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Der Telebasel News Beitrag vom 13. August 2021.
Basel

Keine Kultur ohne Covid-Zertifikat?

Die Kulturinstitutionen in Basel, welche nur noch mit einem Covid-Zertifikat besucht werden können, werden immer mehr.

3G stand früher vor allem für eine Mobilfunktechnologie. In Zeiten der Pandemie ändert sich dies. 3G oder GGG steht nun für den Umstand, dass jemand entweder gegen Covid-19 geimpft ist, die Krankheit genesen überstanden hat oder kürzlich negativ auf den Virus getestet wurde. In der Schweiz wird dies durch die Behörden mit dem sogenannten Covid-Zertifikat bescheinigt.

Besucher von gewissen Kulturinstitutionen, wie z.B. Clubs, sind dazu verpflichtet eine solche Bescheinigung vorzuweisen. Andere Anbieter haben die Wahl, wie sie ihr Angebot gestalten wollen. Kleinere Anlässe sind ohne Zertifikat durchführbar, aber ab 1000 Personen ist ein solches obligatorisch.

Sinfonieorchester und Clubs bereits eingespielt

Das Sinfonieorchester Basel hat bereits Pilotveranstaltungen durchgeführt und sei so weit zufrieden. Die Besucher dürfen sich so frei bewegen und sich auch wieder etwas näherkommen. Das Zertifikat soll generell bei Veranstaltungen im Stadtcasino zum Einsatz kommen. Denn der grosse Saal fasst über 1000 Personen.

In diese Basler Clubs, welche seit ein paar Wochen wieder offen sind, kommt man prinzipiell nur mit Covid-Zertifikat. Der Bund schreibt dies so vor. Die Betreiber konnten deshalb bereits einige Erfahrungen sammeln, sagt Jean-Marc Lüthy vom Verein Kultur & Gastronomie. Mittlerweile habe sich das gut eingespielt. Viele Veranstalter hätten eigene Testkapazitäten aufgebaut, da die offiziellen Teststellen während der Ferienzeit oft überlastet waren. Zudem können sich die Gäste so auch kurzfristig für einen Besuch entscheiden. Das System sei mittlerweile akzeptiert, sagt Marc Lüthy.

Auch in der Kaserne Basel brauchen Konzertbesucher ab jetzt ein Zertifikat. Denn nur so sind Veranstaltungen mit über 1000 Besuchern wieder möglich. Das Team um den Künstlerischen Leiter Sandro Lunin rechnet nicht damit, dass der Aufwand nochmals zunimmt. Er sei wohl etwa ähnlich hoch, wie damals, als sie Contact Tracing machen mussten. «Das ist auch relativ komplex,» meint er. Während des am Freitag gestarteten Polyfon Festivals sollen erste Erfahrungen gesammelt werden.

Vorerst keine Zertifikatspflicht am Theater Basel

Einen grossen kulturellen Leuchtturm der Region kann man im Moment noch ohne Zertifikat besuchen: Das Theater Basel. Am 20. August beginnt die neue Spielzeit. Allerdings liege das vor allem an organisatorischen Gründen, sagt Susanne Benedek, Leiterin Kommunikation und Mitglied der Geschäftsleitung. Zu Beginn der Saison hat das Theater nämlich ein spezielles Programm zusammengestellt, die sogenannten «Extra Wochen».

Und die Eintrittskarten für diesen Event waren seit Mai im Vorverkauf, über 5000 Tickets seien bereits verkauft worden. Die Leute hätten diese den ganzen Sommer hindurch zu den klar deklarierten Bedingungen gekauft. Dazu gehören die Maskenpflicht, das Abstandhalten und die Anordnung der Sitze in einem Schachbrettmuster. Würde man die Bedingungen jetzt ändern, müsste das Theater damit rechnen, dass Ticktes zurückgegeben werden oder dass zumindest Verwirrung entsteht. «Deswegen ziehen wir das jetzt durch», sagt Susanne Benedek.

Allerdings sei gut möglich, dass nach den «Extra Wochen» auch am Theater Basel eine Zertifikatspflicht eingeführt wird. Im Oktober startet das reguläre Programm. Die Theaterleitung wolle aber noch den Bundesratsentscheid Ende August abwarten und dann definitiv entscheiden.

Sorge über Wegfall der gratis Coronatests

Kopfzerbrechen bereitet der Branche der Vorschlag des Bundesrates, die Coronatests für symptomlose Personen, welche diese für den Ausgang oder die Ferien benötigen, nicht mehr gratis anzubieten. Einerseits gibt es die Hoffnung, wie Jean-Marc Lüthy sagt, dass so mehr Leute zu einer Impfung motiviert werden. Dies könnte dazu führen, dass die Pandemie unter Kontrolle kommt und das Zertifikat schon bald überflüssig wird. Andererseits sei aber auch zu befürchten, dass sich die Jungen für Partys in den privaten Rahmen zurückziehen und dort ohne Zertifikate Corona erst recht zur Verbreitung verhelfen.

Sandro Lunin fürchtet sich davor, dass der Druck, sich impfen zu lassen, zu gross wird. Dies könnte die Spaltung in der Bevölkerung noch vergrössern. Und eigentlich sei es ja der Wunsch der Kulturbranche, Trennendes zu überwinden.

Das Theater Basel wiederum fürchtet um seinen Leistungsauftrag. Sein Programm sollte für alle zugänglich sein. Wenn das Haus im Herbst tatsächlich eine Zertifikatspflicht einführt und die Tests gleichzeitig nicht mehr gratis zu haben sind, könnte dies dazu führen, dass gewisse Schichten nicht mehr ins Theater gehen. «Besonders Schüler, Familien mit Kindern und Studierende,» meint Susanne Benedek.

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