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Der Telebasel-Newsbeitrag vom 23. Juli 2021.
Baselland

Mähdrescher am Limit

Die Lohnunternehmer in der Region sind voll ausgelastet. Möglichst viele Bauern möchten ihr Getreide noch vor dem nächsten Regen ernten.

Wochenlang dominierte der Regen das Wettergeschehen in der Region. Den Bauern war es nicht möglich, die Getreideernte einzubringen. Auch die Maschinen und Mähdrescher der Lohnunternehmer standen still. Da zumindest diese Woche die Sonne beim Wetter wieder das Zepter übernommen hat, wollen nun alle Landwirte die Ernte nachholen. Der Ansturm auf die Anbieter der nötigen Maschinen ist gewaltig.

Von morgens früh bis abends spät sind die Angestellten des Agrarservice Näf-Hänggi aus Buckten in diesen Tagen im Dienst. Beim Besuch von Telebasel vor Ort am Freitagmorgen verliess eine Maschine nach der anderen das Firmengelände. Mitinhaber Bruno Näf war sichtlich im Stress. Er ist für die Disposition der Geräte und des Personals verantwortlich.

«Jetzt sollten wir alles gemacht haben in dieser Woche vom Montag bis am Samstag, was wir in den letzten fünf Wochen nicht arbeiten konnten,» sagt Näf. Der ganze Arbeitsaufwand sei extrem konzentriert. Die verschiedenen Dienstleister in der Region seien am Limit. Er habe am Morgen noch versucht Hilfe von Kollegen zu erhalten. Aber diese würden selbst anrufen und ihn nach freiem Personal fragen.

Anfangs Woche habe man Gerste geerntet. Nun sei der Raps an der Reihe und ab Samstag soll mit dem Weizen angefangen werden. Allerdings ist ab Samstag wieder mit Regen zu rechnen.

Bauern nehmen Schäden am Boden in Kauf

Landwirt Thomas Zumbrunn aus Tenniken ist einer der Glücklichen, der noch einen Mähdrescher bekommen hat. «Ich bin enorm froh», sagt er. Sein Rapsfeld sei in der aktuellen Reifephase sehr gefährdet. Ein Starkregen könne sofort zu Ertragsausfall führen. «Diese Schoten sind sehr platzempfindlich. Bei Starkniederschlag springen die auf und die Körner fallen dann einfach heraus». Daher nehme er auch in Kauf, dass die schweren Maschinen den immer noch feuchten Boden schädigen können. Die erhöhte Verdichtung werde sich noch mehrere Jahre bemerkbar machen.

Auf dem Feld von Zumbrunn ist Samuel Hänggi, ebenfalls Mitinhaber des Lohnunternehmens, mit dem Mähdrescher unterwegs. Er bestätigt den Eindruck, dass noch immer viel Feuchtigkeit vorhanden ist. «Der Boden ist sehr weich». Da die Pflanzen dicht gewachsen sind, kann er aus der Führerkabine auch nicht erkennen, wo es nasse Stellen hat. Dies könne von Sekunde zu Sekunde ändern. «Und dann muss man immer wieder schauen, dass man noch irgendwie aus diesen Löchern herauskommt».

Wohl weniger und schlechteres Getreide in diesem Jahr

Die Swissmill in Zürich ist einer der grossen Getreideverarbeiter der Schweiz. Der Betrieb rechnet aufgrund der Wetterbedingungen in den letzten Wochen mit Herausforderungen, was die Qualität und den Ertrag angeht, dies insbesondere beim Brotgetreide. Die Situation werde laufend analysiert, schreibt Andreas Frank von der Marketing-, Verkaufs-, und Entwicklungsabteilung.

Noch sei es zu früh für eine aussagekräftige Bilanz, zudem gebe es Unterschiede zwischen den Regionen. «Aktuell gehen wir davon aus, dass die CH-Getreideernte im Mehrjahresvergleich geprägt sein wird von einem allgemein tieferen Mengen- und signifikant tieferen Qualitätsniveau», so Andreas Frank. Die nächsten zwei bis drei Wochen seien nun entscheidend, danach werde sich zeigen, wie die Ernte in diesem Jahr ausfällt.

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