Der Fall wurde am Appellationsgericht neu verhandelt. (Bild: Archiv Telebasel)
Basel

Gericht mildert Strafe für verurteilten Vergewaltiger (33)

Der Vergewaltigungsfall im St. Johann wurde neu verhandelt. Das Appellationsgericht sprach nun eine mildere Strafe für den Verurteilten.

Der 33-jährige Portugiese, der vergangenen August wegen der Vergewaltigung einer Frau an der Elsässerstrasse verurteilt worden war, erhält eine mildere Strafe. Das entschied das Basler Appellationsgericht am Freitag, wie «20 Minuten» berichtet.

Der Verurteilte hatte zuvor Berufung eingelegt, weil er mit dem Schuldspruch des Strafgerichts einverstanden war. Dieser wurde nun zwar bestätigt, aber das Strafmass fällt tiefer aus: Statt 4,25 Jahre Gefängnis resultieren nun 36 Monate. Dadurch konnte das Gericht die Freiheitsstrafe bedingt aussprechen. Die Haftzeit des 33-Jährigen endet nun nach 18 Monaten. Laut dem Bericht sei das bereits am kommenden 11. August der Fall.

Ausgewiesen nach Portugal

Nach seinem Austritt aus der Haftanstalt Bostadel wird er direkt aus der Schweiz ausreisen müssen. Dies, weil er mit einem Landesverweis von sechs Jahren belegt wurde. Die Verfahrenskosten in einer Höhe von über 40’000 Franken muss er selbst tragen. Wie die Zeitung weiter berichtet, warten in Portugal die Frau und die vier Kinder des verurteilten Vergewaltigers.

Das Appellationsgericht erachtet den Vorfall an der Elsässerstrasse am Morgen des 1. Februar 2020 als Vergewaltigung: Der 33-Jährige habe gemeinsam mit einem 17-jährigen Kollegen die Frau vergewaltigt. Die Beweislage erachtete das Gericht als eindeutig.

«Sie spielte durchaus mit dem Feuer»

Weil aber die Übergriffe kurz und die körperlichen Verletzungen der Frau nicht gravierend gewesen seien, leitete das Gericht ein «mittleres Verschulden» ab. Auch lastete das Gericht dem Opfer eine Mitverantwortung an: Es habe auch eine Rolle gespielt, «welche Signale sie auf Männer aussende». «Sie spielte durchaus mit dem Feuer», sagte Gerichtspräsidentin Henz. Die Frau soll in der Nacht vor der Vergewaltigung in einem Club mit einem anderen Mann in einer Toilette herumgemacht haben, dabei sei es aber nicht zum Geschlechtsverkehr gekommen. Das Gericht zog die Schlussfolgerung, dass «Safer Sex» für das Opfer «kein Thema» sei.

Aus einem ähnlichen Schluss habe der Beschuldigte wohl geschlossen, dass er mit der Frau, die er seit Jahren kannte, leichtes Spiel habe. «Da haben Sie sich aber getäuscht», so Henz weiter.

Der 17-jährige Mittäter wird separat durch das Jugendgericht beurteilt. Es gibt noch keinen Verhandlungstermin.

4 Kommentare

  1. Und sowas in Basel! Dass dieser Frau noch die Mitschuld angelastet wird ist die Höhe! Ich bin absolut enttäuscht von dieser Entscheidung. Aber Gerichtspräsidentin Henz, ist ja schon öfter für ihre mangelhaften Entscheidungen im Netz kritisiert worden.Report

  2. Ich bin schockiert!
    Was die Frau mit einem anderen Mann auf der Toilette macht, hat nichts mit der Vergewaltigung zu tun. Ein Nein ist ein Nein! Ein Schlag ins Gesicht für alle Opfer einer Vergewaltigung. Trotz 2021 hat sich noch nichts geändert. Das Strafmass ist Lachhaft und eine Mitschuld des Opfers eine peinliche Beleidigung. Spiel mit dem Feuer?! Falsche Signale?! Einmal mehr der Beweis das in der Schweiz eine Vergewaltigung als kleiner Delikt angesehen wird und das Denken wie vor hundert Jahren vorherrscht, die Frau habe das mit ihrem Verhalten provoziert.Report

  3. So nicht!
    Wer immer solche Aussagen getroffen hat und das Urteil gefällt hat ist vom Amt abzusetzen. Das Wort Gleichberechtigung und Selbstbestimmung auch der Frau ist wohl bei den Herren noch immer nicht angekommen.
    Wenn Frau nein sagt bzw, eigentlich nicht explizit ja sagt zum Sex, dann ist es eine Vergewaltigung. Es kann KEINE mildernde Umstände geben durch das Benehmen der Frau, ihre Kleidung, der Anzahl Sexpartner. Das ist alles irrelevant. Relevant ist das dieser Herr vollkommen schamlos eine Vertrauensverhältnis und Kameradschaft ausgenutzt hat.
    Wieso wohl wird kaum eine Sexualstraftat angezeigt? Wie viele werden dann noch von der Polizei abgewimmelt und von einer Anzeige abgehalten? Viele wie ich leider aus Erfahrung weiss. Und wie viele täter werden tatsächlich verurteilt? Wie viele halbwegs angemessen? 0.01%, 0001 % ??? Und das stört niemanden im Justizapparat, keine Politiker ??????????????
    Diese männlichen Richter haben offensichtlich nicht einmal das ABC einer Vergewaltigung gelernt. Sonst wüssten sie, dass das psychische Trauma und der Verlust an Vertrauen ein Opfer zerstören kann oder zumindest über viele Jahre stark beeinträchtigt. Dazu braucht es weder körperliche Gewalt (wovon abgeraten werden muss) noch körperliche Verletzungen.
    Als erstes bitte Entscheid revidieren. Richter entweder absetzen oder in die Schulung schicken, besser aber absetzen. Drittens Sexualstrafrecht revidieren zu nur ja ist ja. 4. Verurteilungsrate auf mindestens 50 % heben. 5. Kampagne Vergewaltigung nein! lancieren.
    Dieses Urteil bestätigt jeden Brutalocasanova und Vergewaltiger Nötiger in seinem kriminellen Machotun.Report

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