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Der Telebasel Newsbeitrag vom 31. August 2021.
Baselland

Jenischer: «Jeder Durchgangsplatz ist Lebensraum für unser Volk»

Der Durchgangsplatz für Fahrende in der Baselbieter Gemeinde Wittinsburg ist für 1,2 Millionen Franken komplett saniert worden.

Dave Huser ist der Erste auf dem frisch sanierten Platz. Am Montag ist der Jenische mit dem Wohnwagen in Wittinsburg angekommen. Der Präsident der «Bewegung der Schweizer Reisenden» betont die enorme Wichtigkeit solcher Orte. «Jeder Durchgangs- und Standplatz ist Lebensraum für unser Volk, damit wir unsere Kultur auch leben können. Wenn uns der Lebensraum verschwindet, verschwindet im Endeffekt auch unsere Kultur», sagt Dave Huser gegenüber Telebasel.

Der Händler, Familienvater und Grossvater freut sich besonders über die neu geschaffene Infrastruktur. Werkplatz, Strom- und Wasseranschlüsse bei den Stellplätzen, Lärmschutz, Toiletten, Duschen und Kanalisation: All das war nicht immer selbstverständlich. Ein Blick auf ein Archivfoto der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion zeigt das gut auf. Vor der Sanierung war der Durchgangsplatz Holchen nicht viel mehr als ein kleiner Waldweg. Der Durchgangsplatz an der Hauensteinerstrasse existiert seit 1993. Wie Wittinsburgs Gemeindepräsidentin Caroline Zürcher festhält, befand sich dieser aber längst in einem maroden Zustand.

Nach einem Jahr Bauzeit stehen nun zehn Stellplätze für Jenische und Sinti zur Verfügung. Der Kanton übernahm die Sanierungskosten von 1,2 Millionen Franken. Die Betriebskosten sollen über Standplatzgebühren von 15 Franken pro Tag gedeckt werden.

Gesamtschweizerisch sind Durchgangs- und Standplätze noch immer Mangelware. Simon Röthlisberger, Geschäftsführer der Stiftung Zukunft für Schweizer Fahrende, schätzt den Bedarf auf etwa 80 Plätze. Momentan gebe es aber bloss deren 24. Wie Dave Huser ergänzt, verfügten davon 17 davon über eine komplette Infrastruktur. Wie er betont, gebe es also noch viel zu tun: «Wir sind noch lange nicht so weit, aber wir hoffen, dass wir auf dem guten Weg sind, wenn noch ein paar. Die Schweiz wurde schon vom Europarat ermahnt, dass dringender Handlungsbedarf besteht».

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