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Der Telebasel News-Beitrag vom 28. Juli 2021.
Basel

YouTube-Auftritt des Kantons wirft Fragen auf

Grossrat Joël Thüring zweifelt am Kosten-Nutzen-Verhältnis des kantonalen Youtube-Kanals. Ein Digital-Experte hingegen sieht darin eine Erfolgsgeschichte.

Festtagsgrüsse, Schulfasnacht und Medienkonferenzen: Auf dem YouTube-Kanal lassen sich ganz unterschiedliche Videos finden. Auch bei den Aufrufen könnten die Gegensätze nicht grösser sein. So heimste etwa der Corona-Präventionsclip mit Beat Jans und Stephanie Eymann auf dem Velo über 42’000 Klicks ein. Das ist eher ein Ausreisser. Bei vielen Videos liegen die Zahlen im drei- oder gar zweistelligen Bereich. So etwa bei den Seifenboss-Videos. Eines davon wurde in den letzten anderthalb Monaten gerade mal – Stand Mittwochmorgen – 38 Mal angeklickt. Grosse Differenzen gibt es auch bei den Festtagsgrüssen der Regierungsräte. So schaffte es Elisabeth Ackermann letztes Jahr auf 33’000 Aufrufe, Hans-Peter Wessels gerade mal auf 45.

Trotz niedriger Klickzahlen: Millionen-Publikum für Seifenboss

Diese Zahlen werfen beim SVP-Grossrat Joël Thüring Fragen auf. «Wenn man YouTube-Videos produziert und sie haben dann Aufrufzahlen von 30 bis 60, wie jetzt bei diesen Seifenboss-Kampagnen-Videos, dann muss man sich schon fragen, ob der Aufwand und Ertrag in einem guten Verhältnis stehen. Aus meiner Sicht ganz klar nicht.» In einer schriftlichen Anfrage möchte er wissen, ob es ein Strategiekonzept gibt, um möglichst viele Leute zu erreichen. Thüring fragt zudem nach den Kosten der Videos und danach, welche Firmen die externen Produktionen übernehmen.

Alexander Meyer, CEO der Agentur Fadeout für digitale Kommunikation, relativiert Thürings Bedenken zu den niedrigen Klickzahlen. Wie er erklärt, gäben die YouTube-Aufrufe noch wenig Aufschluss darüber, wie oft ein Video effektiv angeschaut wurde. Disclaimer: Seine Agentur hat einmal ein Video für diesen Kanal produziert, allerdings nur ein einziges, eine Rede von Beat Jans. Mit den ganzen Seifenboss-Clips hat seine Firma nichts am Hut. Er kommt aber zum Schluss, dass die Kampagne eine breite Streuung erreicht hat. «Wir schätzen, dass die Kampagne beim Seifenboss gut über eine Million Impressionen erzeugt hat», sagt Alexander Meyer.

Interviews ohne kritische Journalismus-Fragen

Wie er auf diese Zahl kommt: «Das kann man abschätzen, wenn man mit dem Hashtag sucht, wo das überall verfügbar ist, wer das alles geteilt hat.» So habe etwa der bekannte Influencer Swissmeme, mit einer Reichweite von einer Million Leuten, die Seifenboss-Videos geteilt, ebenso das Schweizer Fernsehen. Somit sei sie in verschiedenen Medien präsent gewesen.

Abgesehen von der Reichweite gibt es noch einen anderen Punkt, der bei Joël Thüring für Skepsis sorgt. So etwa die Videos, in denen der Kanton VertreterInnen aus der Verwaltung als ExpertInnen interviewt. Der SVP-Grossrat findet, dass diese Aufgabe den eigentlichen JournalistInnen zustehen sollte. «Dazu könnte man die richtigen Medien nehmen um allenfalls auch einer kritischen Frage ausgesetzt zu sein – und das fehlt in diesen Videos vom Kanton vollständig», moniert Thüring. In seinen Augen sollte der Kanton nicht versuchen, Journalist zu spielen: «Es ist keine gute Entwicklung, wenn der Kanton so kommunizieren will.»

Zürich macht es übersichtlicher

Alexander Meyer dagegen sieht darin keine Konkurrenzsituation. «Wenn die Regierung halt selbst ein Video produziert, können sie das der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen, auch den Medienvertretern und die können das zusammenschneiden wie sie wollen und das daraus machen, was sie wollen». Zudem sei es gerade in Corona-Zeiten praktischer und billiger, eine Nachricht per Video zu verbreiten als einen Apéro für viele Leute auf die Beine zu stellen, um dort eine Rede zu halten.

Trotzdem gebe es beim YouTube-Auftritt noch Verbesserungspotenzial. Alexander Meyer zieht zum Vergleich den Kanal des Kantons Zürich heran. Während bei Basel Kraut und Rüben gemischt sei, finde man beim Zürcher Kanal eine geordnete Übersicht über die Medienkonferenzen, Abstimmungen und andere Sparten.

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