Alain Berset auf dem Weg zum Locarno Film Festival. (Bild: Keystone)
Schweiz

Bundesrat Berset eröffnet die 74. Ausgabe des Locarno Film Festivals

An der Eröffnung der 74. Ausgabe sprach Bundesrat Alain Berset über den Spagat des Tessiner Filmfests zwischen Locarno und dem Globus.

Im Lokalen selbst stecke eine ganze Welt, sagte Berset – diese Erfahrung hätten alle auch in der Coronavirus-Pandemie gemacht.

In dieser Mischung von internationaler Ausstrahlung und regionaler Verankerung liege der besondere Reiz des Filmfestivals, fuhr der Bundesrat in seiner Eröffnungsrede im Innenhof des Departements Bildung und Lehre der Fachhochschule der italienischen Schweiz SUPSI fort.

In vielen Filmen in Locarno gehe es um Mut, Freiheit und philosophische Fragen, sagte Berset. Und natürlich gäbe es auch Filme zu den Schweizer Banken.

Vom Tessin nach Rom

Der Film «La Sapienza», der 2014 im Wettbewerb von Locarno lief und im weitesten Sinn vom Tessiner Architekten Francesco Borromini handelt, sei eine Metapher für den Film, wie ihn Locarno pflege, erklärte Berset.

Denn Borromini, aus der Südschweiz stammend und später in Rom tätig, gelte heute als Referenz für Qualität, Wagemut und Innovation, resümierte der Bundesrat.

Zum Medium Film zurückkehrend sagte Berset, Filme könnten einen zum Lachen bringen, Filme könnten altbekannte Bilder und Vorstellungen zerkratzen, Filme könnten provozieren und faszinieren.

«Endlich sind wir da», schloss der Bundesrat. «Geniessen wir es!»

Das Gewicht der Worte

Direktor Giona A. Nazzaro sprach in seiner Rede über das Gewicht der Worte. Worte seien nicht bloss Worte, sondern könnten Handlungen gleichkommen, erklärte der ursprünglich aus Italien stammende neue Leiter des Filmfestivals Locarno.

Als Festivalpräsident Marco Solari im vergangenen Oktober gesagt habe: «Wir machen die Piazza Grande auf, egal, was es kostet», hätten diese Worte eine enorme Ausstrahlung gehabt. Dieser Satz habe es seinen Mitarbeitern ermöglicht, in die Zukunft zu schauen, resümierte Nazzaro.

«Avanti a tutto vapore» – «mit Volldampf vorwärts» sei denn auch das Motto der Festival-Crew gewesen, erklärte der Direktor. «Der Grund, weshalb wir so hart arbeiteten: Wir wollten euch alle wiedersehen!», rief Giona A. Nazzaro der Zuhörerschaft entgegen. Deshalb gehe an diesem Abend «der erste Dank» an das Publikum. Denn dieses zeige, dass man Angst und Isolation besiegen und zum Leben zurückkehren könne.

Festival als «neues Abenteuer»

Auch der Vorsteher des Tessiner Kultur- und Erziehungsdepartements Manuele Bertoli kam auf die Coronavirus-Pandemie zu sprechen. Das Festival del Film Locarno biete Gelegenheit, darüber nachzudenken, was in den vergangenen langen Monaten passiert sei, wie viel Distanz wir alle zur Kultur genommen hätten – zwangsweise. «Diese Pandemie ermüdet uns», hielt Bertoli fest. Denn das Publikum brauche Begegnungen und gemeinsame Erlebnisse.

Auch der Locarneser Stadtpräsident Alain Scherrer sprach vom «Bedürfnis, zusammen zu sein» und «mit Freude» dem Leben zu begegnen.

Dieses Jahr scheine alles wieder etwas stabiler zu sein, sagte Scherrer. Das Festival biete ein neues Abenteuer, voller Reichtum und überwältigender Kraft. «Lassen wir uns diese Gelegenheit nicht entgehen», schloss Scherrer. «Lunga vita a noi, lunga vita al Festival!»

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