Verlässt die Schweizer Nati: Vladimir Petković. (Bild: Keystone)
Schweiz

Vladimir Petković geht nach Bordeaux

Die Schweizer Nati gibt ihren Trainer frei. Vladimir Petković hat den Vertrag bis 2024 beim Ligue-1-Klub Girondins Bordeaux unterzeichnet.

Jetzt ist es offiziell: Die Schweiz muss einen neuen Nationaltrainer suchen. Der SFV entspricht dem Wunsch von Vladimir Petković und löst den Vertrag mit dem bald 58-Jährigen auf. Petković unterschrieb bei Girondins Bordeaux einen Vertrag für drei Jahre.

Weil Vladimir Petković mit dem SFV noch einen Vertrag bis zum Ende der WM-Ausscheidung 2022 hatte, der sich im Falle einer Qualifikation bis zur WM in Katar Ende Dezember 2022 verlängert hätte, wird der SFV von Girondins Bordeaux eine Entschädigung erhalten. Wie hoch diese ausfällt, darüber vereinbarten die Parteien wie in einem solchen Fall üblich Stillschweigen. Dies geht aus der Mitteilung des SFV hervor.

Das grosse Problem ist für den SFV auch nicht, ob er vom französischen Ligue-1-Klub jetzt noch ein paar hunderttausend Franken oder sogar einen sehr tiefen siebenstelligen Betrag erhält. Sein Problem ist nun die Suche nach einem Nachfolger. Denn die Zeit drängt, weil in weniger als fünf Wochen das Nationalteam das nächste Mal zusammenkommt, und Anfang September bereits die wegweisenden Spiele in der WM-Qualifikation gegen Europameister Italien (5. September) und in Nordirland (8. September) auf dem Programm stehen.

Ausserdem fällt die Suche in eine äusserst ungünstige Periode, weil es kurz vor dem Saisonstart im Klubfussball schwierig ist, einen Trainer aus einem bestehenden Vertrag herauszulösen. Nationalmannschaftsdirektor Pierluigi Tami lässt sich in der Mitteilung des SFV entsprechend zitieren. «Ich kann Vlado verstehen, aber ich bin enttäuscht, dass wir unsere erfolgreiche Zusammenarbeit frühzeitig beenden müssen. Wir stehen in einer sehr entscheidenden Phase der WM-Qualifikation, die wir gemeinsam begonnen haben und nun mit einem neuen Trainer weiterführen werden.»

Lange Liste möglicher Nachfolger

Die Liste mit den Namen von möglichen Nachfolgern ist lange. Mehr als eine Auslegeordnung kann es in der Öffentlichkeit aber am Tag der Unterschrift Petkovićs unter den Vertrag in Bordeaux nicht sein. Weit oben müssten die Namen stehen von Schweizer Trainern, welche derzeit bei keinem Klub (als Coach) unter Vertrag stehen: Marcel Koller, René Weiler, allenfalls Martin Schmidt, der beim Bundesligisten Mainz als Sportdirektor arbeitet. Lucien Favre hat bereits mitgeteilt, dass er nicht interessiert ist.

Weitere Kandidaten? Natürlich die Schweizer Trainer, welche in letzter Zeit im Verein anerkannt gut gearbeitet haben. Urs Fischer von Union Berlin zum Beispiel oder Fabio Celestini vom FC Luzern. Oder wird U21-Trainer Mauro Lustrinelli befördert, wie das in vielen Verbänden in einer solchen Situation der Fall ist? Oder wird es am Ende womöglich ein ausländischer Trainer sein? Ein Deutscher, ein Franzose oder ein Italiener? Diese würden zumindest eine der Landessprachen sprechen. Zur Zeit sind das alles nur wilde Spekulationen, weil keiner den Notizblock von Pierluigi Tami gesehen hat.

Dass Tami mit dem Casting des neuen Trainers erst jetzt beginnt, ist nicht anzunehmen. Er kennt die Gesetzmässigkeiten des Fussballs. Wäre Vladimir Petković mit der Schweiz an der EM frühzeitig gescheitert, hätte der SFV die Zusammenarbeit womöglich von sich aus frühzeitig beendet. So kam es nicht, aber die Erfolge der Schweiz haben Petković für die Klubs der grossen Ligen noch interessanter gemacht. Der SFV musste damit rechnen, dass irgendwann ein konkretes Angebot auf den Tisch flattern würde.

In all diesen (EM-)Wochen und in den Tagen nach der EM haben auch Petkovićs Aussagen die Verantwortlichen nicht ruhig schlafen lassen. Der Tessiner hat stets ein wenig mit einem möglichen Abgang kokettiert – ohne sich konkret zu äussern und die Gerüchte selbst zu streuen. Aber angesprochen auf die verschiedenen Interessenten hat Petković auch nie ein klares Dementi oder ein Statement pro SFV abgegeben.

Der erfolgreichste SFV-Trainer

Nun also ist zumindest klar, dass es für die SFV-Auswahl ohne Vladimir Petković in die Zukunft geht, ohne den besten Trainer ihrer Geschichte, der in 78 Spielen einen Schnitt von 1,79 Punkten erreichte. Petković hat aus seiner Sicht den bestmöglichen Zeitpunkt für den Abgang gewählt. Eine Verbesserung des EM-Resultats ist nicht realistisch. Beim harten Modus in der Qualifikation (nur der Gruppensieger qualifiziert sich direkt) und mit nur 13 europäischen Teams im WM-Teilnehmerfeld, muss man auch ein Scheitern der Schweiz einkalkulieren.

Ausserdem gibt es auch die emotionale Komponente. Nach der mitreissenden EM, die Begeisterung im ganzen Land entfachte, hat Petkovićs Popularität hierzulande Höchstwerte erreicht. Nun wird ihm in der Schweiz mehr als nur eine Träne nachgeweint. Mehr konnte Vladimir Petković, der in der Öffentlichkeit immer auch etwas der «Unverstandene» war, einer dem Misstrauen entgegen gebracht wurde und der selbst auch misstrauisch war, am Tag seines Abschieds nicht verlangen.

2 Kommentare

  1. Schade das der Trainer der Schweizer Mannschaft gegangen ist er war so so gut 👍hoffe das er ein guter Trainer bleibt auch in Frankreich wo er hin gegangen ist ales gute Trainer der Nationalmannschaft 😊👍Report

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