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Der Telebasel Talk vom 30. Juni 2021.
Basel

Konversionstherapien sollen landesweit verboten werden

Konversionstherapien zielen darauf ab, eine sexuelle Neigung zu ändern, etwa Schwule «umzubiegen». Eine Basler Initiative fordert nun ein nationales Verbot.

Vor einem Monat beauftragte der Grosse Rat die Regierung mit der Formulierung eines Verbotes von Konversionstherapien im Kanton Basel-Stadt. Dies per Motion von Michela Seggiani (SP) und Johannes Sieber (GLP). Nun ziehen Annina von Falkenstein (LDP) und Johannes Sieber (GLP) das Thema mit einer nationalen Standesinitiative weiter. Im September soll sie traktandiert werden. Sie schreiben:

«Konversionstherapien sind psychologische Therapien, die zum Ziel haben, die homosexuelle Veranlagung eines Menschen in eine heterosexuelle Neigung ‹umzupolen› oder die Geschlechtsidentität von betroffenen Personen zu verändern. Diese Praxis folgt dem irrigen Grundgedanken, dass Homosexualität eine Krankheit oder ein Symptom sei und mit entsprechender Behandlung therapiert werden könne.

Keine Handhabe gegen Konversionstherapien

Nur in seltenen bekannten Fällen werden Konversionstherapien von PsychiaterInnen durchgeführt und von Krankenkassen zurückerstattet. Es sind aber nicht ausschliesslich ÄrztInnen, die für Konversionstherapien verantwortlich sind.

Diese vorgeblich «reparativen» Behandlungen werden von verschiedenen Personen, mit unterschiedlichen beruflichen Hintergründen durchgeführt. Dazu gehören neben ÄrztInnen auch Coaches, SexualberaterInnen und Geistliche. Während ÄrztInnen mit der Durchführung eine Konversionstherapie gegen die Berufspflichten verstossen und mit Disziplinarmassnahmen zu rechnen haben, existiert gegen Konversionstherapien durch Coaches, SexualberaterInnen und Geistlichen keine Handhabe.

«Höchst traumatisierend»

Konversionstherapien sind für betroffene Personen höchst traumatisierend. Das belegen zahlreiche Studien. Diese Therapien haben zum Ziel, den Betroffenen Schuldgefühle aufzubürden, was viele in die Verzweiflung treibt. Dabei sind Jugendliche besonders verletzlich. Sie können durch selbst ernannte HeilerInnen in psychische Krisen bis hin zu Depressionen und Suizid gestürzt werden.

Es gilt, solche Praktiken in der Schweiz zu verhindern. Homosexualität ist keine Krankheit und deswegen ist sie auch nicht therapiebedürftig. Es braucht deshalb eine klare Grenze und ein Verbot von Konversionstherapien – einschliesslich strafrechtlicher Konsequenzen. Ein entsprechendes Gesetz soll dabei möglichst weit fassen und insbesondere auch für Fälle gelten, in denen Minderjährige betroffen sind. Der Regierungsrat wird beauftragt, im Namen des Kantons Basel-Stadt bei der Bundesversammlung, gestützt auf Art. 160 Abs. l der Bundesverfassung, folgende Standesinitiative einzureichen:

In diversen Ländern verboten

Das Bundesparlament und die Bundesbehörden werden ersucht,
– Konversionstherapien zu verbieten, die zum Ziel haben, die sexuelle Orientierung bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zu verändern;
– aufzuzeigen, ob für Psychologinnen und Psychologen, Therapeutinnen und Therapeuten, Seelsorgerinnen und Seelsorger usw., die solche anwenden, ein Berufsverbot erwirkt werden kann;
– aufzuzeigen, was die Konsequenzen bei Zuwiderhandeln sein können».

Sogenannte Konversionstherapien sind in vielen Ländern verboten, in anderen beschränkt sich ein Verbot auf Minderjährige. Am 27. August 2018 stellte der Vatikan klar, dass Homosexualität keine Krankheit sei und daher Konversionstherapien nicht befürwortet werden.

1 Kommentar

  1. Wenn Konversionstherapie strafbar werden soll, weshalb nicht Geschlechtsumwandlungen??? Wenn sich jemand therapieren lässt durch Coaching oder Seelsorge als Alternative zu einem medizinischen Eingriff, sollte ihm diese Wahl offenstehen!Report

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