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Der Telebasel News Beitrag vom 21. Juli 2021.
Basel

Epidemiologe: Nächste Welle mit punktuellen Corona-Ausbrüchen bahnt sich an

Die Covid-Ansteckungen steigen vor allem bei jungen Leuten an. Marcel Tanner spricht von einer nächsten Welle, erwartet aber weniger Spitaleinweisungen.

Die Fallzahlen steigen wieder rasant an. Wie das BAG gestern mitteilte, stecken sich momentan vor allem Jugendliche und junge Erwachsene vermehrt an. In Basel kam es etwa bei einem Public-Viewing bei der Bücheli-Bar zu einem Ausbruch. Zudem haben sich mutmasslich BesucherInnen eines Basler Clubs angesteckt.

Dass sich das Virus momentan gerade bei jungen Menschen verbreitet, kommt aus der Sicht des Basler Epidemiologen Marcel Tanner nicht überraschend. Schliesslich ermöglichten die Corona-Lockerungen wieder Veranstaltungen und Treffen. Allerdings sei die sich anbahnende neue Corona-Welle nicht zu vergleichen mit der ersten und zweiten. «Man kann von einer Welle sprechen, doch es betrifft andere Menschen als noch vor anderthalb Jahren oder einem Jahr», so Marcel Tanner.

Der ehemalige Direktor des Tropeninstituts rechnet nicht damit, dass die Spitaleinweisungen sprunghaft ansteigen. «Junge Menschen mit Vorerkrankungen, Übergewicht, Diabetes müssen schon damit rechnen, dass sie schwer erkranken. Aber es ist nicht zu erwarten, dass wir im gleichen Mass, wie wir das im Oktober, November erlebt haben, das Gesundheitssystem an Grenzen kommt».

Gegen ein Impfobligatorium

Wie das BAG gestern mitteilte, lässt die Delta-Variante die Fallzahlen in die Höhe schnellen. Wie Marcel Tanner betont, könnten die Impfstoffe dies aber abfangen. Daher sei die Welle, die sich jetzt anbahnt, viel punktueller. Oft werde die Herdenimmunität durch Impfungen als flächendeckend missverstanden. «Die Geimpften und Ungeimpften sind oft ungleich verteilt. Es gibt diese Ausbrüche, wenn viele Ungeimpfte zusammenkommen».

Dass Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen oder können, sämtliche Fortschritte zu Fall bringen können, hält Marcel Tanner für unwahrscheinlich. «Wenn nicht alle einen Impfschutz haben, beziehungsweise eine Krankheit durchgemacht haben, gibt es immer die Möglichkeit, dass es Ausbrüche gibt. Der Punkt ist, dass wir einen grossen Schutz für unsere Gesellschaft hinkriegen, ohne dass wir jemanden zwingen, geimpft zu werden», so der Epidemiologe.

Impfobligatorien lehnt er somit ab. Tanner ist aber der Ansicht, dass Nichtgeimpfte die Konsequenzen tragen sollten. Die Antigen-Schnelltests, die zu Beginn der Pandemie noch nicht zur Verfügung standen, würden hier einen guten Ausgleich zu den Impflücken bieten. Sprich: Wer infektiös ist, sucht keine Menschenmassen auf.

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