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Der Telebasel Newsbeitrag vom 30. August 2021.
Region

«Ja, ich will!»: Ehe für alle auf der Zielgeraden

Rund einen Monat vor der Volksabstimmung über die Ehe für alle, zeigen sich die Befürworter siegessicher. Abgestimmt wird aber erst am 26. September.

Fast ein wenig kitschig, wie sich der Raureif an diesem Montagmorgen vor dem Zivilstandesamt in Arlesheim auf den pinken Rosen niederlegt. Doch irgendwie passt es zum Thema Liebe. Politiker und Politikerinnen aus den allermeisten regionalen Parteien haben sich vor der Hauswand in Regenbogen-Ordnung aufgereiht. Die Initiative «Ehe für alle» baut auf einer breiten Unterstützer-Basis. Nur die SVP und die EVP lehnen sie entschieden ab.

Um die Unterstützung aus diversen politischen Färbungen zum Ausdruck zu bringen, hat sich das Komitee eine etwas andere Medienkonferenz überlegt. Der Reihe nach werden Statements abgegeben. «Wir haben gemerkt, dass wir sehr viele verschiedene Parteien sind, die für die Ehe für alle einstehen und kämpfen. Wir haben uns also überlegt, wie wir das am Schönsten rüberbringen können und dachten, dass Farben für die verschiedenen Parteien sehr gut passen», erklärt Anouk Feurer vom jungen grünen Bündnis Nordwestschweiz.

Auch die junge SVP Basel-Stadt distanziert sich von den Abstimmungsparolen der Mutterpartei und nimmt die «Ehe für alle» an.

«Es spielt keine Rolle, welches Geschlecht die Eltern haben»

Gleichgeschlechtliche Paare dürfen in der Schweiz weder heiraten, noch ein Kind adoptieren. Auch der Zugang zur Samenspende bleibt ihnen verwehrt. Das Hauptargument der Gegner: Jedes Kind soll das Recht haben, mit einem Vater und einer Mutter aufzuwachsen. Die Grüne-Grossrätin Fleur Weibel hält nicht viel von dieser Argumentation: «Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass es keine Rolle spielt, welches Geschlecht die Eltern haben. Denn in allen Konstellationen kann es den Kindern gut oder schlecht gehen. Für mich ist klar: Kinder brauchen Eltern, die sich für sie einsetzen und für sie sorgen. Das liegt nicht daran, ob die Eltern Männer oder Frauen sind, oder in welchen Konstellationen sie die Kinder grossziehen.»

Ausserdem, so Weibel, würden sich gleichgeschlechtliche Paare sehr gut und lange überlegen, ob und wie sie Kinder haben möchten. «Ich glaube, so ausgereifte Entscheide findet man nicht bei vielen Paaren. Dass nur, weil man auf dem Fortpflanzungsweg einfacher an Kinder kommt, über das Kindswohl entscheiden soll, leuchtet mir nicht ein.»

Die helvetische Langsamkeit

Für Betroffene sei es ein Schlag ins Gesicht, nicht über den eigenen Familienentwurf entscheiden zu können, erklärt JUSO Co-Präsidentin Elena Kasper: «Aktuell bin ich vom Gesetz des Landes in dem ich lebe, nicht gleichberechtigt. Wenn ich je den Wunsch verspüren sollte ein Kind haben zu wollen, dann weiss ich, dass mir mega viele Rechte und Sicherheiten verwehrt bleiben würden und das fühlt sich ganz offensichtlich nicht gut an. Deshalb hoffe ich auch so fest, dass die Initiative angenommen wird.»

Tatsächlich sei die Schweiz in Sachen Gleichstellung rückständig, fügt SP Grossrätin und Co-Präsidentin Jessica Brandenburger an. «Dass wir im 2021 darüber abstimmen, ob alle Menschen in unserem Land die gleichen Rechte haben sollen, ist genug aussagekräftig. Ich glaube es ist höchste Zeit für die Ehe für alle und sie wird auch kommen.»

Die Ergebnisse der Abstimmungsumfrage sehen so aus, als würde die Ehe für alle am 26. September an der Urne angenommen.

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