Die aktuelle Reiselust der Schweizer Bevölkerung stellt die Dienstleister an den Flughäfen vor eine Herausforderung. (Bild: Keystone)
Schweiz

Schweizer Flughäfen werden von der Reise-Welle gefordert

Trotz coronabedingt weniger Passagieren sind die Dienstleister an den Schweizer Flughäfen in diesen Sommerferien gefordert.

Denn im Tourismus sind viele Mitarbeitende nach wie vor in Kurzarbeit. Die Reisespitzen am Flughafen müssen trotzdem bewältigt werden.

Rund 55’000 Passagiere werden an einzelnen Tagen am Flughafen Zürich, dem grössten Flughafen in der Schweiz, erwartet, wie Sprecherin Bettina Kunz gegenüber AWP sagt. Das sind zwar immer noch halb so viele wie im Vorkrisenjahr 2019. Trotzdem stellen die Spitzentage die Mitarbeitenden am Flughafen und ihre Firmen vor Herausforderungen – vor allem zu den Zeiten, in denen besonders viele Flugzeuge starten.

Über den Tag verteilt kommt es laut der Flughafen-Sprecherin nämlich zu solchen Abflugspitzen mit vielen Starts fast zur selben Zeit. Das hat damit zu tun, dass der Flughafen Zürich ein Drehkreuz ist, an dem viele Fluggäste umsteigen. Die Flüge müssen deshalb zeitlich aufeinander abgestimmt sein.

Dazu kommt, dass es im Moment besonders viele Vorschriften einzuhalten und Dokumente zu überprüfen gilt: «Da sich im Rahmen der Dokumenten-Prüfung am Check-in Wartezeiten ergeben können, empfiehlt Swiss allen Reisenden grundsätzlich, sich mindestens zwei Stunden vor Abflug am Flughafen einzufinden», heisst es deshalb in einer kürzlich Veröffentlichten Mitteilung der Fluggesellschaft Swiss, die am Flughafen Zürich die meisten Flüge durchführt.

Weiter hohe Kurzarbeitsquote

Nach wie vor seien beim Flughafen Zürich noch viele Mitarbeitende in Kurzarbeit. Je nach Job variiere die Quote allerdings stark, sagte Kunz. Im Juni habe die Kurzarbeit über die gesamte Firma 30 Prozent betragen und man bleibe auch in den Sommermonaten «deutlich unter einer Arbeitsauslastung von 100 Prozent gegenüber der Zeit vor der Pandemie», sagte sie. Allerdings dürfte die Kurzarbeitsquote wegen des höheren Passagieraufkommens im Juli nun etwas tiefer ausfallen.

So sind etwa die Angestellten bei den Shops und den Gastrobetrieben des Flughafens schon wieder mehr im Einsatz. «Alle Shops und Restaurants sind wieder offen – im luftseitigen Bereich tagesspezifisch noch mit angepassten Öffnungszeiten», sagte Kunz.

Auch beim Flughafendienstleister Swissport, dessen Mitarbeitende beispielsweise für das Check-in, das Boarding am Gate oder auch für die Abwicklung der Flüge auf dem Rollfeld verantwortlich sind, herrscht nach wie vor Kurzarbeit. «Die Gesamtproduktion von Swissport in der Schweiz im Bereich Ground Handling liegt im Juli 2021 bei rund 50 Prozent», sagte Sprecherin Nathalie Berchtold auf Anfrage.

Dass sich momentan in kurzer Zeit so viel ändern kann, macht die Planung der Mitarbeitenden sehr schwierig. Das kurzfristig ansteigende Passagier- und Flugaufkommen und die stetigen Anpassungen der Flugpläne und der Reisebestimmungen seien eine Herausforderung für die gesamte Aviatikbranche, sagte Berchtold.

«Innerhalb kürzester Zeit, von Mai auf Juli 2021, kam es beinahe zu einer Verdoppelung des Flugvolumens, dies erfordert äusserste Planungs- und Einsatzflexibilität von unserem Unternehmen und unseren Mitarbeitenden», so Berchtold.

Mitarbeitende gehen auf die Barrikaden

Deshalb müssen die Miterbenden von Swissport teils kurzfristig ihren Dienst antreten. Laut Berchtold haben manche Mitarbeitende in ihrem Dienstplan Kurzarbeits-Schichten, an denen sie zwar nicht eingeteilt sind, sich aber für einen Einsatz bereithalten müssen. Am Vortag wüssten sie ab 18:00 Uhr, ob und für welche Schicht sie am nächsten Tag eingeplant seien, erklärte Berchtold.

Doch diese Praxis stösst bei vielen Mitarbeitenden auf Unverständnis, weil sie an diesen «Pikett-Tagen» nichts planen können und beispielsweise Kinder- oder Haustierbetreuung auch auf Abruf sein müssen. Sie haben sich deshalb an die Gewerkschaft VPOD-Luftverkehr gewandt, wie deren Sprecher Stefan Brülisauer auf Anfrage bestätigt.

Die Situation sei natürlich schwierig für die Flughafendienstleister, sagte Brülisauer. «Teilweise melden die Airlines erst am Morgen, dass am Nachmittag ein Flugzeug kommt – dann muss Swissport innert kürzester Mitarbeitende aufbieten», erklärt er. «Aber man kann die Mitarbeitenden nicht für einen ganzen Tag von 14 Stunden auf Abruf halten. Auch wenn Kurzarbeit herrscht, braucht es einen verlässlichen Dienstplan», sagte er.

Zusammen mit der Gewerkschaft wollen die Mitarbeitenden nun erreichen, dass sie für fixe Schichten eingeplant sind und dann im Falle geringen Arbeitsvolumens kurzfristig frei haben. Bei den Verhandlungen zeige sich Swissport sehr kooperativ, so Brülisauer.

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