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International

38 Personen aus afghanischem Radsport erhalten Schweizer Visum

Islamistische Taliban haben inzwischen fast ganz Afghanistan unter ihrer Kontrolle. Alle News zum Thema gibt es hier im Update-Ticker.
Mindestens 32 Tote bei Anschlag auf Moschee in Afghanistan

Mindestens 32 Menschen sind bei einer Serie von Selbstmordanschlägen auf eine schiitische Moschee in der südafghanischen Stadt Kandahar getötet worden. Das teilte die staatliche Nachrichtenagentur Bachtar am Freitag mit. Die UN-Mission in Afghanistan (Unama) hatte zuvor in einem Tweet von mindestens 30 Toten gesprochen. Andere Quellen nannten am Freitagabend (Ortszeit) mindestens 40 Tote. Mindestens 68 Menschen seien zudem verletzt worden, so Bachtar weiter.

Zu dem Anschlag während des Freitagsgebets bekannte sich zunächst niemand. Unklar war auch der Tathergang. Arif Rahmani, ein Schiit und früheres Mitglied eines afghanischen Regionalparlaments, schrieb auf Twitter, von fünf Selbstmordattentätern hätten es drei in die Moschee geschafft und sich nacheinander inmitten von Betenden in die Luft gesprengt. Eine Augenzeugin sagte, drei Männer seien ursprünglich in die Tat verwickelt gewesen. Zwei seien in die Moschee eingedrungen, ein dritter sei von einem Wachmann getötet worden.

SEM erteilt 38 Personen aus afghanischem Radsport humanitäres Visum

Die Schweiz hat 38 afghanischen Rad-Sportlerinnen und weiteren Personen ein humanitäres Visum ausgestellt. Das Staatssekretariat für Migration (SEM) ist der Ansicht, dass diese Personen nach der Machtübernahme der Taliban akut bedroht waren.

 

Das SEM erteilt 38 Personen aus afghanischem Radsport ein humanitäres Visum. (Bild: Keystone)

Aus diesem Grund hat das SEM 24 Frauen und 14 Männern ein solches Visum respektive ein «Laisser Passer» erteilt, mit welchem diese in die Schweiz einreisen konnten. Das SEM bestätigte am Dienstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA einen Bericht des Online-Portals Radsport-News.com. In der Schweiz durchlaufen die Eingereisten nun ein normales Asylverfahren. Unter den 38 Personen sind auch Minderjährige.

Das Ersuchen um die Gewährung eines humanitären Visums hatte gemäss SEM der Radsportweltverband (UCI) eingereicht. Der USI habe Mitte August kurz nach Abschluss der Evakuierungsflüge eine «akute Bedrohungslage für afghanische Radsportlerinnen» geltend gemacht. Auch das SEM teile die Ansicht, dass diese Personen einer akuten Bedrohung ausgesetzt gewesen seien. Sie hätten die gleichen Risikoprofile wie andere Personen, die bereits ausgeflogen worden seien.

China fordert Aufhebung aller Sanktionen gegen Afghanistan

China hat die Aufhebung aller Sanktionen gegen Afghanistan und internationale humanitäre Unterstützung für das Land gefordert. Auf dem virtuellen G20-Sondergipfel zu Afghanistan sagte Chinas Aussenminister Wang Yi am Dienstag, die Gruppe der führenden Industrienationen (G20) müsse die Souveränität, Unabhängigkeit und territoriale Integrität des Landes respektieren.

Die G20 solle «das afghanische Volk über sein Schicksal entscheiden lassen», zitierte ihn das Staatsfernsehen aus den Beratungen der Staats- und Regierungschefs. Ein Land sollte seinen Entwicklungspfad selber wählen. Ihm Ideologie und militärische Intervention aufzuzwingen, um sich in innere Angelegenheiten einzumischen, führe nur zu ständigen Turbulenzen und schwerem humanitären Unglück.

Die internationale Gemeinschaft solle «auf rationale und pragmatische Weise» mit Afghanistan umgehen. Dem Land müsse geholfen werden, eine «inklusive politische Struktur» und eine vernünftige Innen- und Aussenpolitik aufzubauen, sagte Wang Yi.

Merkel: Chaos in Afghanistan verhindern

In Afghanistan muss aus Sicht der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel mit internationaler Hilfe ein wirtschaftlicher Kollaps verhindert werden. «Zuzuschauen, wie 40 Millionen Menschen ins Chaos verfallen, weil weder Strom geliefert werden kann, noch ein Finanzsystem existiert, das kann und darf nicht das Ziel der internationalen Staatengemeinschaft sein», sagte Merkel am Dienstag in Berlin nach einem digitalen G20-Sondergipfel der wichtigsten Industrienationen zur Lage in Afghanistan.

 

«Zuzuschauen, wie 40 Millionen Menschen ins Chaos verfallen, weil weder Strom geliefert werden kann, noch ein Finanzsystem existiert, das kann und darf nicht das Ziel der internationalen Staatengemeinschaft sein», so die Deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Lage in Afghanistan. (Bild: Keystone)

«Wir alle haben nichts davon, wenn in Afghanistan das gesamte Währungssystem zusammenbricht oder Finanzsystem zusammenbricht, dann kann nämlich auch humanitäre Hilfe nicht mehr geleistet werden», sagte Merkel. Der Internationale Währungsfonds und die Weltbank hätten eine grosse Aufgabe, den Zusammenbruch des Finanzsystems in Afghanistan zu verhindern. In Washington findet derzeit die gemeinsame Jahrestagung von IWF und Weltbank statt.

USA: Hilfe für Afghanen und Achtung der Menschenrechte sicherstellen

Die USA wollen die Menschen in Afghanistan weiterhin in Zusammenarbeit mit der internationalen Gemeinschaft unterstützen. Dabei setze man auf diplomatische, humanitäre und wirtschaftliche Mittel, teilte das Weisse Haus in Washington am Dienstag nach einem digitalen G20-Sondergipfel der wichtigsten Industrienationen zur Lage in Afghanistan mit. US-Präsident Joe Biden hatte virtuell an der Sitzung teilgenommen. Man habe sich verpflichtet, mithilfe unabhängiger internationale Organisationen direkte humanitäre Hilfe zu leisten.

Man habe auch darüber gesprochen, wie man sich für die Menschenrechte, einschliesslich der Rechte von Frauen, Mädchen und Angehörigen von Minderheiten, einsetzen könne, hiess es weiter. Die Staats- und Regierungschefs hätten sich ausserdem über den Kampf gegen den Terror ausgetauscht – eine besondere Bedrohung sei Isis-K, ein örtlicher Ableger der Terrororganisation Islamischer Staat (IS).

Draghi: G20-Mandat an UN zur Koordinierung der Afghanistan-Hilfen

Die G20-Staaten haben die Vereinten Nationen beauftragt, die humanitäre Hilfe für Afghanistan zu koordinieren. Das sagte der italienische Ministerpräsident Mario Draghi am Dienstag nach einem Sondergipfel der 20 wichtigsten Industrienationen. Darüber habe es bei der Videokonferenz einen grossen Konsens gegeben. Ausserdem seien sich alle Staats- und Regierungschefs einig, dass das Land nach der Machtergreifung der Taliban die Menschen- und vor allem Frauenrechte anerkennen müsse und kein Rückzugsort für Terroristen werden dürfen. «Wir dürfen nicht an den Punkt kommen wie vor 20 Jahren», unterstrich Draghi als aktuell Vorsitzender der G20-Gruppe.

Die G20-Staaten haben die Vereinten Nationen laut dem italienischen Ministerpräsidenten Mario Draghi beauftragt, die humanitäre Hilfe für Afghanistan zu koordinieren. (Bild: Keystone)

Der italienische Ministerpräsident zeigte sich zufrieden, dass es das erste Mal eine gemeinsame Linie der weltweit wichtigsten politischen Entscheider beim Thema Afghanistan gebe. «Der Multilateralismus kehrt zurück, zwar mit Mühe, aber er kommt wieder», sagte Draghi.

Sprecher: Fünf Tote bei Anschlag auf Taliban-Trauerfeier in Kabul

Bei einem Bombenanschlag in der afghanischen Hauptstadt Kabul nahe der Trauerfeier für die Mutter eines hochrangigen Taliban-Funktionärs sind am Sonntag mindestens fünf Zivilisten getötet worden. Das teilte der Sprecher des Taliban-Innenministeriums, Kari Said Chosti, der Deutschen Presse-Agentur mit. Drei Verdächtige seien nach dem Anschlag nahe dem Tor der bekannten Eidgah-Moschee festgenommen worden.

Anderen Berichten zufolge soll es mindestens zwölf Tote und mehr als 32 Verletzte gegeben haben. Die Taliban haben zuletzt versucht, die Zahl von Toten in ihren eigenen Reihen herunterzuspielen. Die genaue Art der Explosion war zunächst nicht klar. Auch erklärte sich zunächst niemand für den Anschlag verantwortlich. Zuletzt hatte aber die rivalisierende Terrormiliz Islamischer Staat (IS) mitgeteilt, eine Reihe von Anschlägen gegen die Taliban verübt zu haben.

Taliban-Hauptsprecher Sabihullah Mudschahid, dessen Mutter beigesetzt wurde, berichtete selbst von der Explosion. Auch er sprach von Toten und Verletzten, ohne eine Zahl zu nennen. Ziel des Anschlags sei eine Ansammlung von Menschen gewesen. Berichten zufolge sollen mehrere führende Mitglieder der Islamisten an der Trauerfeier teilgenommen haben. Es war die erste Bombenexplosion in Kabul, die eine Veranstaltung hochrangiger Taliban zum Ziel hatte.

Drei aufgehängte Leichen im Osten Afghanistans entdeckt

Im Osten Afghanistans sind drei aufgehängte Leichen gefunden worden. Lokalen Medienberichten zufolge wurden die Männer von Kämpfern der militant-islamistischen Taliban hingerichtet, wegen mutmasslicher Verbindungen zur Terrormiliz Islamischer Staat. Ein Sprecher der Taliban in der Provinz Nangarhar sagte dagegen am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur, es sei ungeklärt, wer hinter den Tötungen stecke. Zwei Leichen wurden in der Stadt Dschalalabad gefunden, die dritte im Bezirk Chaparhar.

Dem IS werden zahlreiche Anschläge auf Talibankämpfer angelastet, die Mitte August die Macht in dem Krisenstaat übernommen hatten. Beide islamistischen Gruppen sind verfeindet.

Erst vor wenigen Tagen hatten die Taliban die Leichen von vier Männern an Kränen in der Stadt Herat aufgehängt; bei ihnen sollte es sich um Kidnapper handeln.

UNHCR bittet Schweiz um Aufnahme von Flüchtlingen aus Afghanistan

Der Uno-Hochkommissar für Flüchtlinge hat die Schweiz gebeten, mehr Flüchtlinge aus Afghanistan aufzunehmen. Ein entsprechender Brief wurde am Mittwoch an Aussenminister Ignazio Cassis versandt.

Darin habe der Hochkommissar des Uno-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR), Filippo Grandi, den Bundesrat gebeten, im Rahmen des Resettlements zusätzliche afghanische Flüchtlinge aufzunehmen, die aus eigener Kraft in eines der Nachbarländer geflüchtet sind oder dorthin flüchten werden, teilte UNHCR Schweiz am Donnerstag auf Anfrage mit. Es bestätigte damit einen Bericht der Zeitungen von Tamedia.

Grandi habe nicht nur die Schweiz um die Aufnahme von Afghaninnen und Afghanen gebeten, die in die umliegenden Länder Pakistan und Iran oder sogar die Türkei geflüchtet seien. Ähnliche Anfrage seien auch an EU-Länder gegangen.

Taliban setzen Spezialkräfte im Kampf gegen IS in Afghanistan ein

Rund anderthalb Monate nach ihrer Machtübernahme in Afghanistan gehen die militant-islamistischen Taliban mithilfe von Spezialeinsatzkräften gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) vor. Die Truppen hätten bereits einige IS-Mitglieder getötet oder gefangen genommen, teilte ein Taliban-Sprecher am Mittwoch mit.

Die von den Taliban als «aufrührerische Kraft» bezeichnete Terrormiliz hat demnach in Afghanistan keine Hochburg mehr. Ziel sei es nun, die «unsichtbare» Präsenz des IS auf null zu reduzieren, hiess es weiter.

Die Taliban gaben zunächst nicht bekannt, wo ihre Truppen im Einsatz gewesen sein sollen. Einige örtliche Sender berichteten jedoch, dass die Taliban in der Hauptstadt Kabul und in der Provinz Nangarhar Einsätze gegen den IS begonnen hätten. In den vergangenen Wochen hatte sich der IS zu einer Reihe von Angriffen auf die Taliban in östlichen Teilen des Landes, insbesondere in Nangarhar, bekannt. Der IS ist dort seit langem präsent und kämpft gegen die Taliban.

US-Militärs widersprechen Biden bei Anhörung zum Afghanistan-Abzug

Oberste US-Militärs haben Angaben von Präsident Joe Biden zum Truppenabzug aus Afghanistan widersprochen. Bei einer Anhörung im US-Senat am Dienstag sagten Generalstabschef Mark Milley und General Kenneth McKenzie, der zuständige US-Kommandeur für die Region, sie persönlich hätten es für besser gehalten, 2500 US-Soldaten in Afghanistan zu lassen. Beide wollten sich nicht dazu äussern, was sie dem Präsidenten im vertraulichen Gespräch geraten hätten.

McKenzie machte aber klar, seine persönliche Einschätzung habe seine Empfehlung an den Präsidenten geprägt. Milley betonte, er habe bereits im Herbst 2020 vor einem zu schnellen Truppenabzug gewarnt – und sei bis heute dabei geblieben. Biden hatte im August in einem Interview ausdrücklich gesagt, keiner seiner Top-Militärberater habe ihm gesagt, er solle 2500 Soldaten im Land behalten.

Die letzten US-Truppen hatten Afghanistan Ende August verlassen. Damit endete der internationale Militäreinsatz in dem Land nach fast 20 Jahren – und auch die militärische Evakuierungsmission für westliche Staatsbürger und schutzbedürftige Afghanen. Die Taliban hatten Mitte August die Macht in Kabul übernommen. Der internationale Abzug wurde durch ihren rasanten Eroberungsfeldzug erschwert und gestaltete sich chaotisch. Insgesamt stiess der Afghanistan-Abzug der Amerikaner international auf einige Kritik und Unverständnis.

UN-Generaldebatte geht wohl ohne Beitrag von Afghanistan zu Ende

Die Generaldebatte der UN-Vollversammlung wird wohl ohne einen Beitrag Afghanistans zu Ende gehen. Auf der am Montag von den Vereinten Nationen in New York veröffentlichten aktualisierten Rednerliste war Afghanistan nicht mehr aufgeführt.

Zuvor war stets angegeben gewesen, dass ein Vertreter des Landes als letzter der 193 Mitgliedsstaaten zum Abschluss der UN-Generaldebatte am Mittwochnachmittag (Ortszeit) sprechen sollte.

Wer dieser Vertreter sein sollte, darüber hatte es Unstimmigkeiten gegeben. Noch am Freitag hatte ein UN-Sprecher betont, dass der offiziell als Sprecher für das Land eingetragene Vertreter der bisherige Botschafter bei den Vereinten Nationen, Ghulam Isaczai, sei.

Ex-Präsident Ghani distanziert sich von Pro-Taliban-Post

Der Mitte August vor den Taliban geflohene afghanische Ex-Präsident Ashraf Ghani hat Hacker für einen Pro-Taliban-Post auf seiner Facebook-Seite verantwortlich gemacht. Das teilte Ghani am Montag auf Twitter mit.

Kurz zuvor hatte es in einer Erklärung auf seinem verifizierten Facebook-Account geheissen, die internationale Gemeinschaft solle die neue Taliban-Regierung in Afghanistan anerkennen und die eingefrorenen Vermögenswerte des Landes freigeben.

«Alle auf der Seite veröffentlichten Inhalte sind ungültig, bis das Konto wiederhergestellt ist», schrieb Ghani auf Twitter und wies die Erklärung zurück.

Ghani lebt nach seiner Flucht aus dem Land im Exil in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Seine überstürzte Abreise am 15. August ebnete den militant-islamistischen Taliban den Weg, um nach grossen Landgewinnen den Präsidentenpalast in der afghanischen Hauptstadt Kabul einzunehmen.

Weltstrafgericht will gegen Taliban und IS in Afghanistan ermitteln

Der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofes will gegen die militant-islamistischen Taliban und die Terrorgruppe IS in Afghanistan wegen möglicher Kriegsverbrechen ermitteln.

Er habe dazu einen richterlichen Beschluss beantragt, teilte Chefankläger Karim Khan am Montag in Den Haag mit. Es gebe zur Zeit «keinerlei Aussicht auf ehrliche und effektive Ermittlungen … in Afghanistan».

Bereits im vergangenen Jahr hatte das Gericht Ermittlungen zu Kriegsverbrechen in dem Land genehmigt. Auch mutmassliche Straftaten der afghanischen Armee sowie von Sicherheitskräften der USA sollten untersucht werden. Die Anklage hatte jedoch später die Ermittlungen den afghanischen Behörden übertragen.

Taliban wollen bei UN-Generaldebatte sprechen

Nach der Machtübernahme in Afghanistan wollen die militant-islamistischen Taliban das Land auch offiziell auf der UN-Bühne vertreten. In einem Brief an UN-Generalsekretär António Guterres, der der Deutschen Presse-Agentur in Teilen vorlag, erbittet Taliban-Aussenminister Amir Chan Motaki das Recht, bei der laufenden 76. Generaldebatte der UN-Vollversammlung zu sprechen. Das Schreiben war nach Angaben der Vereinten Nationen vom Aussenministerium des «Islamischen Emirats von Afghanistan» an das UN-Hauptquartier in New York geschickt worden.

In dem Brief argumentieren die Taliban mit den faktischen Machtverhältnissen: «Mohammad Ashraf Ghani wurde abgesetzt und (Länder auf der ganzen Welt) erkennen ihn nicht mehr als Präsidenten an», heisst es darin. Tatsächlich sind die Islamisten nach ihrem fulminanten Siegeszug angesichts des desaströsen Truppenabzugs der Nato-Staaten de facto die Herrscher des Landes. Deutschland, die USA und andere Länder sehen die Taliban nach dem Kollaps der afghanischen Armee und der Flucht von Präsident Ghani als Ansprechpartner und Machthaber. Sie erkennen sie aber nicht als legitime Regierung an.

Taliban stellen Schulbesuch für Mädchen ab 7. Klasse in Aussicht

Die militant-islamistischen Taliban haben eine Wiedereröffnung weiterführender Schulen für Mädchen ab der 7. Klasse in Aussicht gestellt. Das Bildungsministerium arbeite an einem neuen Verfahren, um es Schülerinnen zu erlauben, ihre Ausbildung fortzusetzen, sagte Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid am Dienstag vor Journalisten in Kabul.

Seit der Machtübernahme der Islamisten Mitte August ist der Schulbesuch für Mädchen ab der 7. Klasse untersagt. Die künftigen Regeln zielen nach seiner Darstellung darauf ab, das Bildungsumfeld für Mädchen und Frauen sowie deren täglichen Weg zum Unterricht abzusichern. Die Regierung hoffe, sich so bald wie möglich dieser «wichtigen Angelegenheit» widmen zu können.

Wann genau dies geschehen werde, sagte Mudschahid allerdings nicht: «Wir können kein Datum nennen, aber diese Angelegenheit wird in der nahen Zukunft gelöst werden, so Gott will.»

Die Taliban wollen Mädchen ab der 7. Klasse den Schulbesuch erlauben. (Bild: Keystone)

Die Taliban hatten weiterführende Schulen vergangene Woche aufgerufen, für Jungen wieder zu öffnen. Alle öffentlichen, privaten und offiziellen religiösen Schulen sowie andere Bildungseinrichtungen im Land sollten den Schulbetrieb wieder aufnehmen. Schülerinnen waren in der Erklärung nicht erwähnt worden.

Auch für Universitäten gelten seit der Machtübernahme der Taliban neue Regeln. Es hiess, Frauen könnten ihre Ausbildung fortsetzen, allerdings nur in von Männern getrennten Klassen und in Verschleierung. Davor wurden Studentinnen und Studenten in gemeinsamen Klassen unterrichtet, es gab keine Kleidungsvorschriften. Die neuen Massnahmen stiessen international und auch im Land selbst auf harsche Kritik.

Taliban in Kundus bitten Deutschland um Unterstützung

Die militant-islamistischen Taliban am früheren Bundeswehr-Standort Kundus haben Deutschland und andere Staaten um Hilfe gebeten. Dabei könne es sich um Investitionen, Wiederaufbauprojekte oder «jede Art von humanitärer Unterstützung» handeln, sagte ihr Sprecher Matiullah Ruhani der Deutschen Presse-Agentur in Kundus.

Afghanistan kommt auch mehr als einen Monat nach der völligen Machtübernahme der Islamisten nicht zur Ruhe. Am Samstag wurden bei einem Anschlag auf ein Polizeifahrzeug der Taliban in der Hauptstadt Kabul mindestens zwei Menschen getötet und 19 verwundet.

Der frühere Bundeswehr-Stützpunkt Kundus im Norden des zentralasiatischen Landes wurde am 8. August von den Islamisten erobert. Eine Woche später übernahmen sie auch in Kabul die Macht. Mit dem Abzug der letzten US-Truppen ging dann einen halben Monat später nach fast 20 Jahren der internationale Militäreinsatz zu Ende. Die Provinz Kundus mit der gleichnamigen Hauptstadt war Schwerpunkt von Deutschlands militärischem und zivilem Engagement.

Frauen in Kabul demonstrieren für ihre Rechte

Eine Gruppe Frauen hat auf den Strassen Kabuls ein Recht auf Arbeit, Bildung und Freiheit gefordert. «Frauenrechte und Menschenrechte», riefen die Frauen mitten in der afghanischen Hauptstadt, wie Aufnahmen örtlicher Medien am Sonntag zeigten.

Rund zwei Dutzend Frauen hatten sich demnach vor dem früheren afghanischen Frauenministerium versammelt, das die militant-islamistischen Taliban nach ihrer Machtübernahme abgeschafft hatten. Das Gebäude wird nun als Ministerium zur Erhaltung der Tugend und Unterdrückung des Laster genutzt. Dort hat eine Religionspolizei ihren Sitz, die die Einhaltung der strengen Auslegung des Islams durch die Taliban durchzusetzen soll.

Frauen demonstrieren für ihre Rechte unter der Taliban-Herrschaft während einer Demonstration in der Nähe des ehemaligen Frauenministeriums in Kabul. (Bild: Keystone)
Entschädigungsforderungen aus Afghanistan nach US-Eingeständnis

Der Tod von Zivilisten und Kindern bei einem US-Luftangriff in Kabul Ende August hat trotz einer Entschuldigung des US-Militärs in Afghanistan Wut und Entschädigungsforderungen ausgelöst. «Gut zu sehen, dass die Wahrheit vom Pentagon anerkannt wird», twitterte die Vorsitzende der Unabhängigen Afghanischen Menschenrechtskommission, Schaharsad Akbar, auf Twitter. «Jetzt Wiedergutmachung und Gerechtigkeit».

Das US-Militär hatte am Freitag eingeräumt, bei dem Drohnenangriff in der afghanischen Hauptstadt unschuldige Menschen statt Extremisten getötet zu haben. Bis zu zehn Unschuldige, darunter bis zu sieben Kinder, seien ums Leben gekommen. Der Luftangriff sei ein «tragischer Fehler» gewesen, sagte General Kenneth McKenzie, der das Kommando der US-Streitkräfte im Nahen Osten (Centcom) führt.

Gut 100 afghanische Journalisten bitten international um Hilfe

Mehr als 100 afghanische Journalisten haben an die internationale Gemeinschaft appelliert, Massnahmen zum Schutz der Pressefreiheit in Afghanistan zu entwickeln. Am dringendsten seien Schutzgarantien insbesondere für Journalistinnen, erklärten sie anonym in einem Appell über Reporter ohne Grenzen (RSF). Übergriffe auf Fotografen und Reporter und die Einmischung der nun herrschenden militant-islamistischen Taliban in die Medienarbeit liessen das Schlimmste befürchten. Mehr dazu hier.

US-Militär räumt Tötung Unschuldiger bei Drohnenangriff in Kabul ein

Das US-Militär hat einen US-Luftangriff in der afghanischen Hauptstadt Kabul Ende August als «tragischen Fehler» bezeichnet. «Ich bin inzwischen davon überzeugt, dass bis zu zehn Zivilisten, darunter bis zu sieben Kinder, bei diesem Angriff auf tragische Weise ums Leben gekommen sind», sagte US-General Kenneth McKenzie, der das US-Zentralkommando Centcom führt, am Freitag. Ausserdem halte man es für unwahrscheinlich, dass das Fahrzeug und die getöteten Personen eine direkte Bedrohung für die US-Streitkräfte dargestellt hätten oder mit Isis-K, einem Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), in Verbindung gestanden hätten.

«Dieser Schlag wurde in dem ernsten Glauben ausgeführt, dass er eine unmittelbare Bedrohung unserer Streitkräfte durch die Evakuierten auf dem Flughafen verhindern würde, aber das war ein Fehler», sagte McKenzie. Es habe sich nicht um einen «überstürzten Angriff» gehandelt. Man habe das Fahrzeug zuvor acht Stunden lang beobachtet. Es hatte bereits zuvor Berichte über tote Zivilisten bei dem Angriff am 29. August gegeben. Das US-Militär hatte Aufklärung angekündigt.

UN-Sicherheitsrat verlangt von Taliban inklusive Regierung

Der UN-Sicherheitsrat hat von den Taliban die Bildung einer inklusiven Regierung mit der Beteiligung von Frauen gefordert. Repräsentative Teilhabe und die Einhaltung von Menschenrechten auch für Kinder und Minderheiten seien von grosser Wichtigkeit, hiess es in einer Resolution, die das mächtigste UN-Gremium am Freitag einstimmig verabschiedete. Mit dem Beschluss wird zudem die UN-Mission in Afghanistan um sechs Monate verlängert. Die Mission Unama ist für die Koordinierung der politischen Entwicklung und die humanitäre Hilfe in Afghanistan zuständig und überwacht zudem die Einhaltung der Menschenrechte in dem Land.

Die militant-islamistischen Taliban hatten im August die Macht in Afghanistan übernommen. Kürzlich hatten sie 33 Regierungsmitglieder vorgestellt, darunter keine Frau und niemand aus einer anderen politischen Gruppierung. Westliche Staaten hatten eine sogenannte inklusive Regierung gefordert, der nicht nur Taliban angehören. Deutschland und die gesamte Europäische Union hatten das sogar zur Bedingung für weiteres Engagement gemacht, etwa für die Zahlung von Entwicklungshilfe.

Keller-Sutter zu Gesprächen über europäische Asylreform in Berlin

Bundesrätin Karin Keller-Sutter ist am Donnerstag in Berlin vom deutschen Innenminister Horst Seehofer empfangen worden. Im Zentrum der Gespräche standen Afghanistan sowie die Reform des europäischen Asyl- und Migrationssystems und die damit verbundene Abstimmung für das nächste Treffen der Schengen-Innenminister.

Beide waren sich einig, dass es rasche Fortschritte brauche, um das Migrationssystem in Europa krisenresistenter zu machen, wie das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) am Donnerstag mitteilte. Für die nächsten Schritte und die Vorbereitung auf das Innenministertreffen im Oktober in Luxemburg wollen die Schweiz und Deutschland koordiniert vorgehen.

(Bild: Keystone)

Mit Blick auf die Lage in Afghanistan unterstrichen Keller-Sutter und Seehofer die Bedeutung eines europäischen beziehungsweise international abgestimmten Vorgehens. Aus humanitärer Sicht müsse das prioritäre Ziel sein, den Menschen in Afghanistan die notwendige Hilfe zukommen zu lassen.

Bei Bedarf sollen zudem die Nachbarstaaten bei der Aufnahme und Versorgung von Geflüchteten unterstützt werden. Damit könnten auch Anreize für eine «irreguläre Migration» verhindert und Menschen von der Reise nach Europa abgehalten werden.

EU-Parlament will spezielles Visa-Programm für afghanische Frauen

Das EU-Parlament drängt auf ein Visa-Programm speziell für afghanische Frauen, die von den radikal-islamistischen Taliban bedroht sind. Entsprechende Forderungen verabschiedeten die Abgeordneten am Donnerstag. In der rechtlich nicht bindenden Resolution pocht das Strassburger Parlament darüber hinaus darauf, dass die EU-Staaten aktuelle und vor Kurzem eingereichte Asylanträge von Afghanen, auch abgelehnte, neu bewerten. Unter keinen Umständen dürften derzeit Menschen nach Afghanistan abgeschoben werden.

Die militant-islamistischen Taliban hatten im August in dem zentralasiatischen Land die Macht übernommen. Beobachter fürchten, dass besonders auf Frauen Repressalien zukommen könnten. Die EU-Kommission erwartet eine beträchtliche Fluchtbewegung.

Taliban bitten Pakistan um Wiederaufnahme des Flugverkehrs

Die in Afghanistan regierenden militant-islamistischen Taliban haben Pakistan um die Wiederaufnahme der Passagierflüge zwischen den beiden Nachbarländern gebeten.

Die afghanische Zivilluftfahrtbehörde habe einen entsprechenden Brief an die pakistanische geschrieben, damit die Fluggesellschaften Ariana Afghan Airlines und Kam Air ihre Flüge wieder anbieten können, sagte ein Sprecher der pakistanischen Luftfahrtbehörde am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur.

In dem Brief aus Afghanistan heisst es demnach, dass der internationale Flughafen von Kabul mit technischer und finanzieller Hilfe aus Katar repariert worden sei. Der kleine Golfstaat beherbergt seit Jahren das politische Büro der Taliban.

In dieser Woche landete ein Charterflug von Pakistan International Airlines (PIA) auf dem Flughafen – der erste Passagierflug, der die afghanische Hauptstadt seit der Taliban-Übernahme Mitte August erreichte. PIA, Kam und Ariana flogen vor der Taliban-Übernahme regelmässig zwischen Kabul und der pakistanischen Hauptstadt Islamabad.

Es war zunächst nicht bekannt, ob Islamabad den Flugbetrieb zulassen wird. Pakistan hat die vor kurzem bekanntgegebene Übergangsregierung der Taliban nicht anerkannt.

EU-Aussenbeauftragter erwartet Fluchtbewegung aus Afghanistan

Der EU-Aussenbeauftragte Josep Borrell erwartet beträchtliche Flüchtlingsströme aus Afghanistan als Folge des dortigen Regierungsumsturzes und der humanitären Notlage.

«Die Menschen werden sich auf den Weg machen, wenn die Taliban es ihnen erlauben», sagte Borrell am Dienstag vor dem EU-Parlament in Strassburg. «Wir wissen, dass viele Menschen (…) das Land verlassen wollen.» Die Lebensmittelpreise in dem Krisenland stiegen, das Finanzsystem befinde sich im freien Fall.

Nach UN-Zahlen haben 93 Prozent der Haushalte in Afghanistan nicht genug zu essen, die Grundversorgung steht demnach vor dem Zusammenbruch. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen wurden in dem Krisenstaat etwa 3,5 Millionen Menschen vertrieben, davon 550 000 seit Beginn dieses Jahres. Neben den nun beigelegten Konflikten zwischen Aufständischen und Regierungstruppen trug auch die Dürre mit schlechten Ernten und wenig Futter für Tiere zur prekären Lage bei.

Blinken verteidigt Abzug aus Afghanistan - Kritik der Republikaner

US-Aussenminister Antony Blinken hat die Entscheidung von Präsident Joe Biden zum Abzug aller US-Truppen aus Afghanistan gegen scharfe Kritik verteidigt. Blinken sagte am Montag bei einer Anhörung im US-Repräsentantenhaus, der demokratische Präsident habe vor der Wahl gestanden, die Truppen abzuziehen oder den Krieg gegen die Taliban zu eskalieren. Der ranghöchste Republikaner im Auswärtigen Ausschuss der Parlamentskammer, Michael McCaul, sagte dagegen: «Das war eine Katastrophe epischen Ausmasses.» Er hätte nie gedacht, dass er eine «bedingungslose Kapitulation» vor den militant-islamistischen Taliban erleben würde.

Blinken machte erneut die Regierung von Bidens Vorgänger Donald Trump für das Chaos beim Abzug verantwortlich. Der Aussenminister verwies darauf, dass Trumps Regierung mit den Taliban einen Abzug aller US-Truppen bereits bis zum 1. Mai vereinbart hatte, und kritisierte, dass es dafür keinerlei Planungen gegeben habe. «Wir haben eine Frist geerbt. Wir haben keinen Plan geerbt.» Mit Blick auf die von den Taliban erbeuteten US-Waffen sagte er, diese hätten «keinen grossen strategischen Wert». Entweder seien sie bereits nicht mehr einsatzfähig oder würden das mangels Wartung bald.

Eine Milliarde Dollar für Afghanistan bei UN-Geberkonferenz

Bei einer humanitären Konferenz für Not leidende Menschen in Afghanistan haben Geberländer mehr als eine Milliarde Dollar (846 Millionen Millionen Euro) zugesagt. UN-Generalsekretär Antonio Guterres gab die vorläufige Summe vor dem Ende des Treffens am Montag in Genf bekannt.

Eine Milliarde Dollar spendet die Gerberkonferenz der Uno an Not leidende Menschen in Afghanistan. (Bild: Keystone)

Guterres bezeichnete die Zusagen als «Quantensprung». Die Vereinten Nationen hatten zuvor an Geberländer appelliert, mehr als 600 Millionen Dollar für den Rest des Jahres zuzusagen, um Menschen in Afghanistan vor Hunger zu bewahren und den Zusammenbruch öffentlicher Dienstleistungen zu verhindern. Seit der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban sind Nahrungsmittel immer knapper geworden.

«Diese Konferenz hat meine Erwartungen voll erfüllt, was die Solidarität mit den Menschen in Afghanistan betrifft», sagte Guterres. Wie viel von der Milliarde Dollar jedoch dem Nothilfe-Budget der Vereinten Nationen für die kommenden Monate zugute kommen, und wie viel in anderer Form oder später zur Verfügung gestellt werden, konnte Guterres nicht sagen.

Cassis verlangt rasche Hilfe für Afghanistan

Aussenminister Ignazio Cassis hat bei seiner Eröffnungsrede an der Uno-Geberkonferenz für Afghanistan in Genf betont, dass die Bedürfnisse der afghanischen Bevölkerung eine schnelle, entschlossene und gut koordinierte humanitäre Intervention erfordern.

Bundesrat Ignazio Cassis fordert rasche humanitäre Hilfe für Afghanistan. (Bild: Keystone)

Diejenigen, die das Territorium Afghanistans kontrollieren, seien dafür verantwortlich, den ungehinderten humanitären Zugang zur Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen, sagte Cassis am Montag laut Redetext. «Ebenso müssen sie die Sicherheit der Akteure der humanitären Hilfe und der Entwicklungszusammenarbeit gewährleisten.».

Die Achtung der Menschenrechte, insbesondere der Schutz von Minderheiten sowie von Frauen und Mädchen, müsse gewährleistet sein. Die diesbezüglich bereits erzielten Fortschritte im Land sollen laut Cassis beibehalten werden.

USA wollen von Taliban schriftliche Sicherheiten für Hilfslieferungen

Die Vereinigten Staaten haben von den in Afghanistan herrschenden Taliban schriftliche Verpflichtungen im Zusammenhang mit humanitärer Hilfe gefordert.

Es gehe dabei um die Rechte von Hilfsorganisationen, Frauen und Minderheiten, sagte die UN-Botschafterin Washingtons, Linda Thomas-Greenfield, am Montag in Genf bei einer Geberkonferenz für Afghanistan. «Worte reichen nicht. Wir müssen Taten sehen», sagte sie.

«Hilfsorganisationen können ihre Arbeit nicht machen, wenn die Taliban diese zentralen Verpflichtungen und humanitären Regeln nicht einhalten», sagte Thomas-Greenfield in einer Videoschalte. Sie kündigte neue US-Hilfsgelder in der Höhe von fast 64 Millionen Dollar (54 Millionen Euro) an.

Taliban widersprechen Gerüchten über Tod um Vizechef

Die militant-islamistischen Taliban haben Gerüchten widersprochen, denen zufolge Vizechef Mullah Abdul Ghani Baradar getötet worden sein soll. Entsprechende Berichte seien «unbegründet und nicht wahr», teilte Talibansprecher Suhail Schahin am Montag mit.

(Bild: Keystone)

In einer Baradar zugeordneten Audiobotschaft heisst es: «Ich bin in diesen Tagen auf einer Reise ausserhalb Kabuls, und es geht mir gut, Gott sei Dank.» Die Audiobotschaft konnte nicht unabhängig überprüft werden. Es bleibt unter anderem unklar, wann und wo sie aufgenommen wurde.

Auch Talibansprecher Schahin erwähnte auf Twitter eine Audiobotschaft Baradars. Es gebe nichts, worüber man sich Sorgen machen müsste, sagte der Vizechef demnach. «Es ist nichts passiert.»

Taliban fordern Kooperation von Staatengemeinschaft

Anlässlich der Afghanistan-Geberkonferenz in Genf haben die Taliban die internationale Gemeinschaft zur Kooperation aufgefordert. «Die Welt sollte mit uns zusammenarbeiten», sagte Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid der Nachrichtenagentur DPA am Montag. «Die Sicherheit im Land wurde aufrechterhalten, und die Menschen sind in wirtschaftlichen Schwierigkeiten, Lebensmittel sind knapp, Medikamente sind knapp.»

Afghanistan ist nach der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban vor knapp einem Monat nach Jahrzehnten Krieg und Konflikt auf Unterstützung angewiesen. Viele Staaten wollen Hilfslieferungen an Bedingungen knüpfen. Beobachter befürchten, dass die militante Gruppe, trotz aller Hoffnungen auf einen gemässigteren Kurs, wieder mit harter Hand regiert.

Mudschahid versprach Sicherheit für Hilfsorganisationen. «Das Islamische Emirat garantiert in vollem Umfang, dass alle Hilfsgüter auf transparente und sichere Weise bereitgestellt werden», so der Sprecher. «Wir bieten ihnen (den Hilfsorganisationen) Sicherheit und sorgen für Transparenz, und wir werden keine Korruption bei der Bereitstellung von Hilfe und Hilfsleistungen zulassen.»

UN-Mitarbeiter in Afghanistan sind steigender Gewalt ausgesetzt

Mitarbeiter von UN-Organisationen in Afghanistan sind immer öfter Angriffen und Einschüchterungsversuchen ausgesetzt. Das berichtete UN-Menschenrechtschefin Michelle Bachelet am Montag vor einer internationalen humanitären Geberkonferenz für das Land, das seit Mitte August von den militant-islamistischen Taliban kontrolliert wird.

Laut Berichten aus Afghanistan würden die Taliban gezielt Hausdurchsuchungen durchführen um nach Menschen zu suchen, die für die abgezogenen US-Streitkräfte und amerikanische Firmen gearbeitet hatten. UN-Mitarbeiter seien davon ebenfalls betroffen, sagte die Hochkommissarin.

(Bild: Keystone)

UN-Organisationen haben seit dem Machtwechsel in Afghanistan betont, dass sie auch weiterhin den Menschen im Land helfen wollen. Gleichzeitig haben sie Bewegungsfreiheit und Sicherheit von den neuen Machthabern eingefordert.

Bachelet zeigte sich allgemein besorgt über die zunehmende Gewalt in Afghanistan, die sich zuspitzende Versorgungslage der Bevölkerung und den Ausschluss von Frauen aus dem öffentlichen Leben. «Grundrechte und Freiheiten stehen allen Menschen in Afghanistan zu», sagte sie.

Katars Aussenminister besucht Taliban-Regierung in Kabul

Der Aussenminister des arabischen Emirats Katar hat als erster hochrangiger ausländischer Politiker die Übergangsregierung der militant-islamistischen Taliban in Afghanistan besucht. Mohammed bin Abdulrahman Al-Thani, der auch Vize-Regierungschef von Katar ist, traf sich am Sonntag nach Angaben eines Taliban-Sprechers im Präsidentenpalast von Kabul mit dem amtierenden Regierungschef Mullah Mohammed Hassan Achund und mehreren Kabinettsmitgliedern. Bislang hat kein Staat die Taliban-Regierung offiziell anerkannt.

Katar, das auch die Evakuierungsmissionen tatkräftig unterstützt hat, zählt zu den Ländern mit den engsten Kontakten zu den Taliban. Sie betreiben in Katars Hauptstadt Doha ihr politisches Büro, ein faktisches Aussenministerium. Dort wurden auch die Verhandlungen zu dem Abkommen mit den USA geführt. Das kleine, aber einflussreiche Golf-Emirat tritt auch weiterhin als Vermittler auf. Nach früheren Angaben Al Thanis dringt der Golfstaat auf eine Beteiligung aller Parteien an der Macht und die Wahrung der Grundrechte der Menschen in Afghanistan, bestreitet aber, Einfluss auf die Islamisten zu haben.

Taliban verkünden Geschlechtertrennung an Universitäten

An Afghanistans Universitäten wird es nach einer Ankündigung der neuen Machthaber von den Taliban künftig nur noch getrennten Unterricht für Frauen und Männer geben. «Die Koedukation steht im Widerspruch zu den Grundsätzen des Islam sowie zu den nationalen Werten, Sitten und Gebräuchen», sagte der amtierende Minister für höhere Bildung, Abdul Baghi Hakkani, am Sonntag in Kabul. Die militant-islamistischen Taliban hatten Mitte August in Afghanistan wieder die Macht übernommen.

Auch auf den Geländen der Universitäten solle es künftig eine Trennung nach Geschlechtern geben, kündigte Hakkani an. Falls dies nicht möglich sei, sollen Hochschulen zunächst abwechselnde Unterrichtszeiten einrichten oder eine Trennung in den Klassenräumen sicherstellen. Für Studentinnen wollen die Taliban Dozentinnen einstellen – aber auch Männer sollen Frauen unterrichten dürfen, solange der Unterricht nach den Regeln der Scharia erfolgt. Dazu zählten auch islamische Kleidungsvorschriften, so der Minister.

KRK kann in Afghanistan "wie bisher" arbeiten

Die Taliban haben dem IKRK zugesichert, dass die Hilfsorganisation ihre Aktivitäten in Afghanistan «wie bisher» fortsetzen kann. Dies sagt IKRK-Präsident Peter Maurer, der dem Land Anfang Woche einen dreitägigen Besuch abstattete.

Der Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) traf sich am Montag mit der Nummer zwei der Taliban-Regierung, Mullah Abdul Ghani Baradar. Der Leiter des politischen Büros der Taliban und der De-facto-Gesundheitsminister seien bei dem Treffen anwesend gewesen. Man müsse abwarten, wie sich die Situation entwickle, aber das Gespräch sei ein guter Anfang gewesen, sagte Maurer in einem Interview mit der Westschweizer Zeitung «Le Matin Dimanche».

Al-Kaida veröffentlicht neues Video von Anführer Al-Sawahiri

20 Jahre nach den verheerenden Anschlägen vom 11. September hat das Terrornetzwerk Al-Kaida eine neue Videobotschaft ihres Anführers Aiman al-Sawahiri veröffentlicht. In dem am Samstag über die sozialen Medien verbreiteten Film ruft Al-Sawahiri seine Anhänger dazu auf, die Staaten im Westen und ihre Verbündeten im Nahen Osten zu bekämpfen. Das rund 60 Minuten lange Video zeigt die erste Ansprache des Al-Kaida-Chefs, seitdem es Ende vergangenen Jahres unbestätigte Gerüchte über seinen Tod gegeben hatte.

Analysten sehen in der neuen Aufnahme Hinweise, dass Al-Sawahiri zumindest noch zu Beginn dieses Jahres am Leben war. So erwähne er einen Angriff auf das russische Militär im Nordwesten Syriens am 1. Januar, twitterte die Direktorin der auf Propaganda von Extremisten spezialisierten Site Intelligence Group, Rita Katz.

Rund 300 Menschen demonstrieren in Lugano für «freies Afghanistan»

Im Tessin haben am Samstag rund 300 Menschen gegen die Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban in Afghanistan demonstriert. An der friedlichen Kundgebung in Lugano nahmen viele junge Menschen und Familien mit Kindern aus Afghanistan sowie Einheimische teil.

Der bunte und laute Protestmarsch startete gegen 14.45 Uhr beim Bahnhof und führte zu einem nahegelegenen Park, wie eine Korrespondentin der Nachrichtenagentur Keystone-SDA berichtete. Mit Slogans und Fahnen in den Farben ihres Landes forderten junge Afghanen in westlicher Kleidung die Befreiung ihres Volkes und ein Ende der von den «Koranschülern begangenen Massenmorde».

«Das grösste Problem in Afghanistan», sagte ein junger afghanischer Flüchtling vor Ort, «ist die ewige Rivalität zwischen den religiösen und ethnischen Gruppen, die sich untereinander nicht einigen können, und die die Stabilität des Landes untergraben und damit den Weg für die Rückkehr der Taliban geebnet haben».

Die Kundgebungsteilnehmenden lancierten zudem einen eindringlichen Appell für die afghanischen Frauen. Diese würden «dringend Hilfe benötigen», hiess es. Ein Sprecher der afghanischen Gemeinschaft im Tessin dankt den Schweizer Behörden für die Aufnahme seiner Landsleute und für die laufenden Schweizer Spendenaktionen.

Die Veranstaltung endete mit Gesang und Musik. Organisiert wurde die Kundgebung von der Schweizer Sektion der Menschenrechtsorganisation Amnesty International. Afghanische Flüchtlingsorganisationen im Tessin unterstützten sie.

Frauen in Kabul demonstrieren verschleiert für Taliban

In Afghanistans Hauptstadt Kabul haben Dutzende Frauen bei einer Demonstration ihre Unterstützung für die Regierung der militant-islamistischen Taliban ausgedrückt. Sie zogen am Samstag über das Gelände einer Universität und versammelten sich dann in einem Hörsaal, wie in Videos zu sehen ist. Auf Bannern, die sie mit sich trugen, stand: «Wir sind mit der islamischen Einstellung und dem Verhalten der Mudschaheddin zufrieden.» Die Frauen waren praktisch von Kopf bis Fuss schwarz verschleiert.

Der Marsch wurde von Sicherheitskräften der Taliban begleitet. Journalisten waren offiziell eingeladen, über die Demonstration zu berichten. Nach mehreren Protesten diese Woche in Kabul und anderen Städten – gegen Pakistan und indirekt auch gegen die Herrschaft der Taliban – hatte das Innenministerium Demonstrationen verboten und erklärt, Proteste müssten künftig vorab angemeldet werden. Journalisten, die von den Protesten berichteten, wurden teils für mehrere Stunden festgenommen und dabei schwer misshandelt.

(Bild: Keystone)

Viele der Frauen der Demonstration in der Universität waren auf eine Weise verschleiert, wie das in Afghanistan in den vergangenen Jahren nie zu sehen war: Sie trugen bodenlange schwarze Gewänder und auch schwarze, kapuzenähnliche Kopfbedeckungen. Auch ihre Gesichter waren komplett schwarz verhüllt. Eine derartige Verschleierung sei nicht Teil der Kultur Afghanistans, kommentierte die ehemalige Bürgermeisterin der Stadt Maidan Schahr, Sarifa Ghafari, die Bilder auf Twitter. Man solle den Frauen des Landes nicht die Kultur des Islamischen Staates (IS) aufdrängen.

Nato leitet umfassende Untersuchung zu Afghanistan-Einsatz ein

Die Nato hat nach Angaben von Generalsekretär Jens Stoltenberg «eine umfassende Untersuchung» zum desaströs geendeten Afghanistan-Einsatz eingeleitet. «Die Ereignisse der letzten Wochen waren tragisch für die Afghanen und erschütternd für alle, die sie unterstützen», schrieb Stoltenberg in einem Gastbeitrag für die «Welt am Sonntag». Es gebe viele schwierige Fragen bezüglich des Nato-Engagements, die man sich nun ehrlich stellen müsse. «Wir müssen Lehren daraus ziehen.»

Zugleich machte Stoltenberg deutlich, dass sich das Militärbündnis nicht vollständig zurückziehen will. «Afghanistan wird nicht die letzte Krise sein, in der Nordamerika und Europa gemeinsam, mithilfe der Nato, handeln müssen», erklärte der frühere norwegische Regierungschef. «Es wird immer jemanden geben, der uns schaden will. Das haben wir am 11. September (2001) und seitdem noch bei vielen anderen Terroranschlägen gesehen.»

In Afghanistan hatten zuletzt kurze Zeit nach dem Ende des Nato-Militäreinsatzes in dem Land die militant-islamistischen Taliban die Macht zurückerobert. Ziel des knapp zwei Jahrzehnte dauernden Einsatzes war es eigentlich gewesen, genau das zu verhindern.

Zweiter Passagierflug am Flughafen Kabul gelandet

Ein zweiter Passagierflug von Qatar Airways ist am Freitag in der afghanischen Hauptstadt Kabul gelandet. Das berichtete der TV-Sender CNN unter Berufung auf Fernsehbilder des arabischen Senders Al-Dschasira.

Nach der Landung seien Hilfsgüter entladen worden, hiess es weiter. Es sei unklar, ob Passagiere mit dem selben Flug das Land verlassen könnten. Am Donnerstag hob der erste internationale Passagierflug aus Kabul ab seit dem Ende der chaotisch verlaufenen militärischen Evakuierungsflüge für Ausländer und schutzbedürftige Afghanen Ende August.

UNO-Generalsekretär spricht sich für Dialog mit den Taliban aus

UNO-Generalsekretär Antonio Guterres hat sich für Gespräche mit den radikalislamischen Taliban nach ihrer Machtübernahme in Afghanistan ausgesprochen.

«Wir müssen einen Dialog mit den Taliban führen, in dem wir unsere Grundsätze auf direktem Wege bekräftigen», sagte Guterres im Interview mit französischen Nachrichtenagentur AFP. Es gehe dabei um die Solidarität mit dem afghanischen Volk.

Auf alle Fälle müsse ein wirtschaftlicher Kollaps Afghanistans verhindert werden. Die Bevölkerung leide jetzt bereits enorm. Millionen und Abermillionen seien vom Hungertod bedroht, warnte der Portugiese.

UNO-Generalsekretär Antonio Guterres ruft die internationale Staatengemeinschaft zum Dialog mit den Taliban auf. (Bild: Keystone)

Er sprach sich nicht explizit für die Rücknahme internationaler Sanktionen gegen die Taliban-Herrschaft oder die Freigabe eingefrorener afghanischer Staatsgelder im Ausland aus. Aber gewisse Finanzinstrumente könnten dazu beitragen, das Land über Wasser zu halten und der Wirtschaft Luft zu verschaffen.

«Wir wollen, dass das Land in Frieden und Stabilität regiert wird und die Rechte des Volkes respektiert werden», sagte Guterres im AFP-Interview weiter. Die Taliban ihrerseits «wollen anerkannt werden, wollen die Aufhebung der Sanktionen, wollen finanzielle Unterstützung, und das gibt der internationalen Gemeinschaft ein gewisses Druckmittel».

Pandschir-Tal: Offenbar Massoud-Grab teils zerstört

Das Grab des legendären Anführers der Nordallianz und Taliban-Gegners Achmad Schah Massud im afghanischen Pandschir-Tal ist offenbar teils zerstört worden. In sozialen Netzwerken kursierten am Donnerstag Fotos und Videos vom beschädigten Grab Massouds.

Auf diesen ist zu sehen, dass die Glasplatte über dem Grab kaputt ist und der Stein am oberen Ende des Grabes umgefallen und in drei Stücke zerbrochen ist.

Achmad Schah Massud, besser bekannt als der «Löwe von Pandschir», hatte in den 1990er Jahren erbitterten Widerstand gegen die militant-islamistischen Taliban geleistet, bis er bei einem Selbstmordattentat zwei Tage vor dem 11. September 2001 getötet wurde. Er wird von vielen Afghanen als Nationalheld gefeiert, von anderen aber auch kritisiert.

Nato setzt Krisentruppe für Afghanistan-Flüchtlinge ein

Die Nato setzt erstmals seit rund 16 Jahren wieder Einheiten ihrer Krisenreaktionstruppe NRF ein. Nach Recherchen der Deutschen Presse-Agentur sind derzeit rund 300 Soldatinnen und Soldaten im Einsatz, um bei der Versorgung und vorübergehenden Unterbringung von Afghanen zu helfen, die nach der Machtübernahme der Taliban aus ihrer Heimat nach Europa gebracht wurden. Hinzu kommen Hunderte von Nato-Mitarbeitern, die die Operation aus Kommandos und Hauptquartieren unterstützen.

 

Die Nato setzt eine Krisentruppe für Afghanistan-Flüchtlinge ein. (Bild: Keystone)

Einheiten der NRF waren zuletzt 2005 in den Einsatz geschickt worden, um Opfern des Wirbelsturms «Katrina» in den USA und der Erdbeben in Pakistan zu helfen. Andere Vorschläge zu ihrer Verwendung scheiterten an mangelnder Einstimmigkeit im Kreis der Bündnisstaaten. So hatten beispielsweise die USA 2009 vorgeschlagen, die Truppe zur Verstärkung der Militäroperationen der Nato in Afghanistan zu nutzen – Deutschland und andere Nato-Staaten lehnten dies jedoch ab. Kampfeinsätze hat die in den Jahren nach 2002 aufgebaute NRF deshalb noch nie absolviert.

Die Gesamtstärke der Truppe wurde zuletzt mit 40’000 Soldatinnen und Soldaten angegeben. Sie werden im jährlichen Wechsel von unterschiedlichen Nato-Staaten gestellt.

China verspricht Afghanistan Hilfe im Wert von 26 Millionen Euro

China hat Afghanistan humanitäre Hilfsgüter im Wert von 200 Millionen Yuan versprochen, das entspricht umgerechnet 26 Millionen Euro. Es handelt sich unter anderem um Getreide, Medizin und Impfstoffe, wie das Aussenministerium am Donnerstag in Peking mitteilte. Die Zusage machte Aussenminister Wang Yi auf einer Videokonferenz mit seinen Amtskollegen anderer Nachbarländer Afghanistans. In einer ersten Impfstoff-Charge werde China drei Millionen Dosen Corona-Vakzin liefern. Die Volksrepublik sei zudem bereit, weitere Nothilfe und Güter für den Kampf gegen die Pandemie zu liefern.

Afghanistan sei mit ernsten Herausforderungen wie humanitären Problemen und der Pandemie konfrontiert, sagte Wang Yi nach Ministeriumsangaben in den Gesprächen. Die Nachbarstaaten wollten Afghanistan helfen, «aus dem Chaos zu kommen». Er rief aber auch die USA auf, nach dem Rückzug ihrer Verantwortung gerecht zu werden. Sie seien «mehr als irgendein anderes Land verpflichtet», wirtschaftliche und humanitäre Hilfe zu leisten, um die Afghanen zu unterstützen, Stabilität zu wahren und Chaos zu vermeiden.

An der Videokonferenz nahmen ausser Wang Yi die Aussenminister Pakistans, Irans, Tadschikistans, Usbekistans sowie der Vizeaussenminister Turkmenistans teil.

Blinken kritisiert Taliban-Übergangsregierung in Afghanistan

US-Aussenminister Antony Blinken hat die Zusammensetzung der von den Taliban verkündeten Übergangsregierung in Afghanistan kritisiert. Blinken sagte nach einem Treffen mit seinem deutschen Kollegen Heiko Maas auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein in Rheinland-Pfalz, die militanten Islamisten hätten zuvor beteuert, auch andere Gruppen mit einzubeziehen. Die Übergangsregierung bestehe nun aber ausschliesslich aus Mitgliedern und Verbündeten der Taliban. Sorge bereite auch der Werdegang einiger der nominierten Regierungsmitglieder.

Zum künftigen Innenminister ernannten die Taliban Siradschuddin Hakkani, der als Terrorist auf der Fahndungsliste der USA steht. Die US-Bundespolizei FBI hat ein Kopfgeld von bis zu 10 Millionen Dollar (knapp 8,5 Millionen Euro) für Hinweise ausgelobt, die zu seiner Festnahme führen. Blinken betonte: «Die Art der Beziehungen der von den Taliban geführten Regierung zu uns und zur internationalen Gemeinschaft wird ganz von ihrem Handeln in den kommenden Wochen und Monaten abhängen.»

Blinken forderte die Taliban auf, ihre Zusage einzuhalten, Afghanen mit entsprechenden Reisedokumenten ausreisen zu lassen. Er verwies auf Charterflugzeuge im nordafghanischen Masar-i-Scharif, mit denen schutzsuchende Afghanen ausgeflogen werden sollten, die von den Taliban aber aufgehalten würden. Die USA übten weiterhin Druck auf die Islamisten aus, damit die Flugzeuge und die Menschen an Bord Afghanistan verlassen könnten. Blinken rief die Taliban auch auf, humanitäre Hilfe für die notleidende Bevölkerung zuzulassen.

Rotes Kreuz setzt sich für Dialog mit Taliban ein

Das Rote Kreuz hat sich für einen Dialog mit den militant-islamistischen Taliban in Afghanistan ausgesprochen. «Es braucht einen breiteren Rahmen für politische und wirtschaftliche Kontakte mit den neuen Autoritäten», sagte der Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Peter Maurer, am Mittwoch in der afghanischen Stadt Kandahar. Dies sei zur Bekämpfung der sozioökonomischen Krise in dem Land notwendig. Humanitäre Hilfslieferungen allein seien nicht genug.

Andere Staaten sollten jetzt darüber nachdenken, ob Sanktionen gegen die Taliban negative Auswirkungen auf die Bevölkerung in Afghanistan hätten, sagte Maurer. Ausserdem solle die Weltbank nach Wegen suchen, ihre Unterstützung für das Gesundheitswesen wieder aufzunehmen. Maurer traf während seines viertägigen Besuches auch den neu ernannten Vize-Regierungschef, Mullah Abdul Ghani Baradar. Das IKRK sei bisher schon in Taliban-Gebieten tätig gewesen und wolle das auch weiter tun.

Schweiz verstärkt ihr humanitäres Engagement in Afghanistan

Die Schweiz verstärkt ihr humanitäres Engagement in Afghanistan. Der Bundesrat hat am Mittwoch einen zusätzlichen Beitrag von 33 Millionen Franken für die Hilfe vor Ort bewilligt. Insgesamt unterstützt die Schweiz die Bevölkerung in Afghanistan somit in den kommenden 16 Monaten mit rund sechzig Millionen Franken.

Zehn Millionen der zusätzlich gesprochenen Mittel leistet das Aussendepartement (EDA) mit einem Eigenbeitrag. Die restlichen 23 Millionen Franken laufen über einen Nachtragskredit, über den das Parlament befinden wird.

USA besorgt über Übergangsregierung der Taliban

Die USA zeigen sich besorgt über einzelne Mitglieder der Übergangsregierung der radikal-islamischen Taliban in Afghanistan. Angesichts der Verbindungen und der Vorgeschichte einiger Personen, die Spitzenpositionen in der neuen afghanischen Regierung besetzen sollen, sei die Regierung in Washington beunruhigt, sagte ein Sprecher des Aussenministeriums am Dienstag.

«Wir bekräftigen auch unsere klare Erwartung, dass die Taliban sicherstellen, dass afghanischer Boden nicht dazu benutzt wird, andere Länder zu bedrohen und dass der Zugang zur Unterstützung des afghanischen Volkes weiterhin gewährt wird», hiess es in der Erklärung weiter.

US-Regierung: Milliarden für Versorgung evakuierter Afghanen benötigt

Die US-Regierung fordert den Kongress zur Bewilligung von 6,4 Milliarden Dollar (5,3 Milliarden Euro) für die Versorgung und die Integration evakuierter Afghanen auf. Es gehe darum, ihnen zu helfen, in den USA «neue und erfolgreiche Leben aufzubauen», sagte ein leitender Mitarbeiter des Haushaltsamtes (OMB) am Dienstag. Die Mittel sollten über einen Nachtragshaushalt für das Aussen- und das Verteidigungsministerium bereitgestellt werden. Die Gelder sollen demnach auch für humanitäre Hilfe für Afghanen sowie für die Versorgung von Flüchtlingen auf US-Militärstützpunkten im Ausland, etwa im deutschen Ramstein, genutzt werden.

Ob und in welchem Umfang der Kongress dem Antrag der Regierung zustimmen wird, ist noch offen. Präsident Joe Bidens Demokraten kontrollieren das Repräsentantenhaus, im Senat dürften sie jedoch auch auf die Zustimmung einiger Republikaner angewiesen sein. Die Unterstützung für evakuierte Afghanen erfreut sich in den USA aber allgemein gesprochen breiter Unterstützung beider Parteien.

UN-Nothilfekoordinator: Taliban heute anders als vor 20 Jahren

Der Nothilfekoordinator der Vereinten Nationen, Martin Griffiths, sieht eine Möglichkeit der humanitären Zusammenarbeit mit den Taliban in Afghanistan. «Die Bewegung, mit der wir heute hier konfrontiert sind, ist – wie viele Leute mir gesagt haben – nicht die Bewegung, die wir gesehen haben», sagte Griffiths am Dienstag nach seinem Besuch in Afghanistan am Wochenende.

Die militanten Islamisten seien nicht mehr so nach innen gerichtet wie vor 20 Jahren, als sie von der Macht vertrieben wurden. «Sie sind auch viel eher bereit und engagierter, die Versprechen zu halten, die sie machen oder gemacht haben», so Griffiths. Einer der Anführer der Gruppe habe die Vereinten Nationen auch um Hilfe und Orientierung gebeten.

Der Nothilfekoordinator war angesichts der drohenden humanitären Katastrophe nach Kabul gereist. Griffiths bekräftigte dabei den Willen der internationalen Gemeinschaft, Afghanistan mit Hilfsgütern zu versorgen, wie es hiess. Die Vereinten Nationen hatten am Freitag eine hochrangig besetzte Hilfskonferenz für Afghanistan angekündigt. Das Treffen auf Ministerebene soll am 13. September in Genf stattfinden. Die UN brauchen 606 Millionen Dollar für die nächsten vier Monate.

Taliban geben Übergangsregierung in Afghanistan bekannt

Die militant-islamistischen Taliban haben einen Teil ihrer Übergangsregierung in Afghanistan bekanntgegeben. Demnach wird der wenig bekannte Mullah Mohammed Hassan Achund Premierminister, erklärte der Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid bei einer Pressekonferenz in Kabul am Dienstag.

Manöver in Kirgistan mit russischer Beteiligung

Vor dem Hintergrund der unsicheren Lage in Afghanistan beteiligt sich Russland einmal mehr an einem Militärmanöver in Zentralasien.

Die dreitägige Übung mit rund 1000 Soldaten habe in der Ex-Sowjetrepublik Kirgistan begonnen, teilte das Militärbündnis Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit am Dienstag mit. Russland hatte die Zahl seiner Soldaten kurz vor Beginn von rund 300 auf 500 aufgestockt. Beteiligt sind ausserdem Kasachstan und das an Afghanistan grenzende Tadschikistan.

Die Lage in der zentralasiatischen Region sei «höchst unerfreulich», hiess es in der Mitteilung des von Russland dominierten Bündnisses, dem insgesamt sechs ehemals sowjetische Staaten angehören. Bei dem Manöver «Rubesch-2021» («Grenze-2021») soll unter anderem die Abwehr von Terroristen trainiert werden. Zum Einsatz kommen unter anderem Panzer und Kampfflugzeuge.

Russland, das seit langem mit den militant-islamistischen Taliban verhandelt, beobachtet deren Siegeszug in Afghanistan auch mit Sorge. Seit Wochen warnt Moskau immer wieder vor Kämpfern, die in ehemals sowjetisches Gebiet eindringen könnten, sowie vor zunehmendem Drogenschmuggel. In den vergangenen Wochen hatte es in der zentralasiatischen Region mehrfach Militärmanöver unter russischer Beteiligung gegeben. Im Oktober sind in Tadschikistan Übungen geplant.

Kanton Solothurn unterstützt Hilfe in Afghanistan

Der Kanton Solothurn spendet 50’000 Franken an die Sammelaktion «Hilfe in Afghanistan». Das hat der Regierungsrat am Dienstag beschlossen. Das Geld stammt aus dem kantonalen Swisslos-Fonds und geht an die Glückskette Schweiz.

(Bild: Keystone)

Die Glückskette setzte das Geld ein, um vor Ort und in den Nachbarländern, wo die am stärksten gefährdeten Menschen Zuflucht suchen, lebensnotwendige Hilfe leisten zu können.

Hunderte Menschen protestieren in afghanischer Hauptstadt Kabul

In der afghanischen Hauptstadt Kabul sind Proteste ausgebrochen. Hunderte Männer und Frauen zogen durch die Innenstadt und riefen gegen das Nachbarland Pakistan gerichtete Sprechchöre, wie auf Fernsehbildern zu sehen war.

 

In Afghanistan protestieren Hunderte Menschen gegen das Nachbarland Pakistan. (Bild: Keystone)

Sicherheitskräfte der militant-islamistischen Taliban versuchten, die Demonstranten zu kontrollieren. Die Demonstranten hielten Schilder, auf denen «Pakistan – Pakistan – raus aus Afghanistan» oder «Freiheit» stand. Einem BBC-Reporter zufolge behaupteten die Demonstranten, Pakistan habe den Taliban bei ihrer Eroberung der Provinz Pandschir geholfen, die am Montag nach tagelangen Gefechten an die Islamisten gefallen war. Viele erwähnten zudem den Besuch des Chefs des pakistanischen Geheimdienstes ISI, Faeez Hamid, der sich Sonntag und Montag mit der Taliban-Führung in Kabul traf.

Viele Afghanen, auch bisherige Regierungsvertreter, äussern die Überzeugung, dass Pakistan die Taliban unterstützt und ihnen bei ihrer jüngsten Militärkampagne geholfen hat, mit der sie das Land gewaltsam übernommen haben. Islamabad bestreitet dies.

Konflikt in Afghanistan: Soldaten halten Manöver in Kirgistan ab

Angesichts der unsicheren Lage in Afghanistan beginnt am Dienstag in Kirgistan in Zentralasien ein Manöver mit etwa 1000 Soldaten. Bei der Übung im Süden der Ex-Sowjetrepublik soll nach Angaben des kirgisischen Verteidigungsministeriums bis zum nächsten Donnerstag (9. September) die Abwehr terroristischer Bedrohungen trainiert werden.

Daran sind Streitkräfte aus Russland, Kasachstan und Tadschikistan beteiligt. Organisiert wird das Manöver von der von Russland dominierten Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit, in der sich sechs frühere Sowjetrepubliken zusammengeschlossen haben.

15 afghanische Migranten bei Unfall in Türkei verletzt - ein Toter

Bei einem schweren Autounfall im Südwesten der Türkei sind 15 Flüchtlinge aus Afghanistan verletzt worden. Der Fahrer des Kleinlasters sei getötet worden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Dienstag.

Der Mann habe demnach die Kontrolle über den Wagen verloren, hiess es. Die Verletzten wurden in umliegende Krankenhäuser gebracht.

Die Türkei ist schon seit Jahren sowohl Ziel- als auch Transitland für afghanische Flüchtlinge. Neben den 3,6 Millionen Syrern leben offiziellen Angaben zufolge 300 000 Menschen aus Afghanistan in der Türkei. Um über den Iran kommende Flüchtlinge abzuhalten, baut die Türkei an der Ostgrenze derzeit eine Mauer. Vor dem Hintergrund der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan erwarten viele im Land, dass die Zahl der afghanischen Flüchtlinge zunimmt.

Kurz: Integrationsprobleme sprechen gegen Aufnahme von Afghanen
 

Der österreichische Kanzler spricht sich erneut gegen die Aufnahme von Flüchtlingen aus Afghanistan aus. (Bild: Keystone)

Österreichs Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat seine strikt ablehnende Haltung zur Aufnahme von Afghanen mit massiven aktuellen Integrationsproblemen begründet. 60 Prozent der in Österreich lebenden afghanischen Jugendlichen seien der Meinung, dass die Beleidigung ihrer Religion mit Gewalt beantwortet werden dürfe, kritisierte Kurz am Montagabend im ORF-Sommergespräch. «Machen wir mal unseren Job und versuchen wir alles, um die Menschen, die schon hier sind, bestmöglich zu integrieren.» Österreich beherberge schon jetzt eine der grössten afghanischen Gemeinschaften weltweit. Trotz Drucks des grünen Koalitionspartners sind Kurz und die ÖVP seit Tagen auch gegen die ausnahmsweise Aufnahme einzelner Vertriebener aus dem von den militant-islamistischen Taliban eroberten Land. Österreich will stattdessen mit Hilfe vor Ort die Not der Flüchtlinge lindern.

Massud ruft zu nationalem Aufstand gegen Taliban auf

Der Anführer der Widerstandsgruppe im afghanischen Pandschir-Tal hat zu einem nationalen Aufstand gegen die militant-islamistischen Taliban aufgerufen.

«Wir rufen Sie auf, einen allgemeinen Aufstand zu beginnen, um der Ehre, Freiheit und dem Stolz unserer Heimat willen», sagte Achmad Massud, der Führer der Nationalen Widerstandsfront (NRF) in Pandschir, in einer am Montag veröffentlichten Audiobotschaft.

Wenige Stunden davor hatten die Taliban erklärt, die Provinz Pandschir, die als einzige noch nicht unter ihrer Kontrolle gestanden hatte, eingenommen zu haben. Videos und Bilder in sozialen Medien zeigten Taliban-Kämpfer im Gouverneursgebäude der Provinzhauptstadt Basarak.

Massud äusserte sich nicht zur aktuellen Situation in Pandschir. Er sagte lediglich weiter, dass die Menschen in jeder möglichen Form kämpfen könnten, sei es durch bewaffneten Kampf oder durch Proteste. Die Nationale Widerstandsfront stünde bis zum letzten Moment an ihrer Seite.

Taliban: Arbeiten an Wiedereröffnung des Flughafens Kabul

Die militant-islamistischen Taliban arbeiten an der Wiedereröffnung des Flughafens in der afghanischen Hauptstadt Kabul. Es seien «ernsthafe Schritte» für den Wiederaufbau unternommen worden, sagte der Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid während einer Pressekonferenz am Montag.

Technische Teams aus Katar, der Türkei und einem in den Vereinigten Arabischen Emiraten ansässigen Unternehmen arbeiteten vor Ort. Auch Pakistan stelle Hilfe bereit.

Inlandsflüge sind demnach bereits wieder aufgenommen worden. Derzeit arbeite man auch am Radar. Dieses sowie andere Teile des Flughafens sind nach Darstellung von Mudschahid von US-Kräften mutwillig zerstört worden. Die Reparatur brauche Zeit.

Die Taliban arbeiten an der Wiedereröffnung des Flughafens in Kabul, wie Sprecher Mudschahid am Montag erklärte. (Bild: Keystone)

Zur Regierungsbildung sagte Mudschahid weiter, dass alle Entscheidungen getroffen worden seien. Nun gehe es noch um technische Fragen. «Wir hoffen, dass wir die Ankündigung der Regierung in den nächsten Nächten hören, auch wenn das genaue Datum noch nicht klar ist», sagte Mudschahid weiter.

Er deutete auch an, dass es sich möglicherweise um eine Übergangsregierung handeln könnte. Diese habe die Möglichkeit für Veränderungen und Reformen. Man habe zudem mehrere Länder eingeladen, an der Zeremonie zur Verkündung der Regierung teilzunehmen.

Taliban rechtfertigen gewaltsame Eroberung Pandschirs

Die militant-islamistischen Taliban haben die gewaltsame Eroberung der afghanischen Provinz Pandschir gerechtfertigt. Nachdem Verhandlungen gescheitert seien, weil zwei Personen die Gespräche verweigerten, seien die Taliban gezwungen gewesen, Streitkräfte zu entsenden und eine Operation zu starten, sagte der Sprecher der Islamisten, Sabiullah Mudschahid, während einer Pressekonferenz am Montag in der Hauptstadt Kabul.

Es ist davon auszugehen, dass er damit die zwei Anführer des Widerstands, den bisherigen Vizepräsidenten Amrullah Saleh und Achmad Massud, Sohn des legendären Nordallianz-Führers Achmad Schah Massud, meinte. Pandschir sei nun vollständig unter Kontrolle der Taliban, der Krieg sei vorbei und das Land aus der Krise, sagte Mudschahid weiter.

Die Pandschir-Frage – die Provinz war die einzige im Land, die noch nicht unter Kontrolle der Taliban gestanden war – sollte ursprünglich durch Verhandlungen gelöst werden. Am Dienstag aber begannen Gefechte, als nach Angaben von Widerstandskämpfern Taliban Kontrollpunkte am Taleingang angriffen. Am Sonntagmorgen (Ortszeit) erklärten die Taliban, sie hätten die Provinz erobert.

Vonseiten der Nationalen Widerstandsfront (NRF) in Pandschir gab es kein klares Dementi, aber die Aussage, der Kampf werde fortgesetzt, bis die Aggressoren aus dem Land entfernt seien. Ein Sprecher der NRF schrieb am Sonntag auf Twitter, Achmad Massud sei an einem sicheren Ort und werde sich bald äussern.

Taliban haben Pandschir-Tal offenbar erobert

Die Taliban verkünden am Montagmorgen via Twitter, dass sie das Pandschir-Tal erobert hätten. Pandschir war die letzte Bastion in Afghanistan, die von den Taliban noch nicht kontrolliert wurde. Nach schweren Kämpfen in den letzten Tagen haben die radikalen Islamisten das Tal aber offenbar eingenommen.

Ob die Taliban das Pandschir-Tal nun aber wirklich vollständig kontrollieren, ist noch nicht klar. Am Wochenende meldeten Widerstandskämpfer laut einem Bericht von «Focus» noch, in einem Hinterhalt rund 1’000 Taliban-Kämpfer getötet oder gefangen genommen zu haben.

Mehr dazu hier.

UNO-Nothilfekoordinator trifft Taliban-Führung in Kabul

Angesichts der drohenden humanitären Katastrophe in Afghanistan hat der Nothilfekoordinator der Vereinten Nationen, Martin Griffiths, die Taliban-Führung in Kabul getroffen. Nach Angaben der UNO in New York sprach Griffiths am Sonntag mit dem Taliban-Vizechef Mullah Abdul Ghani Baradar, der nach der Machtübernahme der militanten Islamisten als möglicher künftiger Regierungschef des Landes gehandelt wird.

Griffiths bekräftigte den Willen der internationalen Gemeinschaft, Afghanistan mit Hilfsgütern zu versorgen, wie es hiess. Zugleich habe der UNO-Diplomat die Taliban dazu aufgerufen, die Rechte von Frauen und Minderheiten zu achten. Die neue Führung in Kabul wiederum versprach den UNO zufolge, die Sicherheit aller humanitären Helfer – Männer wie Frauen – zu gewährleisten.

Die Vereinten Nationen hatten am Freitag eine hochrangig besetzte Hilfskonferenz für Afghanistan angekündigt. Das Treffen auf Ministerebene soll am 13. September in Genf stattfinden. Fast die Hälfte der 38 Millionen Menschen in Afghanistan benötigt nach UN-Informationen Unterstützung. Jeder dritte Afghane wisse demnach nicht, woher seine nächste Mahlzeit kommen solle.

Widerstandsführer: Bereit zu Verhandlungslösung mit Taliban

Der Anführer einer Widerstandsfraktion gegen die Taliban in Afghanistan hat sich zu einer Verhandlungslösung bereit gezeigt, um die Kämpfe mit den militanten Islamisten zu beenden. Achmad Massud erklärte am Sonntag, die Nationale Widerstandsfront (NRF) sei bereit, den Krieg sofort zu beenden, falls die Taliban ihre Angriffe in Pandschir beenden. Die NRF sei bestrebt, Konflikte mit den Taliban friedlich beizulegen. Man strebe eine politische Einigung an, bei der alle sozialen Gruppen vertreten seien.

Seit Tagen gibt es Gefechte zwischen Taliban und Kämpfern der Nationalen Widerstandsfront um Pandschir, die einzige Provinz im Land, die die Taliban bisher nicht kontrollieren. Eine Reaktion der Taliban-Gruppe, die den Angriff auf Pandschir durchführt, auf Massuds Erklärung gab es zunächst nicht.

Viele Angaben beider Seiten widersprechen sich und können nicht unabhängig überprüft werden. Offenkundig waren die Taliban zuletzt weiter in das Pandschir-Tal vorgedrungen. Die italienische Hilfsorganisation Emergency, die ein Krankenhaus und eine Geburtenstation im Tal betreibt, teilte auf Twitter mit, dass die Islamisten in der Nacht zum Samstag das Dorf Anabah erreicht hätten, das rund 30 Minuten von der Provinzhauptstadt Basarak entfernt ist.

Papst betet für Flüchtlinge aus Afghanistan

Papst Franziskus hat für Menschen aus Afghanistan gebetet, die derzeit auf der Flucht aus dem Land sind. «Mögen alle Afghanen, sowohl in ihrem Heimatland, als auch auf der Durchreise als auch in den Aufnahmeländern in Würde, Frieden und Geschwisterlichkeit zu ihren Nächsten leben», sagte das katholischen Kirchenoberhaupt am Sonntag vor Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom.

Der 84-Jährige betete dafür, dass viele Länder die aufnähmen und beschützten, die ein neues Leben suchten. Den jungen afghanischen Menschen wünschte er einen Zugang zu Bildung, denn diese sei ein wesentliches Gut für die menschliche Entwicklung.

Der Argentinier hatte bereits am vergangenen Sonntag aufgerufen, den Menschen aus Afghanistan zu helfen. Er verfolge die Lage dort mit grosser Sorge. Viele Menschen verliessen Afghanistan nach der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban. In der EU sind die Haltungen der Mitgliedstaaten zur Aufnahme der Flüchtenden gespalten.

Widerstandskämpfer in Afghanistan: Taliban erlitten schwere Verluste

Widerstandskämpfer im afghanischen Pandschir-Tal haben den militant-islamistischen Taliban eigenen Angaben zufolge schwere Verluste zugefügt. Etwa 1000 Islamisten seien in der einzigen Provinz, die bisher noch nicht von den Taliban kontrolliert wird, nach der Blockade einer Fluchtroute eingeschlossen worden, schrieb der Sprecher der Nationalen Widerstandsfront, Fahim Daschti, am Sonntag auf Twitter.

Alle Angreifer seien getötet worden, hätten sich ergeben oder seien gefangen genommen worden, hiess es weiter. Zudem seien alle Taliban aus dem Bezirk Parjan vertrieben worden. Die Angaben konnten nicht von unabhängiger Seite überprüft werden. Der Taliban-Sprecher Bilal Karimi wiederum schrieb am Sonntag auf Twitter, die Islamisten kontrollierten nun fünf der sieben Bezirke der Provinz.

Am Samstag hatten Bewohner des Tals erklärt, dass Widerstandskämpfer eine Sprengung durchgeführt hätten, um die Hauptroute durch das Tal zu blockieren. So seien vorgerückte Taliban-Kräfte eingeschlossen worden. Der Plan sei gewesen, diese dann von Positionen auf den Bergen anzugreifen.

Angelina Jolie: "Afghanistan ist kein Ausrutscher oder Einzelfall"

Hollywood-Star Angelina Jolie, Sonderbotschafterin des UN-Flüchtlingshilfswerks, sieht die Entwicklungen in Afghanistan als Beispiel für systematisches politisches Versagen. «Afghanistan ist kein Ausrutscher oder Einzelfall, es steht für ein Muster. Es steht für eine jahrzehntelange Vernachlässigung von Menschenrechten», sagte Jolie der «Welt am Sonntag». «In dem Land offenbart sich sowohl der Mangel an durchdachten menschenrechtsbasierten Interventionen wie auch der Zusammenbruch des internationalen Systems.» Die ganze Welt sei heute in einem schlimmeren Zustand als vor 20 Jahren, sagte Jolie: «Wir haben mehr ungelöste Konflikte und Millionen mehr Flüchtlinge.»

Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den Vereinigten Staaten hatte ein US-geführter Militäreinsatz in Afghanistan das Regime der militant-islamistischen Taliban gestürzt. Parallel zum Abzug der US-Truppen haben die Taliban jüngst wieder die Macht übernommen.

Jolie sagte, sie glaube zwar nicht, dass eine Regierung in Afghanistan «jetzt einfach die Uhr zurückdrehen und sagen kann, dass von nun an alles wieder so sein wird wie vor 20 Jahren». Aber da könne sie sich auch irren. Ihre Sorge sei jedenfalls gross: «Ich denke an all die Frauen und Mädchen, die jetzt nicht wissen, ob sie wieder zur Arbeit oder zur Schule gehen können. Und ich denke an die jungen Afghanen, die sich Sorgen machen, dass sie ihre Freiheiten verlieren werden.»

US-General warnt vor Bürgerkrieg in Afghanistan

Der Vorsitzende des Vereinigten Generalstabs der US-Streitkräfte, General Mark Milley, warnt vor einem Bürgerkrieg in Afghanistan. «Ich weiss nicht, ob die Taliban in der Lage sein werden, ihre Macht zu konsolidieren und eine Regierung aufzubauen», sagte Milley in einem Gespräch mit dem Fernsehsender «Fox News» auf dem Luftwaffenstützpunkt Ramstein in Deutschland.

Dies könne in den nächsten drei Jahren zu einer Neukonstituierung von Al-Kaida oder einer Erstarkung der Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) oder unzähligen anderen militanten Gruppen in Afghanistan führen.

In Afghanistan gibt es zur Zeit im Pandschir-Tal heftige Kämpfe zwischen den Taliban und der Nationalen Widerstandsfront von Afghanistan (NRFA), in der sich Kräfte unter dem Milizenführer Ahmad Massud zusammengeschlossen haben. Beide Seiten behaupten, dort die Oberhand zu haben.

Das Pandschir-Tal nordöstlich von Kabul ist in dem Vielvölkerstaat eine Hochburg der Tadschiken. Ahmad Massud ist der Sohn eines der wichtigsten Anführer im Krieg gegen sowjetische Truppen in den 1980er-Jahren, die das Tal nicht unter ihre Kontrolle bringen konnten. Während der ersten Herrschaft der Taliban von 1996 bis 2001 war es Massuds Vater ebenfalls gelungen, Angriffe der Islamisten abzuwehren.

Zusammenstösse bei Frauen-Demo in afghanischer Hauptstadt Kabul

Bei einer Demonstration für Frauenrechte in der afghanischen Hauptstadt Kabul ist es zu Zusammenstössen gekommen. Mindestens eine Frau sei dabei verletzt worden, berichteten lokale Journalisten am Samstag. Sie teilten das Video einer Frau, der Blut vom Kopf läuft. Videos von lokalen TV-Sendern und Aktivistinnen zufolge kam es bei der Demonstration zu chaotischen Szenen.

Rund zwei Dutzend Frauen hatten zunächst friedlich in der Nähe des Präsidentenpalastes demonstriert, wie auf in sozialen Medien geteilten Bildern zu sehen war. Sie hielten Schilder in der Hand, auf denen etwa «Wir sind nicht die Frauen von vor 20 Jahren» stand oder «Gleichheit – Gerechtigkeit – Demokratie!». Auf Videos ist dann zu sehen, wie die Frauen von 50 oder mehr Sicherheitskräften der Taliban umzingelt sind und sich Schreiduelle mit Taliban liefern. Mehrere von ihnen husten.

Ein Taliban-Kommandeur fragt über einen Lautsprecher «… wartet, was ist das Problem, was wollt Ihr, es gibt kein Problem Mädchen, okay?», während im Hintergrund eine junge Frauenstimme zu hören ist, die fragt: «Warum schlagt ihr uns?»

In einem Video von Aktivistinnen, etwas abseits der Demo aufgenommen, sagt eine Frau, Frauen hätten sich gebildet, um in hochrangigen Regierungspositionen zu arbeiten. «Was ist unsere Schuld, dass sie uns heute ins Abseits drängen?», fragt sie. Die Frau, die das Video aufnimmt, sagt weiter, der friedliche Protest von Frauen sei wieder von den Taliban unterdrückt worden. Diese hätten Warnschüsse abgegeben und Tränengas eingesetzt.

Afghanischer Widerstandsführer: Werden Kampf nicht aufgeben

Der Anführer einer Widerstandsfraktion gegen die militant-islamistischen Taliban in Afghanistan will weiter kämpfen. «Wir werden den Kampf für Gott, Freiheit und Gerechtigkeit niemals aufgeben», teilte Achmad Massud am Samstag auf seiner Facebook-Seite mit. Seit mittlerweile fünf Tagen gibt es Gefechte zwischen Taliban und Kämpfern der Nationalen Widerstandsfront um Pandschir, die einzige Provinz im Land, die die Taliban bisher nicht kontrollieren.

Ursprünglich hatte es von beiden Seiten geheissen, man wolle die offene Machtfrage durch Verhandlungen lösen. Ein Sprecher der Nationalen Widerstandsfront schrieb diese Woche auf Twitter, die Taliban hätten Massud einen Posten in der künftigen Regierung angeboten und den Schutz seines Eigentums. Dieser habe aber abgelehnt und dies damit begründet, dass er keine persönlichen Interessen verfolge. Von Taliban gab es dazu bisher keine Aussagen.

Die Kämpfe begannen einem Sprecher der Widerstandsfront zufolge am Dienstag mit Taliban-Angriffen auf Kontrollposten am Eingang zum Pandschir-Tal. Zuletzt dürften sich die Gefechte verstärkt haben. Beide Seiten gaben an, das sie der jeweils anderen Seite heftige Verluste zugefügt hätten. In der Nacht zu Samstag verbreiteten Taliban-Unterstützer auf Twitter Gerüchte, Pandschir sei gefallen und die Führung des Widerstands geflohen.

Aussenminister Blinken besucht US-Stützpunkt Ramstein am Mittwoch

US-Aussenminister Antony Blinken will in der kommenden Woche den amerikanischen Militärstützpunkt Ramstein in Rheinland-Pfalz besuchen, der als wichtiges Drehkreuz für die Evakuierung schutzbedürftiger Afghanen dient. Blinken sagte am Freitag in Washington, er wolle am Sonntag zunächst in die katarische Hauptstadt Doha fliegen und von dort aus später nach Ramstein weiterreisen. Bei seinem Besuch in Deutschland werde er auch mit Bundesaussenminister Heiko Maas (SPD) zusammenkommen und gemeinsam mit ihm eine Videokonferenz mit anderen Amtskollegen zu Afghanistan abhalten. Blinkens Visite auf der Air Base in Ramstein ist laut US-Aussenministerium für Mittwoch geplant.

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Cassis begrüsst humanitäre Uno-Konferenz in Genf zu Afghanistan

Der Schweizer Aussenminister Ignazio Cassis hat die Pläne der Uno zur Austragung einer humanitären Hilfskonferenz für Afghanistan Mitte September in der Schweizer Stadt Genf begrüsst. Die Konferenz sei ein wichtiger Schritt für die dringend benötigte humanitäre Unterstützung für die afghanische Bevölkerung, schrieb Cassis am Freitagabend im Kurznachrichtendienst Twitter.

Zuvor hatten die Vereinten Nationen angesichts der drohenden humanitären Katastrophe in Afghanistan eine hochrangig besetzte Hilfskonferenz für das Land angekündigt. Das Treffen auf Ministerebene soll am 13. September im Beisein von Uno-Generalsekretär António Guterres in Genf stattfinden, wie die Welt-Organisation in New York mitteilte.

«Die Konferenz wird sich für eine rasche Aufstockung der Finanzierung einsetzen, damit die lebensrettende humanitäre Operation fortgesetzt werden kann», hiess es. Nach Einschätzung der Uno droht sonst eine humanitäre Katastrophe in dem Land.

UN richten humanitäre Konferenz für Afghanistan aus

Angesichts der drohenden humanitären Katastrophe in Afghanistan haben die Vereinten Nationen eine hochrangig besetzte Hilfskonferenz für das Land angekündigt. Das Treffen auf Ministerebene soll am 13. September im Beisein von UN-Generalsekretär António Guterres in Genf stattfinden, wie die Welt-Organisation am Freitag in New York mitteilte. «Die Konferenz wird sich für eine rasche Aufstockung der Finanzierung einsetzen, damit die lebensrettende humanitäre Operation fortgesetzt werden kann», hiess es. Nach Einschätzung der UN droht sonst eine humanitäre Katastrophe in dem Land, wie sie auch Bundesaussenminister Heiko Maas (SPD) im kommenden Winter fürchtet.

Fast die Hälfte der 38 Millionen Menschen in Afghanistan benötigten humanitäre Hilfe. Jeder dritte Afghane weiss UN-Angaben zufolge nicht, woher seine nächste Mahlzeit kommen soll. Fast die Hälfte aller Kinder unter fünf Jahren werde in den nächsten 12 Monaten voraussichtlich akut unterernährt sein.

Guterres hatte zuletzt bereits gefordert, angesichts der schweren Dürre und des bevorstehenden harten Winters in Afghanistan müssten dringend zusätzliche Nahrungsmittel, Behelfsunterkünfte und medizinische Hilfsgüter in das Land gebracht werden. Er forderte alle Beteiligten auf, den sicheren und ungehinderten Zugang zu lebenswichtigen Hilfsgütern sowie für alle humanitären Helfer zu ermöglichen. Nach UN-Angaben dürften die Nahrungsmittelreserven des Welternährungsprogramms bis Ende September reichen.

US-Aussenminister Blinken plant Besuch in Ramstein in nächsten Tagen

US-Aussenminister Antony Blinken will in den nächsten Tagen den amerikanischen Militärstützpunkt Ramstein in Rheinland-Pfalz besuchen. Blinken sagte am Freitag in Washington, er wolle am Sonntag zunächst in die katarische Hauptstadt Doha reisen. Von dort aus werde er anschliessend zur Air Base Ramstein aufbrechen, wo er unter anderem mit afghanischen Schutzsuchenden und amerikanischem Personal sprechen wolle. Bei seinem Besuch in Deutschland werde er auch mit Bundesaussenminister Heiko Maas (SPD) zusammenkommen und gemeinsam mit ihm eine Videokonferenz mit anderen Amtskollegen zu Afghanistan abhalten. Einen genauen Zeitplan für die Stationen der Reise nannte Blinken zunächst nicht. Weitere Details vom US-Aussenministerium wurden aber noch im Laufe des Freitags (Ortszeit) erwartet.

Der Luftwaffenstützpunkt Ramstein dient derzeit als US-Drehkreuz für die Evakuierung von afghanischen Schutzsuchenden, die nach der Machtübernahme der Taliban aus ihrer Heimat ausgeflogen wurden.

US-Aussenminister Antony Blinken will in den nächsten Tagen den amerikanischen Militärstützpunkt Ramstein in Rheinland-Pfalz besuchen. (Bild: Keystone)
Religionsminister aus Afghanistan nach Deutschland ausgeflogen

Zu den mehr als 4’500 Menschen, die aus Kabul über die Luftbrücke nach Deutschland gekommen sind, gehört auch ein bisheriger Minister der Regierung von Präsident Aschraf Ghani. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur flog der afghanische Minister für religiöse Angelegenheiten, Mohammed Kasim Halimi, vor knapp zwei Wochen nach Deutschland.

Halimi hatte schon vor dem Sturz der Taliban 2001 in ihrer Regierung einen hohen Posten im Aussenministerium bekleidet. Später gehörte Halimi, der in Kairo islamisches Recht studiert hatte, zu den Kritikern der militant-islamistischen Taliban. Auf der Website des Ministeriums war sein Foto am Freitag noch zu sehen.

Die Taliban hatten nach dem angekündigten Truppenabzug der US-Armee mehrere Provinzhauptstädte eingenommen und waren Mitte August dann praktisch kampflos in die Hauptstadt Kabul vorgedrungen. Präsident Ghani war vor den anrückenden Taliban ins Ausland geflüchtet, wie am 15. August bekanntgeworden war.

Rund 17’000 Afghanen warten in Deutschland auf Weiterreise in USA

Rund 17’000 Afghaninnen und Afghanen warten in Deutschland auf US-Stützpunkten auf ihre Weiterreise in die USA. Auf dem US-Drehkreuz Ramstein in Rheinland-Pfalz werden aktuell 12’000 Menschen überprüft, wie der Kommandeur der US-Streitkräfte in Europa, General Tod Wolters, am Donnerstagnachmittag (Ortszeit) bei einer Videoschalte im Pentagon sagte. Weitere 5000 hielten sich in der US-Militäranlage Rhine Ordnance Barracks in Kaiserslautern auf. Rund 4300 Afghanen befänden sich auf weiteren Drehkreuzen in Italien und Spanien.

Die Menschen werden nach seinen Worten vor der Weiterreise in die USA zweimal überprüft – einmal bei der Ankunft und ein weiteres Mal kurz vor der Abreise. Man habe bisher eine verdächtige Person aufgespürt, die sich nun in Gewahrsam befinde, sagte Wolters weiter. Er konnte keine weiteren Details zu dem Verdächtigen nennen – lediglich dass dieser keine «grosse Bedrohung» sei. Die Zusammenarbeit mit Deutschland sei in diesem Fall sehr kooperativ gewesen – man untersuche nun weiter den Hintergrund der Person.

Gegen Bedingungen: Maas bietet Taliban Geld für Afghanistan an

Die Bundesregierung hat den militant-islamistischen Taliban in Aussicht gestellt, dass Deutschland die derzeit gestoppten Entwicklungshilfe-Zahlungen für Afghanistan wieder aufnimmt. Voraussetzung sei allerdings eine Regierung, die nicht nur aus Taliban besteht, erklärte Aussenminister Heiko Maas am Donnerstagabend zu Beginn von Beratungen mit Amtskollegen aus anderen EU-Ländern in Slowenien. Zudem müssten grundlegende Menschen- und Frauenrechte gewahrt werden und Afghanistan dürfe zu keinem «neuen Hort für Terrorismus» werden.

Der deutsche Aussenminister Heiko Maas bietet den Taliban Geld für Afghanistan an. (Bild: Keystone)

«Die meisten Menschen (…) werden aufgrund der geschlossenen Grenzen Afghanistan nicht verlassen können», sagte Maas. «Deshalb muss man den Menschen in Afghanistan jetzt helfen, und dafür muss man auch mit den Taliban sprechen.»

Der SPD-Politiker forderte die EU-Partner auf, bei dem Thema an einem Strang zu ziehen. «Es gibt in Afghanistan eine neue Realität – ob uns das gefällt oder nicht. Und wir haben jetzt keine Zeit mehr, die Wunden zu lecken», sagte er. Wenn die Europäische Union eine Rolle spielen wolle, müsse man jetzt schnell handeln. Maas spielte damit darauf an, dass zum Beispiel China Macht und Einfluss in der Region ausbauen könnte.

Biden besucht verwundete US-Soldaten im Militärkrankenhaus

Drei Tage nach dem Abzug der letzten US-Truppen aus Afghanistan hat Präsident Joe Biden verwundete US-Soldaten im Walter-Reed-Militärkrankenhaus bei Washington besucht. Der Präsident wurde bei der Visite am Donnerstagabend (Ortszeit) von First Lady Jill Biden begleitet, wie das Weisse Haus mitteilte. Biden hatte den umstrittenen Abzug der USA aus Afghanistan unter anderem damit begründet, dass er nicht weitere Generationen von Amerikanern dorthin in den Krieg schicken wolle.

Biden hat eine besondere Beziehung zu Soldaten und dem Militär. Sein Sohn Beau war 2008/2009 als Offizier im Irak im Einsatz, starb schliesslich 2015 an einem Hirntumor. Als Biden im April den Abzug der US-Truppen aus Afghanistan ankündigte, sagte er: «Ich bin der erste Präsident seit 40 Jahren, der weiss, was es bedeutet, ein Kind zu haben, das in einem Kriegsgebiet dient.»

Rund 17'000 Afghanen warten in Deutschland auf Weiterreise in USA

Rund 17’000 Afghaninnen und Afghanen warten in Deutschland auf US-Stützpunkten auf ihre Weiterreise in die USA. Auf dem US-Drehkreuz Ramstein in Rheinland-Pfalz werden aktuell 12’000 Menschen überprüft, wie der Kommandeur der US-Streitkräfte in Europa, General Tod Wolters, am Donnerstagnachmittag (Ortszeit) bei einer Videoschalte im Pentagon sagte. Weitere 5000 hielten sich in der US-Militäranlage Rhine Ordnance Barracks in Kaiserslautern auf. Rund 4300 Afghanen befänden sich auf weiteren Drehkreuzen in Italien und Spanien.

Die Menschen werden nach seinen Worten vor der Weiterreise in die USA zweimal überprüft – einmal bei der Ankunft und ein weiteres Mal kurz vor der Abreise. Man habe bisher eine verdächtige Person aufgespürt, die sich nun in Gewahrsam befinde, sagte Wolters weiter. Er konnte keine weiteren Details zu dem Verdächtigen nennen – lediglich dass dieser keine «grosse Bedrohung» sei. Die Zusammenarbeit mit Deutschland sei in diesem Fall sehr kooperativ gewesen – man untersuche nun weiter den Hintergrund der Person.

Wolters lobte generell die «hundertprozentige Unterstützung» der Behörden Deutschlands, Italiens und Spaniens bei der Mission. Schutzsuchende wie etwa ehemalige Ortskräfte der USA in Afghanistan und ihre Familien, die aus Angst vor den Taliban ihre Heimat verlassen, kommen in Ramstein oder etwa auf anderen Stützpunkten der USA zunächst in Zelten und Flugzeughangars unter. Sie werden registriert und bei Bedarf medizinisch behandelt.

Draghi kritisiert EU-Umgang mit Flüchtlingen aus Afghanistan

Italiens Ministerpräsident Mario Draghi hat das Verhalten einiger EU-Staaten bei der Aufnahme afghanischer Flüchtlinge kritisiert. Die Rettung von Afghanen habe ein weiteres Mal die Armseligkeit der EU beim Thema Migration gezeigt, sagte der frühere Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Rom. Bei Afghanistan handle es sich um ein weltweites Problem. Die EU, die sich hinter so vielen Prinzipien vereine, schaffe es aber nicht, das anzugehen.

«Das ist ein Stachel in der Existenz der Union», erklärte Draghi weiter. Es gebe Länder, die bis zum heutigen Tag trotz der Attentate und der jüngsten Tragödie in Afghanistan sagen: Wir wollen keine afghanischen Flüchtlinge. «Wie kann man nur …?», fragte der 73-Jährige. Am Abend wolle er mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron in Marseille auch über Afghanistan sprechen.

Italiens Ministerpräsident Mario Draghi kritisiert einige EU-Staaten für ihr Verhalten in Bezug auf Flüchtlinge aus Afghanistan. (Bild: Keystone)

Draghi nannte keine Namen von Staaten, die er bei seiner Kritik meinte. Zuletzt hatte sich die Regierung in Österreich gegen die Aufnahme von afghanischen Flüchtlingen ausgesprochen. Sie will stattdessen auf Hilfe vor Ort setzen.

In Italien sorgt das Thema Flüchtlinge und Migration seit Jahren für Streit in der Politik. Viele Menschen versuchen auf ihrer Flucht von den Küsten Nordafrikas Italien und damit die EU zu erreichen. Das Mittelmeerland fordert schon länger von der EU, die Umverteilung von Migranten und Flüchtlingen innerhalb der Gemeinschaft anzupassen.

Al-Kaida gratuliert Taliban zum «historischen Sieg» in Afghanistan

Das Terrornetzwerk Al-Kaida hat den Taliban zur Machtübernahme in Afghanistan gratuliert und mit Blick auf den US-Abzug aus dem Land von einem «historischen Sieg» gesprochen.

Das «Generalkommando» Al-Kaidas verbreitete über seinen Propagandaflügel Al-Sahab am Dienstagabend eine zweiseitige Mitteilung. «Das afghanische Debakel Amerikas und der Nato markiert den Anfang vom Ende einer dunklen Ära westlicher Vorherrschaft und militärischer Besatzung islamischer Länder», heisst es darin. Das afghanische Volk sei aufgerufen, den Taliban zu vertrauen und sie zu unterstützen.

US-Truppen hatten die Taliban 2001 aus Kabul vertrieben, die Mitgliedern des Terrornetzwerks Unterschlupf gewährt hatten. Heute ist Al-Kaida laut einem UNO-Bericht vom Mai 2020 etwa in einem Drittel der afghanischen Provinzen aktiv. Die Beziehungen mit den militant-islamistischen Taliban sind demnach weiter eng. Die Taliban hatten sich im Februar 2020 in einem Abkommen mit den USA eigentlich dazu verpflichtet, ihre Zusammenarbeit mit Al-Kaida zu kappen.

«Zu diesem historischen Ereignis möchten wir das islamische Emirat beglückwünschen, besonders (Taliban-Führer) Haibatullah Achundsada», teilte Al-Kaida mit. «Gott hat uns den Sieg versprochen und Bush die Niederlage, wir werden sehen, welches Versprechen erfüllt wird», schreiben die Autoren mit Verweis auf den früheren US-Präsidenten George W. Bush, der den US-Einmarsch in Afghanistan nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 angeordnet hatte.

Übung an Grenze zu Afghanistan – Russische Panzer schiessen in Bergen

Nach dem Abzug der letzten US-Truppen aus Afghanistan haben russische Panzer Schiessübungen im Nachbarland Tadschikistan in Zentralasien absolviert.

Die Besatzungen von Kampfpanzern vom Typ T-72 hätten in den Bergen an der Grenze zu Afghanistan am Tag und in der Nacht Schüsse abgefeuert, teilte der zuständige Wehrbezirk der russischen Armee am Mittwoch der Agentur Interfax zufolge mit. Die Soldaten hätten zudem den Einsatz von Maschinengewehren auf bewegliche Ziele trainiert.

Russische Panzer absolvieren nach dem Abzug der US-Truppen aus Afghanistan Schiessübungen im Nachbarland Tadschikistan. (Archivbild: Keystone)

Russland hat in der Ex-Sowjetrepublik Tadschikistan seine grösste Auslandsmilitärbasis. Aussenminister Sergej Lawrow warnte einmal mehr, der Machtwechsel in Afghanistan könne sich auf die Sicherheitslage der Verbündeten in Zentralasien auswirken. Davon hänge auch die Sicherheit der südlichen Grenze Russlands ab.

In der Nacht zu Dienstag hatte das letzte US-Militärflugzeug den Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul verlassen. Russlands Präsident Wladimir Putin warf den USA vor, sie hätten während ihres 20 Jahre dauernden Militäreinsatzes nichts erreicht und nur Tragödien hinterlassen. «Das Ergebnis ist null, wenn nicht sogar negativ.»

Was bisher geschah

Die bisherigen Kurzmeldungen zum Geschehen in Afghanistan finden Sie hier.

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