Hat mit bald 35 Jahren genug: Der Berner Moto2-Fahrer Tom Lüthi gibt per Ende dieser Saison seinen Rücktritt. (Keystone)
Schweiz

Tom Lüthi gibt per Ende Saison seinen Rücktritt

Tom Lüthi gibt per Ende dieser Saison seinen Rücktritt. Der Berner Moto2-Fahrer wird Mitte November in Valencia seinen letzten Grand Prix bestreiten.

Trotz des persönlich besten Saisonresultats entscheidet sich Tom Lüthi am letzten Wochenende im österreichischen Spielberg definitiv zum Rücktritt. Auf dem Programm stehen für den Berner Moto2-Fahrer, der Anfang September 35 Jahre alt wird, noch sieben Grands Prix.

Wenn es nach seinem Herz gegangen wäre, «dann würde ich wohl noch mit achtzig versuchen, Rennen zu fahren und zu gewinnen», so Lüthi, der mit 311 GP-Starts zu den erfahrensten Piloten im MotoGP-Paddock gehört. Der Kopf allerdings sage ihm mittlerweile etwas anderes, sagt der Emmentaler. «Ich will keine halben Sachen machen und einfach nur mitfahren.»

Doch vor allem in dieser Saison war der 125-ccm-Weltmeister von 2005 nur noch ein Mitfahrer. Bis zum 9. Rang zuletzt in Österreich, wo er im elften Rennen der Saison endlich zum ersten Mal in die Top 10 vorstiess, war Lüthi nie besser als 14. Kein Wunder, dass beim WM-23. Gedanken aufkamen, «wie lange es weitergehen soll und kann». Für ihn sei schliesslich immer sehr wichtig gewesen, «ein gutes Paket mit Aussicht auf Erfolg hinzukriegen».

«Jetzt ist der richtige Moment»

Was ihm aber weder 2020 noch heuer gelingen wollte. Nie mehr kämpfte Lüthi um die Podestplätze oder gar um den Sieg. Das wurde zuletzt auch viel schwieriger, wie er selber anmerkt. «Krass, wie extrem die Jungen nachdrücken, vor allem aus Spanien und Italien.» Lüthis Konklusion, nach reiflichem Abwägen aller Argumente: «Jetzt ist der richtige Moment für den Rücktritt.»

So wird er am 14. November in Valencia – weitere (Corona-bedingte) Änderungen im Rennplan oder Verletzungen ausgenommen – seinen 318. und letzten Grand Prix bestreiten. «Das letzte Rennen wird wohl emotional nochmals anspruchsvoll. Es wird sicherlich ein grosser Moment.» Dannzumal werden fast 20 Jahre vergangen sein, seit Lüthi Mitte Juli 2002 als 26. im 125er-GP von Deutschland auf dem Sachsenring sein Debüt gegeben hatte. Nur zwei Rennen später klassierte er sich in Estoril als Neunter bereits erstmals in den ersten zehn.

2005 feierte Lüthi seinen grössten Erfolg. In der untersten Kategorie der Strassen-WM gewann er den Titel, als erster Schweizer in einer Solo-Kategorie seit Stefan Dörflinger 1985. Dieser Titel schuf die Voraussetzungen für Lüthis ungewöhnlich lange Karriere. Ab 2010 etablierte sich Lüthi, der 17 GP-Siege und 65 Podestplätze errungen hat, in der neu eingeführten Moto2-Kategorie an der Spitze. Ein zweiter WM-Titel allerdings blieb ihm verwehrt.

Künftig Sportchef und Manager

Lüthi wird sich auch nach seinem Rücktritt weiterhin in der Motorrad-Rennszene bewegen. Einerseits wird er Sportchef beim deutschen Moto3-Team PrüstelGP, andrerseits engagiert er sich in der Förderung des Schweizer Nachwuchses und übernimmt er das Management von Noah Dettwiler. Der 16-jährige, in Spanien wohnhafte Basler bestreitet 2022 die Moto3-Junioren-WM.

Auf die Folgesaison strebt Lüthi für seinen Schützling einen Vertrag in der Moto3-WM an. Er will die Zeit ohne Schweizer im GP-Sport «möglichst kurz halten. Es darf nicht wieder passieren – wie unmittelbar vor meiner Zeit geschehen -, dass im Nachwuchs bei uns ein solch riesiges Loch klafft.» Nach dem damaligen Rücktritt des Tessiners Olivier Petrucciani hatte es fast fünf Jahre gedauert, bis wieder ein Schweizer als Stammfahrer in der Strassen-WM auftauchte.

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