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Die Medienkonferenz der Fachexperten des Bundes beginnt. (Video: Youtube/Der Schweizerische Bundesrat)
Schweiz

Ackermann: «Fallzahlen könnten im Sommer rasch ansteigen»

Nach einer deutlichen Entspannung der Corona-Lage steigen die Fallzahlen in der Schweiz nun wieder an. Müssen wir nun die nächste Welle befürchten?
Ackermann: Zunahme der Fälle nicht unerwartet und plausibel

Dass die Corona-Fallzahlen nun wieder etwas ansteigen, überrascht den Taskforce-Präsidenten Martin Ackermann nicht. Nach den neusten Öffnungen erhöhe sich die Zahl der Kontakte unter den Menschen und die Mobilität nehme zu. Der Anstieg komme deshalb «nicht unerwartet» und sei «plausibel», sagte Ackermann. Für abschliessende Aussagen diesbezüglich ist es laut Virginie Masserey, Leiterin Sektion Infektionskontrolle beim Bundesamt für Gesundheit (BAG), aber noch zu früh.

Es sei aber schon denkbar, dass der Vormarsch der Delta-Variante, höhere Anzahlen von Tests vor den Sommerferien, die Public Viewings zur Fussball-EM oder andere Anlässe für den Anstieg verantwortlich sein könnten.

Gemäss den Plänen des Bundesrates sollte Ende August der Übergang in die Normalisierungsphase folgen. Je nach Entwicklung der Lage könnte sich dieser laut Masserey verschieben. Das hänge insbesondere auch davon ab, wie gross der Anteil der nicht-immunen Erwachsenen zum fraglichen Zeitpunkt noch sein werde.

Schweizer Fans steckten sich an EM-Spielen mit Coronavirus an

Mehrere Schweizer Fussballfans haben sich offenbar im Ausland im Zusammenhang mit Spielen der Europameisterschaft mit dem Coronavirus angesteckt. Dies sagte die Berner Kantonsärtzin und Vizepräsidentin der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte, Linda Nartey.

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Berner Kantonsärtzin und Vizepräsidentin der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte: Linda Nartey. (Bild: Keystone)
Bund geht gegen Falschinformationen über Covid-19-Impfung vor

Der Bund geht unter anderem mit Aufklärungsvideos gegen in den sozialen Medien kursierenden Falschinformationen über die Covid-19-Impfungen vor. So gebe es keine Hinweise darauf, dass etwa die Fruchtbarkeit durch eine Impfung beeinträchtigt werde, sagte Virginie Masserey, Leiterin Sektion Infektionskontrolle beim BAG.

Es gebe keine Hinweise darauf, dass etwa die Fruchtbarkeit durch eine Impfung beeinträchtigt werde, sagte Virginie Masserey, Leiterin Sektion Infektionskontrolle beim BAG. (Bild: Keystone)

Das sei eine Fehlinformation, für die es keine wissenschaftliche Basis gebe, sagte Masserey. Der Bund versuche, etwa mit Videos in mehreren Sprachen und Informationen im Internet Gegensteuer zu geben.

Laut der Arzneiaufsichtsbehörde Swissmedic gibt es weder bei der Marktüberwachung durch Meldungen aus der Bevölkerung noch bei Studien Hinweise auf Fruchtbarkeitsstörungen durch die in der Schweiz zugelassenen Impfstoffen, sagte Christoph Küng, Leiter der Abteilung Arzneimittelsicherheit bei der Heilmittelkontrolle Swissmedic.

Impfbereitschaft ist laut BAG weiterhin gross

Das BAG geht davon aus, dass die Impfrate beim Pflegepersonal gleich hoch ist, wie bei der gesamten erwachsenen Bevölkerung. Genaue Zahlen dazu gibt es laut Virginie Masserey allerdings nicht. Virginie Masserey, Leiterin Sektion Infektionskontrolle im BAG, erklärte, dass es jetzt darum gehe, den Zugang zum Impfen zu vereinfachen, beispielsweise durch Impfen ohne vorherige Terminvereinbarung.

«Es muss leicht gemacht werden, sich impfen zu lassen. Am Willen zum Impfen fehlt es nicht», sagte Masserey. Auch Anreize seien wichtig: «Wir müssen uns gegenseitig ermuntern.» Spezielle Bemühungen, um einen Impfanreiz für Junge zu erhöhen, gibt es nicht. Laut Masserey ist auch bei den Jungen die Impfbereitschaft relativ hoch. Die Jungen müssten wissen, was ihre Vorteile als Geimpfte seien.

Nebenwirkungen: Ein Drittel der Verdachtsfälle sind schwerwiegend

Bisher hat die Heilmittelbehörde Swissmedic rund 3’400 Verdachtsfälle von Nebenwirkungen nach Corona-Impfungen untersucht. Ein Drittel davon hat sie als schwerwiegend beurteilt, zwei Drittel als nicht schwerwiegend, wie Christoph Küng, Leiter Abteilung Arzneimittelsicherheit bei Swissmedic, ausführte.

Schwerwiegend bedeute, dass eine Spitaleinweisung nötig werde oder sich eine solche verlängere. Trotz anderslautender Behauptungen habe Swissmedic bisher keinen einzigen Todesfall aufgrund von Nebenwirkungen des Impfstoffes gefunden, sagte Küng.

Gerade bei jungen Menschen, die noch über ein starkes Immunsystem verfügen, könne dieses stärker reagieren und zu schwereren Nebenwirkungen führen. In der Regel seien die Nebenwirkungen aber harmlos, wenn auch unangenehm. Nach einigen Tagen seien sie in der Regel überstanden.

Alle bekannten Nebenwirkungen werden laut Küng ausgewiesen und publiziert. Deshalb seien Meldungen über nicht bekannte seltene Nebenwirkungen wichtig. Eine hundertprozentige Sicherheit gebe es aber nicht. «Es kann und darf Nebenwirkungen geben.» Bei beiden in der Schweiz verwendeten Wirkstoffen seien die Nebenwirkungen ähnlich, erklärte er.

Kantone bereiten sich auf mehr Corona-Fälle im Herbst vor

Die Kantone bereiten sich auf einen möglichen Anstieg der Corona-Fallzahlen im Herbst vor. Es bestünden diesbezüglich allerdings noch viele offene Fragen, sagte die Berner Kantonsärztin und Vizepräsidentin der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte (VKS), Linda Nartey, am Dienstag vor den Medien in Bern. Man rechne mit lokalen und regionalen Ausbrüchen, sagte Nartey. In der kühleren Jahreszeit könnten darum die Fallzahlen wieder «hochgehen».

Die Kantone würden derzeit zahlreiche Fragen diskutieren, erklärte die Kantonsärztin weiter. Diese drehten sich unter anderem um die Impfkampagne. Die Frage sei, ob es bessere Informationen brauche oder ob die Kampagne auf die richtigen Personengruppen fokussiere. Möglicherweise seien auch mehr Impforte nötig. Zudem würden sich die Verantwortlichen auf Auffrischungsimpfungen vorbereiten.

Impfschutz von 20 Prozent der über 70-Jährigen ist ungenügend

Für Martin Ackermann, Präsident der nationalen Covid-19 Task Force, ist die Schweiz noch nicht aus der Gefahrenzone. Daher sei es jetzt der richtige Zeitpunkt, um möglichst alle zu impfen, erklärte am Dienstag vor den Medien in Bern. Von den rund 1,2 Millionen über 70-jährigen Menschen in der Schweiz haben laut Ackermann inzwischen über 1 Millionen Antikörper entwickelt. Das bedeute aber, dass rund 200’000 Menschen oder rund 20 Prozent noch keinen ausreichenden Impfschutz hätten.

Für Martin Ackermann ist die Schweiz noch nicht aus der Gefahrenzone. (Bild: Keystone)

Wenn sich die Delta-Variante weiter ausbreite, steige die Gefahr von mehr Ansteckungen in dieser vulnerablen Altersgruppe. Sollte es gelingen den Impfschutz auf 90 Prozent zu erhöhen, würde sich die Zahl der Ansteckungen jedoch halbieren, stellte Ackermann fest. Entsprechend weniger Fälle würden dann auch im Spital landen.

Masserey: Delta-Variante bei bald 30 Prozent der Fälle

Nahezu 30 Prozent der neu gemeldeten positiven Coronafälle sind bereits auf die neue Delta-Variante zurückzuführen. Insgesamt präsentiere sich die Lage aber immer noch sehr gut, sagte Virginie Masserey, Leiterin Sektion Infektionskontrolle beim BAG. Zwar steige die Zahl der gemeldeten Ansteckungen wieder etwas an. Spitaleinweisungen oder Todesfälle seien aber kaum oder nur wenige zu verzeichnen. Nur 29 Personen benötigten derzeit Intensivpflege in den Spitälern.

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Virginie Masserey, Leiterin Sektion Infektionskontrolle beim BAG. (Bild: Keystone)

Auch in der Schweiz ist die gefährlichere Delta-Variante des Coronavirus auf dem Vormarsch. Es ist davon auszugehen, dass sie hierzulande früher oder später die dominante Variante werden wird. Die Delta-Mutation ist ansteckender und «fitter» als die bisherigen Corona-Varianten. Gesundheitsminister Alain Berset geht davon aus, dass die Fallzahlen im Herbst wieder steigen werden. Trotz Impfungen.

Bereits seit letztem Monat ist ein Anstieg der Neuinfektionen in der Schweiz zu beobachten. Der Reproduktionswert hat am Montag die entscheidende Schwelle von 1 überschritten und liegt momentan bei 1,15. Dies, nachdem er zuvor lange darunter gelegen hatte. Heisst, eine mit dem Coronavirus infizierte Person steckt im Durchschnitt mindestens eine Person an. Der Wert war in der Vergangenheit ausschlaggebend für zusätzliche Schutzmassnahmen gegen die Ausbreitung von Corona. Die Neuansteckungen in der Schweiz sind in den letzten Wochen ebenfalls spürbar gestiegen: Waren am Montag vor einer Woche noch 239 Fälle innert 72 Stunden registriert worden, hat das BAG diesen Montag 449 Ansteckungen innert drei Tagen gemeldet.

Was bedeuten die aktuellen Zahlen für die Entwicklung der Corona-Lage in der Schweiz? Und was für eine Rolle spielt die Delta-Variante? Fachexperten des Bundes informieren darüber am Dienstag um 14 Uhr an einer Medienkonferenz.

Telebasel zeigt die Medienkonferenz am Dienstag, 6. Juli 2021 ab 14 Uhr im Live-Stream auf telebasel.ch und in der App.

1 Kommentar

  1. Was nützen die ganzen Massnahmen. Was muss noch geschehen? Das gestern extrem gefüllte Stadion spricht Bände. Die Fifa geht buchstäblich über Leichen.Report

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