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Der Telebasel News-Beitrag vom 25. August 2021.
Schweiz

Bundesrat will Zertifikats-Pflicht für Beizen, Fitness und Zoos

Der Bundesrat prüft eine Ausweitung der 3G-Regel auf Innenräume von Restaurants, Kultur- und Freizeit. So soll eine Überlastung der Spitäler vermieden werden.

Nachdem mehrere Kantone in den vergangenen Tagen und Wochen eine Ausweitung der Zertifikatspflicht in Erwägung gezogen haben, will der Bundesrat nun den Rückhalt für eine nationale Lösung eruieren. Bis nächsten Montag sollen sich die Kantone und Sozialpartner dazu äussern.

Ob und – wenn ja – wann die neuen Regeln in Kraft gesetzt werden, wird der Bundesrat im Anschluss entscheiden. Das Problem sei die Ungewissheit, sagte Gesundheitsminister Alain Berset am Mittwoch vor den Medien in Bern. «Ich weiss nicht, wo wir in einer Woche stehen.» Der Bundesrat wolle, wenn nötig, rasch handeln können.

Erneuten Shutdown verhindern

Eine breitere Anwendung des Covid-19-Zertifikats muss nach Ansicht des Bundesrats geprüft werden, weil die Durchimpfungsrate zu tief ist. In der Schweiz seien 56 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal geimpft, in der EU dagegen 63 Prozent.

Das Problem sei, dass das Virus derzeit schnell zirkuliere – vor allem unter den ungeimpften Teilen der Bevölkerung, sagte Berset. Das habe auch mit den aufgehobenen Massnahmen zu tun. «Es gibt seit Wochen fast keine Einschränkungen mehr ausser der Maskenpflicht.»

Anders als in früheren Infektionswellen soll auf die Schliessung ganzer Branchen oder Verbote von bestimmten Aktivitäten verzichtet werden, schreibt der Bundesrat. Die Ausweitung des Covid-Zertifikats ist laut Berset «die Massnahme, welche uns erlaubt, Schadensbegrenzung zu betreiben».

Breiter Einsatz des Zertifikats

Zur Diskussion steht die Ausdehnung der 3G-Regel (geimpft, getestet, genesen) auf alle Innenbereiche von Restaurants sowie auf Veranstaltungen, die im Innern stattfinden – wie Konzerte, Theater, Kino, Sportveranstaltungen und auch Privatanlässe wie Hochzeiten. Betreiber von Discos sollen neu obligatorisch die Kontaktdaten der Besucherinnen und Besucher erheben müssen.

Neu soll auch der Zugang zu Orten wie Museen, Zoos, Fitnesscenter, Kletterhallen, Hallenbäder, Aquaparks, Thermalbäder, Billardhallen oder Casinos auf Personen mit einem Zertifikat eingeschränkt werden. Ausgenommen wären Betriebe, die ausschliesslich Aussenbereiche umfassen.

Auch bei sportlichen und kulturellen Aktivitäten in Innenräumen wie Trainings oder Musik- und Theaterproben soll künftig der Zugang auf Personen mit Covid-Zertifikat eingeschränkt werden. Diese Beschränkung gälte nicht für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren und für beständige Gruppen von maximal dreissig Personen, die in abgetrennten Räumlichkeiten regelmässig zusammen trainieren oder proben.

Die Medienkonferenz mit Bundesrat Alain Berset vom 25. August 2021. (Video: Youtube/Der Eidgenössische Bundesrat)

Kein Zertifikat für unter 16-Jährige

Wie bis anhin soll die Zertifikatspflicht nicht für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahre gelten. Ausgenommen von der Zertifikatspflicht wären nach den Plänen des Bundesrats auch religiöse Veranstaltungen, Bestattungen sowie Anlässe zur politischen Meinungsbildung bis maximal dreissig Personen.

Der Bundesrat schlägt zudem vor, den Einsatz des Zertifikats im Arbeitsbereich in der Verordnung zu klären. Es soll explizit festgehalten werden, dass die Arbeitgeber das Vorhandensein eines Zertifikats prüfen dürfen, «wenn dies der Festlegung angemessener Schutzmassnahmen oder der Umsetzung des Testkonzepts dient».

Keine Gratis-Schnelltests mehr

Nichtgeimpfte haben die Möglichkeit, mit einem negativen Test zu einem Zertifikat zu gelangen. Es sei jedoch nicht mehr gerechtfertigt, die hohen Kosten von der Allgemeinheit zahlen zu lassen, weil jede Person die Möglichkeit habe, sich impfen zu lassen, sagte Berset. Der Bundesrat hat entschieden, dass ab dem 1. Oktober die Testkosten für das Covid-Zertifikat nicht mehr vom Bund übernommen werden.

Nicht geändert werden sollen die bekannten und breit akzeptierten Hygiene- und Abstandsempfehlungen, die Quarantäneregeln sowie die generelle Maskentragpflicht in öffentlich zugänglichen Innenräumen, Läden und im öffentlichen Verkehr.

Die Auslastung der Intensivstationen in den Spitälern beträgt zurzeit 81,2 Prozent. 26,1 Prozent der verfügbaren Betten werden von Covid-19-Patienten besetzt. In der Schweiz und in Liechtenstein sind dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Mittwoch innerhalb von 24 Stunden 3212 neue Coronavirus-Ansteckungen gemeldet worden.

5 Kommentare

  1. Hallo, wie sieht es aus mit den Personen die sich als erste Impfen liessen. Denen ihre Impfung und Zertifikat läuft im Januar ab.
    Kommt der dritte Picks ?Report

  2. na den, von den Ungeimpften 47% was ja notabene fast die Hälfte der CH ist, sind auch systemrelevante wie zbsp.Lehrkräfte, Betreuende, Pflegende…wenn das so zustande kommt können wir gespannt sein-auf ein neues System? Ich mache die Erfahrung, dass die die sich impfen lassen wollen dies getan haben und die anderen nicht. Da ändert wohl auch mehr Druck und Angst nicht. Eher im Gegenteil.Report

  3. Gratuliere. Der Bundesrat schafft demnächst eine Zweiklassen-Gesellschaft. Beamen wir doch die ganze Regierung mit der Raumschiff Enterprise zu den Marsianern. Dort sollen sie dann die nächsten Jahrzente verweilen. Das Virus wird nicht verschwinden, soviel ist klar. Dank den Geimpften muss es ja ständig mutieren um zum überleben. Kappute Welt.Report

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