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Der Telebasel News Beitrag vom 15. August 2021.
Baselland

Von Afghanistan in die Surprise-Nati

Neben dem Homeless World Cup ist das Turnier in Utrecht das grosse Highlight der Strassenfussballer-Saison. In Pratteln feilen sie an Taktik und Technik.

Vier gegen vier, zweimal sieben Minuten: Es ist eine schnelle, intensive Fussballvariante. Das Strassenmagazin Surprise organisiert die Nationalmannschaften für die grossen Fussballturniere. Ohne WM dieses Jahr ist das Einladungsturnier in Holland das grosse Saisonhighlight.

Der sportliche Erfolg steht aber weder beim Frauen-, noch beim Männerteam im Vordergrund. «Für uns ist viel mehr, die Entwicklung jedes einzelnen wichtig. Dass jeder Einzelne mit seinen Möglichkeiten in seiner Lebensphase ein Schritt weiter kommen und davon profitieren kann. Seine Erfahrungen sammeln, positive Erfahrungen mitnehmen kann und das Sportliche ist dann immer sekundär», erklärt Janosch Martens, Koordinator Strassenfussball von Surprise.

Mit der Erfahrung zweier Olympiaden

Heini Hasler ist einer von zwei Goalies. Er bringt der Mannschaft viel Erfahrung, weil er hat schon zwei Mal an einem sportlichen Grossanlass teilgenommen. «Ich habe früher viel Sport gemacht, in Chur beim Behindertensport. War dort zwei Mal an der Olympiade, in Alaska und in Japan im Eiskunstlaufen und jetzt habe ich aufgehört vor ein paar Jahren und habe eine neue Herausforderung gesucht.» In Anchorage und Nagano sicherte er sich Bronze und Silber. Auch im Schwimmen war er im Behindertensport mehrfacher Schweizermeister und hütete über zwei Jahrzehnte das Tor im lokalen Unihockey Verein.

Trotz seiner langen und erfolgreichen Sportlerkarriere, ist die Freude und Motivation bei Heini Hasler ungebrochen, auch für das Turnier in Utrecht: «Ich freute mich sehr, als es hiess, ich sei mit dabei, bin ich fast ausgeflippt vor Freude und nächstes Jahr darf ich wohl mit an die Weltmeisterschaft.»

Neu mit Frauen-Nati

Neu ist, dass es ein Frauen-Nationalteam gibt. Bisher ist Surprise mit einem Mixed-Team angetreten. Monica Gomes spielt neben der «Surprise-Nati» auch noch beim FCB-Dreamteam mit und ist deswegen für die «Surprise Nati» angefragt worden. «Es hat mir sehr gefallen und die Trainer sind auch zufrieden», so Gomes. Neben den Nati-Zusammenzügen trainiert sie ein Mal in der Woche mit dem Dreamteam. Um sich fit zu halten, macht sie noch zweimal die Woche Krafttraining.

Marzeyek Jafari bringt ganz einen anderen Erfahrungsrucksack mit als Monica Gomes. Sie spielt seit drei Monaten Fussball. Sie kommt ursprünglich aus Afghanistan. Dort dürfen Frauen in der Regel nicht Fussball spielen. Sie sei aber von ihrem Sozialarbeiter angefragt worden, ob sie Lust auf Fussball spielen habe und das hat sie. Sie hofft, durch das Fussball spielen alle Frauen stolz zu machen. Während dem Spielen könne sie sich auf das Spiel konzentrieren und Krieg und Elend in ihrer Heimat, zumindest für einen kurzen Augenblick, ausblenden.

Ob Mazeyek Jafari in Utrecht spielen kann, ist noch ungewiss. Da sie über ein F Bewilligung und keinen afghanischen Pass verfügt, darf sie die Schweiz nicht verlassen. Sie hat zwar einen Pass bei der afghanischen Botschaft in Genf beantragt, ob dieser Rechtzeitig kommt ist eine andere Frage. Nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan, ist unklar, welche Befugnisse das Botschaftspersonal, welches vom gestürzten Regime eingesetzt wurde, überhaupt noch besitzt.

Trainingslager vor Turnier

Vor dem Turnier in Utrecht gibt es für beide Teams noch ein einwöchiges Trainingslager in der Region Bern. Die Ernstkämpfe in Holland sind dann vom 14. bis am 18. September.

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