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Der Telebasel News Beitrag vom 16. Juli 2021.
Basel

13-Jähriger geht ins Bordell – Sexarbeiterin muss vor Gericht

Ein 13-Jähriger ging in ein Bordell. Am Freitag musste sich die Sexarbeiterin wegen sexueller Handlungen mit Minderjährigen vor Gericht verantworten.

Sonderbares ereignete sich im September 2020 in einem Bordell hinter der Messe in Basel. Ein 13-Jähriger vereinbarte online einen Termin mit einer Sexarbeiterin in einem Bordell. Noch am gleichen Tag begab er sich zusammen mit einem Freund zum Etablissement in der Nähe der Messe. Abgemacht waren zehn Minuten zu 75 Franken. Am Freitag, 16. Juli, musste sich die Sexarbeiterin nun wegen sexueller Handlungen mit Minderjährigen vor dem Basler Strafgericht verantworten.

Zwei Versionen derselben Geschichte

Der 13-Jährige gab an, dass er sich im Bordell nach der Prostituierten erkundigte, mit der er ein Treffen vereinbarte. Diese kam kurze Zeit später und erkundigte sich nach dem Alter. Dieser gab an, dass er 18 Jahre alt sei. Ob sich die Beschuldigte nach einem Ausweis erkundigte, war sich der Jugendliche bei der Befragung durch die Polizei nicht mehr sicher. Er übergab ihr die vereinbarten 75 Franken. Laut Aussagen des Teenagers habe sie sich nach den Sexualpraktiken erkundigt, die er wünscht und anschliessend sei es zum Geschlechtsverkehr gekommen.

Die Version der Beschuldigten klang aber anders: In ihrem Bordell sei es Usus, dass das Alter der Gäste beim Eingang kontrolliert werde. Also, dass, wenn ein Freier bei ihr auf das Zimmer kommt, das Alter bereits überprüft wurde. Trotzdem machte sie das jugendliche Aussehen stutzig. Sie habe sich mehrfach nach dessen Alter erkundigt und habe auch einen Ausweis verlangt. Der Jugendliche habe gesagt, dass er keinen dabei habe und ihr dafür die vereinbarten 75 Franken übergeben. Er habe sich anschliessend geweigert zu duschen, obwohl sie ihn dazu aufgefordert habe. Im Anschluss sei es auch nicht zum Sex gekommen, sondern er habe sich damit begnügt, ihre Brüste und ihren Hintern zu berühren und zu onanieren.

Im Anschluss an den Bordellbesuch werden der 13-Jährige und sein Freund von der Polizei kontrolliert und befragt. Dies führte schliesslich zur Anklage gegen die Beschuldigte.

Bedrohte finanzielle Existenz

Die Beschuldigte ist 23 und stammt ursprünglich aus Rumänien. Seit Sommer 2020 lebt und arbeitet sie in Basel. Mit 16 Jahren wurde sie Mutter. Zum Kindsvater hat sie keinen Kontakt mehr und erhält von ihm auch keinerlei finanzielle Unterstützung. Während sie in der Schweiz lebt und arbeitet, kümmern sich ihre Eltern in Rumänien um ihr Kind. Sie hat bereits in England und Deutschland im Niederlohnsektor gearbeitet und gemerkt, dass es ihr mit diesem Lohn nicht möglich sei, ihre Eltern, ihr Kind und sich selbst zu versorgen.

Darum entschied sie, als Sexarbeiterin in der Schweiz zu arbeiten. Hier hat sie die Aufenthaltsbewilligung B und bezahlt Steuern und in die Sozialeinrichtungen ein. Dem Gericht gegenüber gab sie an, im Monat zwischen 5’000 und 7’000 Franken zu verdienen. Dies ermögliche es ihr 2’000 bis 3’000 Franken im Monat an ihre Familie in Rumänien zu schicken.

Staatsanwaltschaft will Landesverweis

Die Staatsanwaltschaft verlangte einen Schuldspruch und neun Monate bedingte Geldstrafe, sowie einen Landesverweis von fünf Jahren. Besonders der Landesverweis belastet die Beschuldigte schwer, da er für sie mit einem Existenzverlust einhergehen würde. Mehrmals während der Verhandlung brach sie in Tränen aus. Die Staatsanwaltschaft selbst war bei Prozess nicht zugegen.

Die Verteidigung forderte einen Freispruch für ihre Mandantin. Denn der Jugendliche sei durch zahlreiche Vorhandlungen aktiv geworden. Dazu komme, dass ihrer Mandantin kein Vorsatz angelastet werden könne, da sie als Angestellte davon ausgehen könne, das die anderen Angestellten ihre Arbeit pflichtgemäss erfüllen, was beim Einlass des Teenagers nicht der Fall war. Die Verteidigung wies auch darauf hin, dass es ihrer Mandantin nicht um die Befriedigung ihrer sexuellen Bedürfnisse gehe, sondern um die Einnahmen.

Dazu komme noch, dass der Jugendliche bei der Befragung angegeben habe, keinen Schaden erlitten zu haben. Er wünsche sich auch, dass die Beschuldigte nicht strafrechtlich verfolgt werde, so die Verteidigung.

Schuldig, aber kein Landesverweis

Das Gericht hatte insbesondere die Frage zu klären, ob die Beschuldigte eventualvorsätzlich gehandelt habe, also ob sie willentlich in Kauf genommen habe, dass der junge Mann noch im Schutzalter war. Dies verneinte das Gericht. Denn der Jugendliche sehe zwar jung aus, mit einer Körpergrösse von über 1,80 Meter sei das genaue Alter aber schwierig einzuschätzen.

Das Gericht sprach die Beschuldigte jedoch der fahrlässigen sexuellen Handlung mit Kindern schuldig. Die Frau wurde zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt, aber zu keinem Landesverweis. Unter anderem argumentierte das Gericht, dass es nicht wirklich eine Rolle spiele, ob es tatsächlich zum Geschlechtsverkehr kam, oder lediglich zu sexuellen Handlungen, wie sie die Beschuldigte beschrieb. Die Frau hätte überprüfen müssen, ob sich ihr Kunde noch im Schutzalter befinde oder nicht. Die 23-Jährige gab an, dass sie seit diesem Vorfall bei jedem Freier den Ausweis verlange.

Auch für den 13-Jährigen endete die Aktion nicht straffrei. Er erhielt von seinen Eltern Hausarrest.

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