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Der Telebasel News-Beitrag vom 5. Juli 2021. (Video: Telebasel)
Basel

Polizei reagiert auf Vorwürfe über Milieu-Vernachlässigung

Anwohner des Basler Rotlichtviertels reklamieren, dass die Polizei im Milieu nichts unternehme. Jetzt bezieht das Justiz- und Sicherheitsdepartement Stellung.

Der Telebasel Report zeigte: Die Anwohner im Basler Milieu sind wütend. Die Polizei reagiert nicht immer, wenn sie darum gebeten wird. Gegenüber Telebasel bezieht das kritisierte Polizei- und Sicherheitsdepartement (JSD) nun Stellung. Sprecher Toprak Yerguz meint: «Die Kantonspolizei Basel-Stadt macht durchaus sehr viel im Milieu».

«Wenn sich unifomierte Polizei nähert, sind diese Drogen sofort weg»

Wie eine Anwohnerin im Telebasel Report sagt, bringe der Anruf an die Polizei nichts mehr. «Ich sagte der Polizei: Schauen Sie, bei uns auf der Strasse wird gedealt», für die Anwohnerin war die Antwort der Polizei darauf aber ernüchternd: «Dann sagte der [Polizist] zu mir, das sei an der Tagesordnung. Da könne man nichts machen».

Laut der Anwohnerin käme es vermehrt zu Drogenhandel im Rotlichtviertel. «Oftmals ist genau dann keine Polizei da, oder sie fahren einfach vorbei». Für die Anwohnerin ist das unverständlich.

Die Polizei lege jedoch durchaus den Fokus auf das Basler Milieu. «Feststellungen, beispielsweise bezüglich Kügeli-Dealer, macht die Kantonspolizei durchaus. Das mache die Polizei im Fahndungsdienst, das seien zivil, also nicht in Uniform unterwegs, erklärt Toprak Yerguz.

Doch oft scheitere es an der Festnahme, wenn die uniformierte Polizei dann auf die Informationen der Fahndung reagiert: «Dass die uniformierte Polizei da Schwierigkeiten hat, ist bekannt. Diese Kügeli-Dealer sind gut organisiert. Wenn sich uniformierte Polizisten nähern, sind diese Drogen sofort weg. Im Versteck, im Gebüsch, irgendwo», so Torprak Yerguz.

Wenn die Polizei nicht hilft, sondern rät, wegzuziehen

Seit 20 Jahren wohnt Jürg Luchsinger im Basler Milieu. Früher hätte er sich nicht vorstellen können, zu denjenigen zu gehören, die in der Nacht bei der Polizei anrufen. Doch auch für ihn kam es immer öfters dazu. Die Antwort aus der Einsatzzentrale sei dabei nicht immer eine Hilfe. «Es ist leider auch schon passiert, dass ich in der Nacht die Empfehlung bekam, dass ich aus diesem Quartier einfach wegziehen solle», so Jürg Luchsinger.

Für den Anwohner sei das keine professionelle Polizeiarbeit. «Es ist zermürbend bis kränkend, wenn man sich vom Polizisten einen Vortrag anhören muss, dass man aus dem Quartier wegziehen soll», Luchsinger fügt aber an, dass solche Antworten selten seien.

Trotzdem gibt es solche Reaktionen von Polizisten. Das weiss man auch bei der Polizei. «Die Mitarbeitenden der Einsatzzentrale erhalten jeden Tag hunderte Anrufe. Sie sind darauf geschult, Hilfestellung zu leisten, wenn es in einem Einzelfall nicht ganz so ideal läuft, gehen wir dem nach». Laut Toprak Yerguz helfe die Einsatzzentrale bei effektiven Notfällen jedoch ohne Ausnahmen.

Mehr Anrufe als in den Vorjahren

Neben Drogen sorgt auch Lärm zunehmend für Beschwerden und Anrufe bei der Polizei. Wie der JSD-Sprecher zu Telebasel meint, greifen die Leute auch schneller zum Hörer. «Wir haben auf der Einsatzzentrale tatsächlich mehr Anrufe und Beschwerden als das in den Vorjahren der Fall war», heisst es vom Justiz- und Sicherheitsdepartement.

«Einerseits ist jetzt Sommer, mehr Leute halten sich im öffentlichen Raum auf. Andererseits haben sich die Leute an die relative Ruhe während der Pandemie gewöhnt. Jetzt kommen viel mehr Leute zurück in den öffentlichen Raum und haben womöglich sogar Nachholbedarf. Das führt zu einem Dilemma» – ein Dilemma, das laut Yerguz aber in der ganzen Stadt beobachtet werde.

Zudem fügt er an: «Die Kantonspolizei kriegt aber immer wieder Leute zu fassen, die sie bei Delikten erwischt. Das sind teils Sachen, die nicht in die Schlagzeilen kommen, da es kleinere Fälle sind, die unter dem Radar der Medien stattfinden».

2 Kommentare

  1. Früher haben wir selbst für Ruhe und Ordnung auf der Gasse gesorgt. Reichte dies nicht kamen noch rechte Polizisten vom Clarahof oder von der Horburgwache und dies zu Fuss. Heute fährt der Streifenwagen innerhalb einer Minute durch die Strasse, so kann nichts gesehen oder eruierten werden. Es wäre an der Zeit endlich aufzuräumen.Report

  2. Sorry,aber wenn das einem stört,geht man nicht dort wohnen.Das Rotlicht ist nicht erst seit gestern.Ich wohne auch nicht im Bonzenviertel und rege mich über hohe Miete auf.Nicht das ich das befürworte,aber das weiss man,dass das eine das andere anzieht.Report

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