(Symbolbild: Keystone)
Schweiz

SRG mit Massnahmenkatalog gegen sexuelle Belästigung

Nach den Enthüllungen von sexuellen Belästigungen, hat die SRG einen Massnahmenkatalog zum Schutz ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschlossen.

Der Katalog umfasst 25 konkrete Massnahmen, wie die SRG SSR am Donnerstag mitteilte. Die Massnahmen basieren auf den externen Untersuchungen vom November 2020. Im Zuge der aufgedeckten Belästigungen beschloss das Unternehmen, die konkreten Fälle transparent aufzuarbeiten und auf einen Kulturwandel hinzuarbeiten. Die Unternehmenskultur wird neu als strategisches Ziel definiert.

Den Start bildet das vom Verwaltungsrat verabschiedete Massnahmenpaket. Dabei setzt die SRG SSR auf die Beteiligung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf allen Stufen. In einer ersten Welle soll der Schutz der persönlichen Integrität verbessert werden.

Verwaltungsratspräsident Jean-Michel Cina erklärte gemäss Communiqué, die Umsetzung des Pakets beginne sofort. Ihm sei es ein grosses Anliegen, dass niemand mehr inakzeptable Arbeitsbedingungen hinnehmen müsse, und ein Klima gegenseitigen Respekts weitere Vorfälle verhindere.

SRG-Generaldirektor Direktor Gilles Marchand versicherte, dass er sich für Null-Toleranz einsetzen werde. Das Unternehmen werde gestärkt aus dieser Krise hervorgehen.

Sanktionen gegen zwei Mitarbeiter

Der Verwaltungsrat reagierte mit den externen Untersuchungen und dem aktuellen Massnahmenkatalog auf die Vorwürfe sexueller Belästigungen und Mobbings beim RTS, welche die Westschweizer Tageszeitung Le Temps veröffentlicht hatte. Die Betroffenen berichteten der Zeitung von offener Belästigung, ungewollten Küssen, anzüglichen Kommentaren und systematischem Machtmissbrauch.

Angeschuldigt wurden drei Mitarbeiter, darunter Darius Rochebin, langjähriger Star-Moderator der RTS-Tagesschau. Die von der SRG eingesetzten unabhängigen Experten attestierten ihm eine weisse Weste. Ein Kadermitarbeiter musste aber gehen, ein weiterer Mitarbeiter wurde sanktioniert.

Obwohl es zu keinen gravierenden Fehlern in der Chefetage gekommen war, verliessen auch der TV-Chefredaktor und der Leiter der Personalabteilung den Sender.

SRG-Generaldirektor Marchand war zum Zeitpunkt der Ereignisse Direktor von Radio Télévision Suisse (RTS). Der SRG-Verwaltungsrat sprach ihm aber sein Vertrauen aus. Zwar hatte er seine sekundäre Aufsichtsverantwortung zu wenig wahrgenommen. Ihm seien aber keine gravierenden Fehler vorzuwerfen, hielten die externen Gutachter fest. Auch der aktuelle RTS-Chef Pascal Crittin behielt seinen Job.

Neben den Vorfällen bei RTS tauchten auch beim Tessiner Fernsehen Radiotelevisione svizzera (RSI) auf. Die Mediengewerkschaft SSM registrierte 32 Beschwerden wegen sexueller Übergriffe, Mobbings und weiterer Persönlichkeitsverletzungen. Auch dort wurde eine externe Untersuchung eingeleitet.

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