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Schweiz

Wann kehrt die Schweiz zurück zur Normalität?

Die Impfkampagne ist in der Schweiz weit fortgeschritten. Jetzt werden die Rufe nach Normalität lauter: Experten erhöhen den Druck auf den Bundesrat.

In drei Phasen will der Bundesrat lockern und den Gang aus der Corona-Pandemie zurück in die Normalität organisieren. Das entsprechende Modell hatte die Landesregierung im April vorgestellt und dafür breiten Zuspruch erhalten.

Jetzt fordern renommierte Experten den Bundesrat auf, bei den Lockerungen aufs Gaspedal zu drücken. Ihr Argument: Die Einschränkungen im Alltag der Bevölkerung seien nicht mehr verhältnismässig. Unter ihnen sind ehemalige Mitglieder der Covid-Task Force des Bundes. Epidemiologe Marcel Salathé stellt fest, dass viele Menschen mit der Geduld am Ende seien, wie er gegenüber den Tamedia-Zeitungen sagte. «Wir können nicht ewig in diesem Zustand verharren», so Salathé.

Marcel Tanner, ebenfalls Ex-Task Force-Mitglied und Direktor des Schweizerischen Tropeninstituts, schliesst sich Marcel Salathé an. Er spricht sich dafür aus, dass der Bundesrat im Laufe des Augusts die Normalisierungsphase einläutet. Dann solle sich der Staat zurückziehen und die BürgerInnen selbst Verantwortung übernehmen, so Tanner gegenüber der «SonntagsZeitung». In seinem Drei-Phasen-Modell hält der Bundesrat denn auch fest, dass Phase 3, also die Normalisierungsphase, dann beginnen soll, wenn die gesamte erwachsene Bevölkerung Zugang zu einer vollständigen Impfung erhalten hat. Dies ist mittlerweile der Fall.

Zustimmung von links bis rechts

In der Politik klingt es zurzeit ähnlich. Von links bis rechts fordern PolitikerInnen ein baldiges Ende der meisten Corona-Massnahmen. Während rechtsbürgerliche Kreise schon länger mit mehr Freiheiten liebäugeln, blasen jetzt auch SP-VertreterInnen ins selbe Horn. So findet es der Waadtländer SP-Nationalrat Pierre-Yves Maillard «gut, dass Epidemiologen eine Rückkehr zur Normalität fordern». Sie nähmen damit ihre Verantwortung auch wahr, so der Präsident des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds gegenüber «20 Minuten». Gleichzeitig spricht Maillard dem Bundesrat sein Vertrauen aus.

Grünen-Präsident Balthasar Glättli fordert einen erneuten «Impf-Effort» nach den Sommerferien – auch in Fremdsprachen, um MigrantInnen zu erreichen. Und eine Kampagne für Jugendliche. Danach komme aber «der Moment, an dem Einschränkungen für die gesamte Bevölkerung unverhältnismässig werden», so Balthasar Glättli zu «20 Minuten». Trotzdem ist er auch besorgt. Einerseits wegen der Menschen, die sich nicht impfen lassen. Andererseits wegen der Anzahl Hospitalisationen, die um 50 Prozent höher sei, als vor einem Jahr. Glättli vermutet die Delta-Variante als Grund für den Anstieg.

Marcel Dobler von der FDP sehnt das Ende der Corona-Massnahmen ebenfalls herbei: Er habe sich über die Aussagen von Marcel Salathé «sehr gefreut» und sei zu «100 Prozent auf seiner Linie», so der St. Galler Nationalrat. Er hätte sich gar ein Ende der Massnahmen zum 1. August gewünscht. Jetzt, da alle Impfwilligen Zugang zur Impfung hatten, seien die Einschränkungen nicht mehr gerechtfertigt. Ungeimpfte entschieden sich frei dazu, sich selbst zu gefährden, findet Marcel Dobler.

Ohnehin für ein sofortiges Ende der Corona-Massnahmen spricht sich die SVP aus, allen voran ihr Nationalrat Thomas Aeschi. Er ist ebenfalls erleichtert über die Forderungen der Epidemiologen. Und er glaubt, dass die Experten offener ihre Meinung kund tun, seit sie nicht mehr der Covid-Task Force angehören. «Sobald sie frei sind, wie Salathé jetzt, werden die wissenschaftlichen Aussagen viel breiter», so Thomas Aeschi gegenüber «20 Minuten».

Bundesrat hält sich zurück

Und der Bundesrat? Dieser äussert sich zurzeit nicht oder nur sehr zurückhaltend zur Massnahmen-Diskussion. Erst in der zweiten Augustwoche will die Landesregierung wieder über die Corona-Strategie beraten und dazu informieren. Gesundheitsminister Alain Berset liess Ende Juli auf Twitter lediglich durchblicken, dass die Situation zwar gut sei, aber eine «negative Dynamik und Unsicherheit» herrschten. Vorerst gebe es keine Konsultation zu einer Anpassung der Massnahmen.

Am Dienstag informieren einzig die Fachexperten des Bundes zur aktuellen Corona-Lage. Da sie aber keine Entscheidungskraft in Bezug auf die Massnahmen-Politik haben, wird es keine handfesten Schritte geben. Vielleicht lassen sie aber ihre Meinung zu möglichen Lockerungen durchblicken.

Telebasel überträgt die Medienkonferenz der Fachexperten des Bundes am Dienstag, 3. August 2021, ab 14 Uhr im Live-Stream auf telebasel.ch und in der App.

1 Kommentar

  1. Ich bin durchgeimpft und bin für Öffnung. Die,die sich nicht impfen lassen wollen und lieber einen schweren Verlauf riskieren, sind mir langsam egal.Report

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