Die Engländer müssen im Viertelfinal gegen die Ukraine vor allem mental bereit sein. (Bild: Keystone)
International

Englands Perspektiven sind glänzend – doch Nachlassen ist verboten

Wann, wenn nicht jetzt? Nach dem Sieg über Deutschland bekommt es England auf dem Weg in den EM-Final mit dem Underdog aus der Ukraine zu tun.

Die grösste Gefahr lauert in den Köpfen. Gelingt es den Engländern, die Spannung hoch zu halten und dem Gegner mit dem nötigen Respekt zu begegnen?

Zwei Siege gegen zwei Aussenseiter trennen England noch vom ersten EM-Final, und die grösste Hürde ist bereits übersprungen: Es ist eine verheissungsvolle Ausgangslage, in die sich die Mannschaft von Trainer Gareth Southgate mit dem Gruppensieg und dem Achtelfinal-Erfolg über den Angstgegner Deutschland manövriert hat. Doch ungefährlich ist sie nicht.

Beispiele für einen verhängnisvollen Spannungsabfall gibt es zuhauf und mit dem Favoritensterben auch an dieser EM. Die Schweiz machte ihre Erfahrungen ebenfalls. 2006 holte die Nationalmannschaft an der WM in Deutschland ohne Gegentor den Gruppensieg vor Frankreich und schied im Achtelfinal gegen die Ukraine aus. 2010 startete sie mit einem sensationellen 1:0 gegen Spanien in die WM in Südafrika, danach schied sie in der Gruppenphase aus. 2018 meisterte sie in der Gruppenphase die Hürde Serbien – und enttäuschte dann beim Achtelfinal-Aus gegen Schweden.

Gruppendritter mit halbleerem Akku

Englands Nationalmannschaft scheiterte zuletzt zweimal als Favorit, an der EM 2016 in der ersten K.o.-Runde gegen Island, an der WM 2018 im Halbfinal gegen Kroatien. Das Team ist gegen die Ukraine also vor allem im Kopf gefordert, zumal der Gegner in der Runde zuvor viele Körner lassen musste. Die Osteuropäer, die als Gruppendritte mit drei Punkten gerade noch in die K.o.-Phase gerutscht sind, setzten sich im physisch intensiven Achtelfinal gegen Schweden dank des Siegtreffers von Artem Dowbyk in der 121. Minute 2:1 nach Verlängerung durch.

Nach dem historischen Sieg gegen Deutschland im Achtelfinal (2:0) schwappte eine Welle der Euphorie und Erleichterung über England. Jetzt ist die Chance auf den ersehnten Titel nach 55-jähriger Durststrecke «so gross wie nie zuvor», urteilte BBC-Experte Roy Keane. Setzen sich die «Three Lions» am Samstag in Rom in ihrem ersten EM-Auswärtsspiel durch, heisst der Gegner im Halbfinal im Londoner Wembley-Stadion Tschechien oder Dänemark.

Southgate: «Ein gefährlicher Moment»

Aufgrund dieser Konstellation befindet sich Southgate auf einer Gratwanderung. «Das ist ein gefährlicher Moment. Das Gefühl des Erfolgs, die Stimmung im Land – wir dürfen nicht nachlassen. Unsere Mentalität wird enorm wichtig sein, wir brauchen den Fokus wie gegen Deutschland», sagte der Trainer mit Verweis auf die Brisanz der Situation. Der Sieg gegen die Deutschen soll nur ein Schritt gewesen sein. «Wir sind hier mit einem Ziel angetreten, und das haben wir noch nicht erreicht.»

Das Ziel ist der Final am 11. Juli im Wembley vor dannzumal wieder 60’000 Zuschauern. Die Ukraine am Samstag hört sich nach einem vergleichsweise leichten Gegner auf dem Weg dahin an, doch die Partie gegen die Mannschaft des ehemaligen Weltklassestürmers Andrej Schewtschenko ist ein Charaktertest.

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