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Baselland

Wenn neuer günstiger Wohnraum alten günstigen Wohnraum abbaut

In Birsfelden muss bei Neuüberbauungen mindestens jede fünfte Wohnung günstig sein. Die Praxis zeigt aber, dass diese Regelung günstigen Wohnraum abbaut.

Das Hochhaus sowie die beiden anderen Wohnbauten, welche im Dreieck zwischen Birseckstrasse und Birs in Birsfelden geplant sind, sollen laut der Gemeinde ein Gewinn für die ganze Bevölkerung sein. Auch die Architektin und die Investoren sind dieser Meinung, wie sie an einer Infoveranstaltung erklärten. Am 27. September wird die Gemeindeversammlung über den Quartierplan bestimmen.

Was bisher jedoch an den geplanten Neuüberbauungen kritisiert wird, ist weniger der Bau selbst, sondern die aktuelle Wohnüberbauung aus dem Jahr 1957, die dem Neubau weichen soll, wie die «bz Basel» schreibt. Diese gebe optisch zwar nicht mehr besonders viel her, biete aber dennoch 78 günstige Wohnungen, gerade für ältere, langjährige Mieterinnen und Mieter.

30 statt 78 günstige Wohnungen

Aufgrund des «Reglements zur Förderung der Wohnungsvielfalt und des preisgünstigen Wohnangebots in Birsfelden», das von der Gemeinde 2019 beschlossen wurde, sind die Projektinitianten verpflichtet, beim Neubau für eine Durchmischung der Mieterschaft zu sorgen. Im Quartierplan Birseckstrasse kommt es erstmals zur Anwendung. Dort werden die Mieten von 20 Prozent der Wohnungen unter dem Durchschnittspreis für Neubauwohnungen in Birsfelden zu stehen kommen.

Für den Geschäftsführer des Mieterinnen- und Mieterverbands Baselland, Adil Koller, ist dies aber keine befriedigende Lösung. «Jetzt gibt es 78 günstige Wohnungen, danach werden es nur noch 30 sein», meint er gegenüber der «bz». Der Mieterverband akzeptiert den Quartierplan nur, wenn dieser zur Schaffung von zusätzlichem preisgünstigen Wohnraum führt. Dies sei beim vorliegenden Projekt jedoch nicht der Fall.

Quartierplan bringe Vorteile für die Gemeinde

Ohne den Quartierplan gäbe es jedoch keine Vorteile für die Gemeinde. Denn laut Philipp Vogt, Projektleiter bei der CS Anlagestiftung, sind die aktuellen Gebäude dringend sanierungsbedürftig. «Nötig wäre eine Kernsanierung. Dann müssten alle Mieter raus, das geht nicht anders», so Philipp Vogt. Ohne gültigen Quartierplan wäre eine Überbauung in Regelbauweise möglich.

Sprich, dann gäbe es gar keinen Zwang, günstigen Wohnraum anzubieten. Das Reglement gelte nämlich nur bei Quartierplänen. Auch die weiteren Vorteile für die Gemeinde, wie beispielsweise der öffentliche Park, die geringe Versiegelung oder die gesenkte Anzahl Parkplätze würden dann wegfallen.

Die CS Anlagestiftung hat in der Zwischenzeit ein Mietermanagement eingerichtet. Es soll den aktuellen Mietern, die bis 2023 bleiben dürfen, helfen, eine Anschlusslösung zu finden.

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