Was entscheiden Gesundheitsdirektor Alain Berset und seine Bundesratskollegen und -kolleginnen am 25. August? (Bild: Keystone)
Schweiz

Kommt jetzt die Covid-Zertifikats-Pflicht für Restaurants?

Die Corona-Situation in der Schweiz ist prekär. Am Mittwoch werden die nächsten Corona-Entscheide der Regierung erwartet. Wie hart greift der Bundesrat durch?

Die Corona-Zahlen steigen und steigen. Gleichzeitig stagniert die Impfkampagne in der Schweiz weiter. Nur gut die Hälfte der Bevölkerung hat bisher zwei Impf-Dosen erhalten, damit liegt die Herdenimmunität in weiter Ferne.

Der Plan des Bundesrats: Die Corona-Tests sollen ab 1. Oktober für Ungeimpfte kostenpflichtig sein, auch Selbsttests werden nicht mehr gratis abgegeben. Damit sollen nicht nur Kosten gespart, sondern auch eine höhere Impfquote erreicht werden: Denn noch immer können Veranstaltungen und Clubs nur mit Covid-Zertfikat besucht werden. Eintritt erhalten nur Geimpfte, Genesene und Getestete. Die Aussicht darauf, teures Geld für Tests auszugeben, soll Unentschlossene zum Pieks gegen das Coronavirus bewegen. Dies nicht ohne Grund: Die hochansteckende Delta-Variante verbreitet sich rasant und wird alle Ungeimpften früher oder später treffen, warnen Experten.

Kantone befürworten kostenpflichtige Tests

Wer sich nicht impfe, der trage selber die Konsequenzen «und kann sich nicht mehr auf den Schutz durch staatliche Massnahmen verlassen», sagte Alain Berset am 11. August vor den Medien in Bern. Die Vorschläge des Bundesrats gingen daraufhin in die Vernehmlassung: Der Entscheid wird grösstenteils von den Kantonen unterstützt. Heute dürfte nun grünes Licht für kostenpflichtige Covid-Tests ab Oktober erfolgen.

Lockerungen wird es derweil keine weiteren geben. Der Bundesrat sieht davon ab, die Normalisierungsphase einzuläuten. Dies stiess bei der SVP und Gewerbeverbänden auf Kritik. Dennoch dürften sich auch hier die Kantone angesichts der steigenden Fallzahlen hinter den Entscheid des Bundesrats stellen.

Erste Kantone fordern strengere Massnahmen

Die Lage bei den vom Bundesrat angekündigten Massnahmen scheint somit relativ klar. In anderen Bereichen ist die Lage undurchsichtiger. Eine Frage, die sich unmittelbar aufdrängt: Reicht das?

Die derzeitige epidemiologische Lage sei als «ungünstig und besorgniserregend» einzuschätzen, auch wenn sie mit vielen Unabwägbarkeiten verbunden sei. Man könne durchaus von einer vierten Welle sprechen, sagte Patrick Mathys, Leiter Sektion Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) am 23. August vor den Medien in Bern. Die Spitäler könnten bereits in vier Wochen am Anschlag stehen. Keine positiven Aussichten also von Seiten der Fachexperten.

Ob der Bundesrat neue Massnahmen ergreift, ist derzeit offen. Die ersten Kantone sollen bereits auf härtere Massnahmen pochen, wie etwa «Watson» berichtet. Möglich wären aber weitere Regelungen für Restaurants, Schulen und Ferienrückkehrer.

Zertifikats-Pflicht für Restaurants?

Was in Frankreich bereits eingeführt ist, könnte bald in der Schweiz Schule machen: Restaurantbesuche mit Covid-Zertifikats-Pflicht. Der Kanton St. Gallen spricht sich konkret  für diese Regelung aus. Anna Lüthi vom Basler Gesundheitsdepartement sagt gegenüber dem «Blick» zwar, dass die Situation aktuell noch tragbar sei. «Jedoch ist die Dynamik momentan so gross, dass wir, wenn es so weitergeht, nächste Woche eine Ausweitung der Massnahmen ins Auge fassen müssen», fügt sie an.

Im Stadtkanton begrüsse man hier eine nationale Lösung. Das sagt der Präsident der kantonalen Gesundheitsdirektoren (GDK), Lukas Engelberger, gegenüber der Tagesschau von SRF. Es gelte zwingend, eine Überlastung der Spitäler zu vermeiden. Befürchtungen aus der Gastrobranche, dass dies zu Einbussen führen könnte, widerspricht er: «Es ist besser, mit den Zertifikaten Betriebe offen halten zu können, als allenfalls sogar wieder zu Schliessungen zu greifen». Für den Kanton Basel-Stadt bereite man diese Zertifikats-Pflicht bereits vor. Das Thema dürfte bei der heutigen Bundesratssitzung zumindest auf den Tisch kommen.

Kommt die Maskenpflicht in Schulen wieder?

Die Schulen gehören mit den Clubs derzeit zu den grossen Infektionsherden in der Schweiz. Während in beiden Basel bereits in den ersten Schulwochen zahlreiche Schülerinnen und Schüler positiv auf das Coronavirus getestet wurden, verhängten die Kantone Schaffhausen und Graubünden bereits neue Massnahmen. Die Maskenpflicht wurde im Kanton Schaffhausen ab der Sekundarstufe I wieder eingeführt, während im Bündnerland eine ganze Schule schliessen musste. Fast jeder vierte Schüler in Malans hatte sich infiziert.

Wie weiter also an den Schulen? Verhängt auch hier der Bundesrat landesweite Regeln? Oder reagieren die Kantone selbst? In beiden Basel kündigten die Behörden zumindest an, die Lage genau zu beobachten und entsprechend zu reagieren. Ein entscheidender Faktor sind die RückkehrerInnen aus Feriengebieten, wenn es um die Infektionen geht. Also stellt sich die Frage:

Gibt es wieder Quarantäne-Pflichten für Ferienrückkehrer in der Schweiz?

Bis Anfangs Sommer hatte der Bund eine Liste mit Risikogebieten definiert. Wer bis Juni aus einem dieser Gebiete in die Schweiz reiste, musste in Quarantäne. Mittlerweile wurde diese Regelung aufgehoben.

Eine Wiedereinführung könnte aber kurz bevorstehen: «Wir müssen uns ernsthaft überlegen, die Einreisequarantäne wieder einzuführen», sagte Präsident der kantonalen Gesundheitsdirektoren, Lukas Engelberger, gegenüber der «NZZ am Sonntag». Setzt auch hier der Bundesrat an?

Welche Pläne und Massnahmen der Bundesrat ergreift, entscheidet sich am Mittwoch, 25. August, in der wöchentlichen Sitzung. Im Anschluss werden die Massnahmen vor den Medien verkündet. Telebasel zeigt die Medienkonferenz aus Bern im Live-Stream. Der genaue Zeitpunkt ist noch nicht bekannt.

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