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Der Telebasel News Beitrag vom 18. Juli 2021.
Baselland

Weniger Kirschen, weniger Wein

Wochenlang dominierte der Regen das Wettergeschehen in der Region. Dies führte zu Schäden in der Landwirtschaft.

Mitte Woche meldete der Verband Schweizer Gemüseproduzenten (VSGP), dass das schlechte Wetter zu einem Engpass in der Gemüseproduktion geführt hat. Das feuchte Wetter schadet aber nicht nur den bodennahen Kulturen. Auch Obstbäume und Weinstöcke sind betroffen. Besonders hart getroffen hat es die alten Hochstammkirschbäume. Diese stehen ungeschützt auf dem offenen Feld. Wegen der dauernden Nässe sind die Kirschen zum Teil aufgeplatzt oder wurden von Pilzen und Bakterien befallen. Zudem haben Schädlinge viele Eier abgelegt, viele Fürchte sind deshalb wurmstichig. Man kann in diesem Jahr praktisch von einem Totalausfall sprechen.

Getroffen hat es auch Landwirt Dominik Dettwiler aus Buus. Er sagt, in diesem Jahr habe er nur sehr wenige Hochstammkirschen geerntet. Und diese auch nur zum Eigengebrauch. Normalerweise werden die alten Sorten zur Produktion von Konserven, Saft und Kirsch verwendet. Dettwiler geht deshalb in diesem Jahr von einem Verlust von mehreren zehntausend Franken aus.

Franco Weibel leitet das Ressort Spezialkulturen beim Zentrum für Landwirtschaft Ebenrain in Sissach. Er sagt die Situation sei in der ganzen Region ähnlich dramatisch. Man habe im ganzen Baselbiet kaum Leitern an den Hochstämmen gesehen. Weibel sagt, zwar würden den alten Bäumen ein hoher ideeller Wert beigemessen. Sie seien wichtig für das Landschaftsbild und die Ökologie. Trotzdem haben sie einen immer schwereren Stand. Denn die Bauern und Bäuerinnen müssten viel Arbeit in die Pflege der Bäume investieren und bräuchten deshalb auch einen gewissen Ertrag. Umstände, wie das schlechte Wetter in diesem Jahr oder die Trockenheit und die Kirschessigfliege in früheren Jahren, würden diese Einnahmen aber schmälern.

Kirschen litten schon im Frühling

Ein ganz anderes Bild zeigt sich bei der modernen, mit einem Kunststoff überdachten Kirschenplantage auf der anderen Seite des Hofes. Hier konnten trotz des schlechten Wetters schöne Kirschen geerntet werden. Dettwiler zeigt sich denn auch zufrieden mit der Konstruktion, sie hat den teilweise starken Regenschauern widerstanden. Die Anlage ist zusätzlich von einem riesigen Fliegengitter umschlossen. Dies hält Schädlinge wie die Kirschessigfliege zumindest teilweise ab.

Der Landwirt weist aber auch darauf hin, dass sein Hof vom Hagel verschont geblieben ist. Und auch Franco Weibel erinnert daran, dass andere Bauern in der Schweiz von so schweren Hagelstürmen getroffen wurden, dass nicht nur Pflanzen, sondern auch ganze Infrastrukturen zerstört wurden. Trotzdem sei es klar, dass die Überdachung in der Regel einen wichtigen Schutz biete. Von den 112 Hektaren Kirschkulturen im Baselbiet seien mittlerweile 67 Hektaren überdacht.

Die Freude an den schönen Kirschen aus der Plantage hält sich bei Dominik Dettwiler allerdings in Grenzen. Zwar haben die Bäume das anhaltende Regenwetter gut überstanden. Der schwere Schlag kam hier aber bereits im Frühling. Starke Frostschäden führten dazu, dass rund 70 Prozent der künftigen Ernte bereits damals zerstört wurden. Der Frost traf auch weitere Kulturen, so tragen etwa auch die Zwetschgenbäume auf dem Hof kaum Früchte.

30 Prozent weniger Wein erwartet

Die regenreiche Witterung setzt auch den Reben zu. So etwa bei Winzer Fredy Löw, der in Buus eine Fläche von vier Hektaren bewirtschaftet. Seine Pflanzen hätten sich eigentlich über den Regen gefreut. Dieser habe bei den Reben einen regelrechten Wachstumsschub ausgelöst. Das habe jedoch auch seine negativen Seiten, sagt Löw. Weil die Reben derart schnell wachsen, seien die Zellwände dünner und auch die schützende Wachsschicht auf den Blättern sei weniger dick. Daher seien die Weinstöcke anfälliger für Pilzbefall.

Besonders der Pilz mit dem Namen Falscher Mehltau hat die ganze Plantage gegenwärtig fest im Griff. Praktisch jede Pflanze ist betroffen. Dies ist gut erkennbar an den hellen Flecken auf den Blättern. Der Pilz greift die Reben an allen grünen Stellen an, sagt Fredy Löw, so auch an den frischen Trauben. Alle Trauben welche braun, weiss oder gelblich verfärbt sind, sind betroffen und werden abfallen, erklärt Löw. Er gehe davon aus, dass rund ein Drittel der Ernte deshalb ausfallen wird. «Das heisst, 30 Prozent weniger Ertrag, schlussendlich 30 Prozent weniger Wein». Er sei trotzdem zuversichtlich. Eine Wetterbesserung zeichne sich ab. Und sobald es wärmer und trockener ist, hat es auch der Pilz schwieriger sich auszubreiten.

Auf die Qualität des Weines habe der Befall im Übrigen keinen Einfluss. Der Traubensaft würde dadurch nicht etwa sauer. Und wie gut der Wein in diesem Jahr geschmacklich werde, dies entscheide sich ohnehin erst in der Reifephase der Trauben im Herbst. Fredy Löw schaue deshalb zuversichtlich in die Zukunft.

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