Pald könnten mehr Produktionen in die Schweiz zurück verlagert werden. (Symbolbild: Keystone)
Schweiz

Gibt es bald wieder mehr Arbeitsplätze in der Industrie?

Kommt es bald zur Rückverlagerung von Produktionen aus dem Ausland zurück in die Schweiz und nach Europa? Wegen der Corona-Krise könnte das Realität werden.

Auf dem Höhepunkt der Corona-Krise im Frühjahr 2020 wurde in der Schweiz laut über die Rückverlagerung von Produktionen aus dem Ausland zurück in die Schweiz nachgedacht. Noch ist davon kaum etwas zu sehen. Steigen aber die weltweiten Frachtkosten allerdings weiter an, könnte es doch noch vermehrt zu Produktionsverlagerungen kommen, glauben Experten.

Als die weltweiten Produktions- und Lieferketten mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie durchgeschüttelt wurden und dies teils längere Unterbrüche zur Folge hatte, waren die Rufe nach einer Verlagerung von Produktionen zurück nach Europa unüberhörbar. Eineinhalb Jahre danach lässt sich feststellen: Die Pläne in die Tat umzusetzen, ist nicht ganz einfach.

«Eine Verlagerung bedingt, dass die Produktion gestoppt, die Maschinen auf Schiffe verladen und am neuen Standort installiert werden», gibt Naoufel Cheikhrouhou, Professor für Logistics und Supply Chain Management an der Genfer Hochschule für Wirtschaft im Gespräch mit AWP zu bedenken. Für den Umzug müsse ein Unternehmen mit rund sechs Monaten rechnen. «Das können sich nur wenige Firmen leisten.»

Höhere Frachtkosten

Doch nun könnten der Zollkrieg zwischen den USA und China und die steigenden Frachtkosten Veränderung bringen, glaubt die auf Lieferketten spezialisierte Beraterin Agnes Zsofia Nagy. Wird der Transport der Produkte im Schiffscontainer oder im Flugzeug teurer, dürfte bei einigen Firmen die Verlagerung von Produktionsschritten zurück nach Europa zum Thema werden.

Auch die anhaltenden Unsicherheiten rund um die Coronapandemie werde die Diskussion um eine Repatriierung der Produktion weiter anfachen, sagt Nagy. Viele Unternehmen dürften im Verlauf der nächsten sechs bis zwölf Monate die Kosten und den Nutzen einer solchen Aktion gegenüberstellen und abwägen, ob eine Rückverlagerung Sinn macht.

Netzwerke als Zwischenlösung

Es gebe aber auch Zwischenlösungen, etwa in der Zusammenarbeit in der Fabrikation mit anderen Firmen, sagt Naoufel Cheikhrouhou. Als Beispiele nennt er Swiss Microtech, ein Netzwerk von in der Westschweiz angesiedelten Herstellern von hochpräzisen Komponenten für die Uhrenindustrie.

Als die Krise ausbrach, hätten diese Netzwerke auf Vorräte zurückgreifen können, oder sie teilten Rohstoffe untereinander auf und konnten so die Produktion in dieser schwierigen Zeit fortsetzen. Dies seien Praktiken, die auch in anderen Bereichen vorstellbar wären, ergänzte Cheikhrouhou.

Keine Industriepolitik

Die Rückverlagerung von Produktionen oder zumindest von Teilen der Wertschöpfungskette ist auch ein Anliegen der Gewerkschaften. Allerdings sei seit Ausbruch der Coronakrise von Repatriierungen von zuvor ins Ausland ausgelagerten Produktionseinheiten bislang noch kaum etwas zu sehen gewesen, hält Magnus Meister von der Unia fest.

Das Problem ortet Meister auch in der Politik. Im Gegensatz zu den USA oder anderen europäischen Ländern fehle es an einer «Industriepolitik», wenn es um die Rückverlagerung von Produktionen in die Schweiz gehe, so der Gewerkschafter.

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