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Der Telebasel News-Beitrag vom 28. Juni 2021.
Basel

«Wenn ich Arbeit bekomme, bleibe ich hier, sonst gehe ich weiter»

In Basel ist bald nur noch eingeschränktes Betteln erlaubt. Was sagen die Bettelnden selbst zu der neuen Regelung? Ein Augenschein in der Basler Innenstadt.

Ein Blick in die Stadt zeigt: Es sind weniger bettelnde Leute unterwegs als auch schon. Trägt die baldige Wiedereinführung des abgeschwächten Bettelverbots bereits dazu bei, dass weniger Bettelnde auf der Strasse sind?

Nicolai ist aus Rumänien. Er ist überrascht, dass das Betteln stark eingeschränkt wird, denn er habe sich mit den Passanten gut verstanden. «Ich hatte keine Probleme mit den Menschen. Ich mache es nicht aufdringlich. Wer mir Geld geben will, der macht’s und wer nicht, der nicht» sagt Nicolai.

Auch Darius, der ebenfalls aus Rumänien stammt, hat nichts von dem Entscheid mitbekommen. Er sitzt auf dem Boden, was nicht erstaunt, wenn man seine stark entstellten nackten Füsse sieht. «Ich weiss nicht, ich hab ja keine Arbeit und kann auch nicht arbeiten wegen der Füsse.» Aber bleibt er trotzdem in Basel? «Ich weiss es nicht. Ich weiss nicht, wo ich hingehen soll», so Darius.

Problem verlagert sich

Alle Personen, die wir in der Innenstadt angesprochen haben, sagen, sie haben nicht mitbekommen, dass in Basel die Regeln verschärft werden. «Wenn ich Arbeit bekomme, bleibe ich hier, sonst gehe ich in ein anderes Land weiter» sagt uns etwa Karbaros. Er und ein weiterer junger Mann, der wie Karbaros circa Anfang 20 ist, sind in der Innenstadt als Mickey Mäuse unterwegs und versuchen durch bezahlte Fotos mit ihnen an Geld zu kommen.

Maria ist seit gut einer Woche in Basel. Sie sagt, sie bettelt von 10 Uhr am Morgen bis ca, 18 bis 19 Uhr abends. Sie ist kniend und mit dem Kopf am Boden vor einem grossen Warenhaus in der Basler Innenstadt anzutreffen.

«Wenn das Bettelverbot in Kraft tritt, werde ich in ein anderes Land gehen. Deutschland oder Polen. Ich bin krank, ich kann nicht arbeiten gehen, muss meine Medikamente nehmen. Ich habe Asthma, ich wurde operiert und ich brauche die Medikamente. Ich lebe vom Betteln, vom einen Tag auf den nächsten.»

Referendumsfrist bis Anfang August

Gegen den Entscheid des Grossen Rates kann noch das Referendum ergriffen werden. Die Frist läuft bis zum 7. August. Da jedoch weder SP noch Grüne dieses ergreifen wollen und dementsprechend keine Unterschriften sammeln, dürfte die Frist ungenutzt verstreichen. Dann liegt es in den Händen des Regierungsrates, ab wann die Revision des Übertretungsstrafrechtes gilt. Man kann aber davon ausgehen, dass diese unverzüglich durchgesetzt wird.

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