Guy Lachappelle tritt als VR-Präsident der Raiffeisen zurück. (Bild: Keystone)
Schweiz

Raiffeisen-Präsident Guy Lachappelle tritt Ende Monat zurück

Bei der Raiffeisen-Gruppe kommt es zu einem überraschenden Rücktritt: Guy Lachapelle, Präsident des Verwaltungsrats, hört per Ende Juli auf.

Bei der Raiffeisen-Gruppe kommt es zu einem überraschenden Wechsel an der Spitze. Verwaltungsratspräsident Präsident Guy Lachappelle erklärte am Donnerstag, 15. Juli 2021, seinen Rücktritt, weil er im Zusammenhang mit einer Liebesbeziehung einen «sehr grossen Fehler» gemacht habe.

Bevor er vor zweieinhalb Jahren Verwaltungsratspräsident bei Raiffeisen wurde, war Lachappelle jahrelang Chef der Basler Kantonalbank (BKB). Zu Fall gebracht habe ihn eine Liebesbeziehung, die 2017 begonnen und nur kurze Zeit gedauert habe, sagte Lachappelle am Donnerstag an einer kurzfristig einberufenen Medienkonferenz.

Diese Liebesbeziehung, die er selbst beendet habe, verfolgt Guy Lachappelle bis heute. Die Frau habe immer wieder seine Nähe gesucht, ihn in einem gerichtlich verbotenen Buch aber auch als Psychopathen dargestellt.

Anzeige bei der Basler Staatsanwaltschaft

Diese Woche nun habe ihn diese Frau bei der Staatsanwaltschaft angezeigt wegen einer internen Mail der Basler Kantonalbank, die er ihr 2017 überlassen hatte. Thema war die interne Transformation der Bank. Auch den Medien habe die Frau dieses Dokument zugespielt.

Guy Lachappelle geht davon aus, dass er nichts strafrechtlich Relevantes getan hat. Unter dem Gesichtspunkt der Integrität lasse sich sein Handeln aber nicht entschuldigen.

«Ich schäme mich dafür», sagte er vor den Medien. Er habe einen sehr grossen Fehler gemacht, für den er bitter bezahlen müsse. Lachappelle sicherte der Staatsanwaltschaft bei den Ermittlungen volle Kooperation zu.

Als Raiffeisen-Präsident habe er sich dagegen nichts zuschulden kommen lassen, hielt Lachappelle weiter fest. Er habe Privates und Geschäftliches stets getrennt und auch seine Berater selbst bezahlt.

Vor den Medien entschuldigte sich Lachappelle nicht nur bei allen Unternehmen, in denen er Funktionen hatte, sondern auch bei seiner Familie. Seine Eheprobleme habe er inzwischen aufgearbeitet, er und seine Frau seien «ein starkes Team».

Rückzug aus der Finanzbranche

Beruflich werde er viel verlieren, vielleicht auch seine Existenz und die Reputation. Doch seine ehemalige Geliebte werde es nicht schaffen, seine Familie zu zerstören, sagte Guy Lachappelle unter Tränen. Er kündigte an, auch von seinen übrigen Ämtern zurückzutreten und sich aus der Finanzbranche zurückzuziehen.

Das Raiffeisen-Verwaltungsratspräsidium gibt Guy Lachappelle per Ende Juli ab. Er stehe bis dahin dem Unternehmen aber noch zur Verfügung, um einen reibungslosen Übergang sicherzustellen, teilte die Bankengruppe am Donnerstag mit.

Seine Amtsgeschäfte übernimmt per sofort Vizepräsident Pascal Gantenbein, der das Präsidium ad interim bis zur nächsten Generalversammlung führen wird. Gantenbein hatte den Verwaltungsrat bereits einmal nach dem Rücktritt von Johannes Rüegg-Stürm geleitet.

Ein Porträt zum abtretenden Raiffeisen-Präsidenten lesen Sie hier.

2 Kommentare

  1. Ok, Lachappelles Fehler sind bekannt; seine Karriere zerstört. Am meisten leidet wohl seine vollkommen unbeteiligte Familie.
    Aber wer ist die Anzeigerstatterin? Eine Frau aus dem Gesundheitswesen, im Umfeld von Lukas Engelberger (siehe mailwechsel mit GL)? Eine Managerin? Jemand, der über „fragwürdige Leader“ publiziert? Es wäre nur fair, wenn auch Ihr Name bekannt würde!Report

  2. Ich ziehe trotzdem den Hut vor der Ehrlichkeit und musste selber schon erleben, wie eine Frau es geschafft hat, dass ich meinen Job verlor, weil ich nichts mehr von ihr wissen wollte. Aber wie traurig ist denn ein solches Verhalten, wenn man aus verletztem Stolz, einen anderen Menschen derart fertig machen muss. Zeigt für mich eigentlich nur die eigene Unzulänglichkeit dieser NETTEN Dame.
    Ich wünsche Herrn Lachapelle trotz allem, alles Gute für sein weiteres Leben und hoffe, dass man ihn nicht zu hart richtet. Schliesslich muss er doch einiges richtig gemacht haben, zumindest bei der BKB, sonst wäre er kaum jahrelang dort gewesen, bevor er zur Raiffeisen wechselte. Außerdem habe grossen Respekt vor Menschen, die sich auch Fehler eingestehen können. Dies ist nämlich heutzutage nicht mehr oft anzutreffen.
    Alles Gute Herr Lachapelle…Report

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