Der Hurrikan zog über New Orleans und richtete dort grosse Schäden an. (Bild: Keystone)
International

Über eine Million Menschen wegen Hurrikan Ida ohne Strom

Hurrikan Ida hat im Süden der USA die Stromversorgung für über eine Million Menschen gekappt. Zudem wurde ein erstes Todesopfer gemeldet.

Hurrikan Ida hat im südlichen US-Bundesstaat Louisiana erhebliche Schäden verursacht und mindestens ein Menschenleben gefordert. In der Gemeinde Prairieville sei eine Person von einem umstürzenden Baum tödlich verletzt worden, teilte das örtliche Sheriff-Büro am Sonntagabend, 29. August, auf Facebook mit. Der Ort liegt südöstlich von Baton Rouge, der Hauptstadt Louisianas. Zudem waren in Lousiana und im benachbarten Mississippi mehr als eine Millionen Kunden ohne Strom, wie aus Daten der Webseite poweroutage.us hervorging.

Auf Fotos und Videos waren massive Überflutungen und Schäden durch den Hurrikan zu sehen. Örtliche Medien berichteten von zerstörten Häusern, überfluteten Strassen und umgeknickten Bäumen und Strommasten. Im Ort Galliano habe der Sturm Teile des Daches eines Krankenhauses weggerissen. Es sei aber niemand verletzt worden.

Besonders betroffen waren niedrig liegende Gebiete südwestlich der Stadt New Orleans, für die es zuvor zumeist Evakuierungsanordnungen gegeben hatte. Auch aus der weiter nördlich gelegenen Kleinstadt Houma mit rund 30’000 Einwohnern, die direkt in der Sturmschneise liegt, kamen erste Berichte über schwere Schäden. In New Orleans waren Überschwemmungen und Schäden an Gebäuden zu sehen.

Mit 240 km/h auf Land getroffen

Als «extrem gefährlicher Hurrikan» der Stufe vier war Ida am 29. August auf Land getroffen. Das Nationale Hurrikanzentrum in Miami (NHC) warnte vor heftigem Regen, einer «lebensgefährlichen Sturmflut» und katastrophalen Windböen. Der Wirbelsturm habe beim Erreichen der Küste Windgeschwindigkeiten von rund 240 Kilometern pro Stunde mit sich gebracht.

Stunden später stufte das NHC den Sturm auf die Kategorie eins (von fünf) herab. Der Wirbelsturm bringe nunmehr maximal anhaltende Windgeschwindigkeiten von etwa 150 Kilometern pro Stunde, aber noch heftigere Windböen mit sich, teilte das NHC in Miami mit.

Ida traf in Louisiana auf den Tag genau 16 Jahre nach der Ankunft des verheerenden Hurrikans Katrina auf Land. Katrina hatte in und um New Orleans katastrophale Schäden und Überschwemmungen verursacht. Damals kamen rund 1’800 Menschen ums Leben. Seither wurden in der Region allerdings Milliarden Dollar in den Hochwasserschutz investiert.

Joe Biden: «Bereiten uns auf das Schlimmste vor»

Präsident Joe Biden erklärte für Louisiana – wie vom Bundesstaat erbeten – den Katastrophenfall. Somit können Bundesmittel für den Wiederaufbau und zur Unterstützung betroffener Bürger und Unternehmen freigegeben werden, wie das Weisse Haus mitteilte. Joe Biden hatte zuvor die Zentrale der US-Katastrophenschutzbehörde FEMA in Washington besucht.

«Das wird ein zerstörerischer Hurrikan, ein lebensbedrohlicher Sturm», warnte er. «An die Menschen der Golfküste, ich will, dass Sie wissen: Wir beten für den besten Ausgang, und bereiten uns auf das Schlimmste vor.» Biden versprach den Menschen die Unterstützung der Regierung. «Sobald der Sturm vorübergezogen ist, werden wir die ganze Macht dieses Landes für Rettung und Wiederaufbau einsetzen», sagte Joe Biden.

Der Sturm zog nur langsam über Land, weswegen die Orte in seinem Pfad längerer Zeit extremen Winden und heftigen Regenfällen ausgesetzt waren. Experten befürchteten daher grosse Schäden.

Tausende Soldaten im Einsatz

Louisianas Gouverneur John Bel Edwards warnte, das wahre Ausmass der Zerstörung werde in dem Bundesstaat erst ab Montag, 30. August, ersichtlich werden, sobald der Sturm in nordöstlicher Richtung abgezogen sei und Rettungs- und Bergungseinsätze beginnen könnten. Gouverneur Edwards erklärte wegen des Hurrikans den Notstand, aktivierte die Nationalgarde mit rund 5’000 Soldaten und mobilisierte hunderte Bergungsexperten. Zudem standen tausende Arbeiter bereit, um die Stromversorgung wieder herzustellen.

Ida verursachte an einigen Teilen der Küste eine meterhohe Sturmflut. Wie US-Medien berichteten, war die Wucht des ankommenden Wassers so stark gewesen, dass das Wasser im Süden von New Orleans im Mississipi Messungen zufolge rund drei Stunden flussaufwärts floss. Meteorologen warnten zudem, dass die von Ida ausgelösten ungewöhnlichen starken Regenfälle weitere Überschwemmungen verursachen könnten. Rettungsdienste stellten in dem Gebiet aus Sicherheitsgründen bis Montag die Arbeit ein.

Strom dürfte noch länger ausfallen

Der Strom fiel im gesamten Stadtgebiet von New Orleans aus, wie die städtische Einsatzzentrale mitteilte. «Der einzige Strom in der Stadt kommt von Generatoren», hiess es. In New Orleans leben knapp 400’000 Menschen. Es sei nicht damit zu rechnen, dass die Versorgung in Kürze wiederhergestellt werden könne, teilte der Versorger Entergy mit. Der Hurrikan habe alle acht für die Strombelieferung der Stadt zuständigen Leitungen beschädigt. Die Reparaturarbeiten dauerten an.

Die US-Katastrophenschutzbehörde FEMA flog hunderte Helfer und Vorräte – darunter millionen Mahlzeiten, Trinkwasser und Generatoren – in die Region. Auch Dutzende Krankenwagen und mehrere Sanitätsflugzeuge wurden bereitgestellt. Die Küstenwache stationierte zahlreiche Hubschrauber und Boote für den bevorstehenden Rettungseinsatz. Auch das US-Militär bereitete sich auf einen Hilfseinsatz vor.

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