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Die Telebasel Sommerserie vom 4. August 2021.
Baselland

Von Kräuterhexen, Kobolden und Kirchen-Unfällen

Redaktor Michel Schultheiss nimmt Sie auf seiner Wanderung mit von Gelterkinden nach Hersberg. Dabei macht er in einem Hexenhaus und bei einer Wagenclique Halt.

Für die Sommerserie begibt sich die Telebasel-Redaktion auf Wanderschaft. Getreu dem Baselbieterlied führt der Weg quer durch den Kanton. Die zweitletzte Etappe «vom Bölche bis zum Rhy» steht an.

Meine Wanderung beginnt in Gelterkinden. Über die Feldwege mache ich mich auf nach Rickenbach. Dort mache ich auf dem Hof von René Gisin eine Verschnaufpause. Der Landwirt ist auf Obstbäume spezialisiert und hat kürzlich von der Milch- auf die Fleischwirtschaft umgestellt. Daher sind auf der Weide einige Mutterkühe zu entdecken; den Stall hat René Gisin kürzlich umgebaut. Gleich unterhalb seines Hofs befindet sich ein Weiher mit einer langen Geschichte. René Gisin erklärt mir, was es damit auf sich hat: Einst legten die Herren der Farnsburg einen Fischweiher an. Dieser wurde später trockengelegt, doch mittlerweile als Biotop wiederbelebt.

Das Hexenhaus von Wintersingen

Meine Wanderung geht weiter über die Wintersinger Höhe. Mein nächster Halt ist ein ganz besonderer Ort. In Wintersingen steht ein richtiges «Häxehüsli». Der Name ist keineswegs negativ gemeint. Im Gegenteil: Die Inhaberin Therese Eschbach bezeichnet sich selbst als Kräuterhexe. Dies mit guten Grund: Sie hat sich enormes Wissen über heimische Heilpflanzen und Kräuter angeeignet. Viele davon spriessen in ihrem Garten.

In diesem verwunschenen Hexengarten wachen steinerne Feen, Kobolde und Zwerge. Diese sind mitnichten nur Dekoration. Therese Eschbach glaubt an die Elementarwesen. Besonders zu den Zwergen habe sie eine besondere Verbindung. Schliesslich sind sie sehr geerdet und mit dem Erd- und Pflanzenreich verbunden. Vieles, was bei Therese Eschbach ins kleine Lädeli oder auf den Tisch kommt, stammt direkt aus dem Garten. So zaubert sie etwa einen phänomenalen Kräuterquark aus Eigenanbau.

In Wintersingen gibt ausser dem Hexenhaus noch ein anderes besonderes Gebäude. Hier steht eine der wenigen Winkelhakenkirchen der Welt. Der ehemalige Kirchenpfleger Daniel Anderegg kennt das Gotteshaus wie seine Westentasche. Er hat auch einen Kirchenführer dazu geschrieben. Wie Daniel Anderegg weiss, handelt es sich ausser der Kirche in Binningen um die einzige Winkelhakenkirche der Schweiz.

Der Vorteil bei dieser Bauweise ist, dass der Pfarrer von der Kanzel aus seine Schäfchen im Auge behalten konnte. Leider können wir das kunsthistorisch bedeutende Innere der Kirche nicht betreten. Das hat einen tragischen Hintergrund: Im letzten Dezember kam es dort aus noch ungeklärten Gründen zu einer Explosion. Gott sei Dank kam niemand zu Schaden. Um ein Haar hätte dies böse enden können. Wie Daniel Anderegg erzählt, wäre kurz danach eine Versammlung geplant gewesen. Er hofft, dass bis Weihnachten die Kirche wieder in Stand gestellt ist.

Die berühmte Eiche und der Toledo-Turm

Von Wintersingen aus mache ich mich auf in Richtung Nusshof. Unterwegs springt mir eine Art Tinguely-Skulptur ins Auge. Es handelt sich um den Toledo-Turm. Ein ehemaliger Dekorateur hat dieses Metallkunstwerk als eine Art Leuchtturm für die Wanderer errichtet. Spektakulär geht es weiter oben weiter: Eine der bekanntesten Eichen Europas steht dort prächtig in der Landschaft. Der Baum hat eher die Form einer Linde. Zum Glück konnte ihr der Sturm Burglind nicht viel anhaben.

Von der Europa-Eiche aus durchquere ich Nusshof, um bei meinem Wanderziel Hersberg anzugelangen. Beim Dorfbrunnen begegne ich dem 19-jährigen Schreiner Ruedi Gysin. Der passionierte Fasnächtler ist in Begleitung seines Grossvaters Ueli Imhof. Wir kommen auf ein Thema zu sprechen, dass in Hersberg bewegt: Eine mögliche Gemeindefusion mit dem Nachbarn Arisdorf. Der Enkel und der Grossvater haben dazu ganz unterschiedliche Meinungen. Fusionen sind auch an der Fasnacht ein Thema. Ruedi Gysin zeigt mir nämlich den Wagen für die Prattler Fasnacht, der das Jahr über in Hersberg steht. Zwei Wagencliquen haben sich zusammengetan – und hoffen nun auf die erste Fasnacht nach Corona.

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