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Die Medienkonferenz mit Fachexperten des Bundes vom Dienstag, 20. Juli 2021. (Stream: Youtube/Der Eidgenössische Bundesrat)
Schweiz

1’000 Neuinfektionen pro Tag noch diese Woche möglich

Die Fachexperten des Bundes informierten am Dienstag über die aktuelle Corona-Lage. Sie rechnen damit, dass die Neuinfektionen bald bei 1'000 pro Tag ankommen.

Die Corona-Fallzahlen nehmen derzeit rasant zu und dürften in den nächsten Tagen wieder auf über 1000 pro Tag klettern. Die Coronavirus-Neuansteckungen verdoppeln sich somit aktuell jede Woche, und die Reproduktionszahl ist auf 1,44 angestiegen, wie Patrick Mathys, Leiter Sektion Krisenbewältigung im Bundesamt für Gesundheit (BAG), vor den Medien sagte.

Die Reproduktionszahl gibt an, wie viele weitere Menschen ein Infizierter ansteckt. Die Inzidenz, die Ansteckungen in den vergangenen 14 Tagen pro 100’000 Einwohnern, stiegen auf über 60, wie Mathys am Dienstag in Bern weiter sagte. Dieses Infektionsgeschehen habe aber keine sichtbaren negativen Auswirkungen auf das Schweizer Gesundheitssystem.

Für die stark gestiegenen Ansteckungszahlen sind demnach hauptsächlich den Altersgruppen der 10- bis 19-Jährigen und noch mehr die 20- bis 29-Jährigen verantwortlich, die die niedrigste Impfrate aufwiesen. Die hochansteckende Delta-Variante macht unterdessen rund 75 Prozent aller Coronavirus-Fälle aus. Immerhin nähmen die Tests zu.

Überlastung des Gesundheitswesens noch unklar

Diese Frage sei aber die Kerngrösse, sagte Patrick Mathys, Leiter Sektion Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit, Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Dienstag vor den Medien. Das Ziel des Bundesrats sei es, das Gesundheitssystem vor Überlastung zu schützen.

Zurzeit seien aber die Hospitalisierungen auf einem niedrigen Niveau, der 7-Tages-Schnitt sei bei 3 bis 4 Spitaleinweisungen. Die Intensivstationen der Spitäler seien zu 70 Prozent ausgelastet, der Anteil der Covid-Patientinnen und -Patienten liege aber bei 3,8 Prozent der verfügbaren Betten.

«Wir könnten nochmals eine Welle erleben wie im Herbst»

Die wissenschaftliche Covid-19-Taskforce des Bundes hat angesichts steigender Corona-Fallzahlen und abnehmenden Impftempos vor einer weiteren gravierenden Pandemie-Welle gewarnt. «Wir können nochmals eine Welle erleben, die höher war als im letzten Herbst», sagte Taskforce-Vizepräsidentin Samia Hurst am Dienstag vor den Medien in Bern.

Deshalb müsse das Impfen weiter vorangetrieben werden, sagte Hurst. Im Mai und Juni sei die Schweiz gut unterwegs gewesen mit rückläufigen Fallzahlen und zunehmendem Impftempo. Seit Mitte Juli gehe aber das Impftempo zurück und die Fallzahlen würden sich jede Woche praktisch verdoppeln.

Derzeit seien noch zahlreiche Menschen nicht immun gegen das Virus, erklärte Hurst. Wenn sich ein Grossteil davon in einer neuen Welle infiziere, könne die Zahl der Hospitalisierten und Todesfälle gleich hoch oder höher sein als bei der letzten grossen Infektionswelle im Herbst 2020.

Impfungen würden auch das Risiko für Kinder senken, für die Impfungen noch nicht zugelassen seien, sagte Hurst. Dort seien zwar bei einer Infektion Todesfälle selten, aber es könne auch zu schwerwiegenden Long-Covid-Fällen kommen.

Zunehmende Impfbereitschaft – aber auch Behördenskepsis

Die Bereitschaft zu einer Corona-Impfung hat seit dem März zugenommen. Möglichst schnell wieder zu einem normalen Leben zurückzukehren und wieder reisen zu können, sind die Hauptgründe dafür, wie eine Umfrage der Forschungsstelle Sotomo ergab.

Wolle man noch mehr Menschen erreichen, um sie von einer Impfung zu überzeugen, müsse man ihnen die Nachteile des Nicht-Impfens deutlich machen. Das sei am wirksamsten, sagte Michael Herrmann, Politgeograf an der Universität Zürich und Leiter der Forschungsstelle Sotomo, am Dienstag vor den Medien in Bern.

Ein Vergleich der Situation von Mitte März mit jener Mitte Juni dieses Jahres zeige zudem, dass der Graben weiterbestehe zwischen jenen, die den Behörden grundsätzlich misstrauen, wie es Impf-Skeptiker und Corona-Massnahmen-Skeptiker tun, und jenen, die sich korrekt behandelt und informiert fühlen.

Auch die Informationsquellen zwischen Impf-Befürwortern und -Skeptikern unterscheiden sich demnach: Skeptiker holten sich ihr Wissen weniger aus klassischen Medien als vielmehr von innerhalb der Familie, aus social media oder aus dem Internet, so Sotomo-Forschungsleiter Herrmann. Die Politisierung der Corona-Krise habe sich also nicht aufgelöst.

6 Kommentare

  1. @walter @G.L.
    die Fallzahlen steigen und es ist nur eine Frage der Zeit , wann die Hospitalisationzahlen wieder am Steigen sind; d.h es werden vermehrt ungeimpfte Covid Patienten hospitalisiert; und was ist, wenn Geimpfte auch hospitalisert werden müssen ? Unfall, Herzinfarkt, (übrigens auch Geimpfte können nochmals mit Covid hospitalisiert werden, wie Israel zeigt) etc.? jetzt noch mehr zu lockern, wäre total kurzsichtig und völlig idiotischReport

  2. Würde mich interessieren wieviel von diesen Neuinfektionen nicht geimpft sind. Oder geht das auch unter die Rubrik, Grundrecht und geht niemanden was an?
    Vielleicht wäre es mal an der Zeit, die covid-Berichterstattung der Medien zu stoppen. Es ist doch nur bedenklich wie dadurch Aggressionen gefördert werden.Report

  3. Das Hauptproblem liegt doch eigentlich darin Corona positiv getestete, als krank zu bezeichnen. Dies auch wenn die meisten aktuell «infizierten» keine oder nur leichte Symptome haben. Die Geimpften sollten Nun ja geschützt sein. Die Spitäler sind Coronafrei und Betten werden weiterhin laufend abgebaut. Und dies schon während der ganzen Krise. Das ist doch absurd.Report

  4. Walter, so etwa sehe ich dies auch. Jetzt werden wieder wegen der Variante Delta die ansteckender ist aber weniger gefährlich die Leute eingeschüchtert. Ich bin seit über zwei Monaten zweimal geimpft, habe das Risiko von allfälligen Nebenwirkungen auf mich genommen und muss nun immer noch in Läden die Maske tragen. Dies empfinde diskriminierend und eine Bevormundung.Report

  5. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommem alle Massnahmen auf zu heben und auf freiwillig zu stellen. Wer jetzt noch nicht geimpft ist will dies auch nicht. Es ist davon auszugehen, dass wer sich nun infiziert einen leichten Krankheitsverlauf hat und die anderen nehmen das in Kauf. Die Spietalauslastung hat Kapazität. Es lebe die Freiheit oder will und das BAG dies uns nicht zugestehen?Report

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