass Reiher kommen und sie auffressen. Daher bleibe ich ein paar Minuten, dann können sie sich selbst verstecken.»

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