Am späten Nachmittag zogen aus Westen Gewitter mit Sturmböen und Hagel über die Schweiz. (A:rchivbild: Key)
Schweiz

Gewitter mit Sturmböen und Hagel fordern mindestens vier Verletzte

Erneut hat am Montagabend eine Gewitterfront die Schweiz erreicht. Am späten Nachmittag zogen aus Westen Gewitter mit Sturmböen und Hagel auf.

In weiten Teilen der Schweiz sind am Montagabend erneut heftige Gewitter mit Orkanböen, Hagel und Starkregen hinweg gefegt. Stark betroffen waren die Westschweiz sowie die Kantone Bern und Solothurn. Es gab mehrere Verletzte.

Die Gewitter waren am späten Montagnachmittag aus Westen aufgezogen. Am Jura Südfuss wehten laut Wetterdiensten Böen von 101 km/h, so in Cressier NE. Auf dem Chasseral erreichte eine Orkanböe 122 km/h, wie Meteonews am Montagabend twitterte.

Mancherorts erreichten die Körner die Grösse von Golfbällen, so in La-Chaux-de-Fonds oder Epsach BE. In Nottwil LU hatten die Hagelkörner einen Durchmesser von sieben Zentimetern, wie SRF Meteo schrieb. Am Abend zog die Gewitterfront auch über die Zentralschweiz und Zürich, bis sie schliesslich die Ostschweiz erreichte.

Auch Ostschweiz betroffen

In St. Gallen musste die Feuerwehr rund 20 Mal ausrücken. Betroffen war vor allem die Region rund um Wil, wie die Kantonspolizei St. Gallen auf Anfrage mitteilte. Die Rettungskräfte mussten Keller auspumpen, die wegen des starken Regens überschwemmt worden waren.

Die Autobahn A1 zwischen Wil und Münchenwilen musste zeitweise gesperrt werden, da sie unter Wasser stand. Insgesamt rund 90 Einsätze der Feuerwehr verzeichnete der Kanton Thurgau. Die Unwetter führten an diversen Orten im Kanton zu überschwemmten Kellern.

Starkregen begleitete auch andernorts die aussergewöhnlichen Gewitter, wie SRF Meteo schrieb. In Opfikon ZH wurden in einer Stunde 36,8 mm Niederschlag gemessen, in Lohn SH waren es 45,6 mm, wie der Wetterdienst twitterte. Davon fielen jeweils rund 20 mm in nur zehn Minuten.

Verheerende Hagelzüge

Hagelzüge richteten namentlich im Berner Seeland sowie zwischen Bern und Thun erhebliche Schäden an Pflanzen und Bäumen an, wie Bildern auf diversen Nachrichtenportalen zeigen und Augenzeugen berichteten. Die Schadenbilanz wegen Unwettern dürfte damit weiter gestiegen sein.

Bis letzten Freitag schätzten Versicherungsgesellschaften die Schadensumme auf mindestens 260 Millionen Franken. Es gab zehntausenden Schadenfälle, allen voran wegen Hagelbeulen an Fahrzeugen und Gebäudeschäden wegen überfluteter Keller.

Sechs Kinder im Spital

In der Westschweiz wurde der Kanton Freiburg stark in Mitleidenschaft gezogen. Rund 300 Meldungen gingen bei der Einsatzzentrale ein. Arg in Bedrängnis kam laut Kantonspolizei Freiburg eine 16-köpfige Schulklasse mit ihren zwei erwachsenen Begleitpersonen, die in Bulle von einem Hagelzug überrascht wurde.

Sechs Kinder und eine erwachsene Begleitperson wurden vom Rettungsdienst betreut und zur Untersuchung in ein Spital gebracht. Laut einem Leservideo auf Blick.ch durchschlug in Bulle der Hagel das Dach einer Coop-Filiale. Die Polizei warnte vor beschädigten Dachziegeln, die von Gebäuden fallen könnten.

Hagelkörner verletzen Velofahrerin

In Cham ZG wurde eine Velofahrerin durch Hagelkörner am Kopf verletzt. Die 29-jährige Frau musste mit dem Rettungsdienst Zug ins Spital eingeliefert werden. In Baar ZG wurde eine Autofahrerin durch Glassplitter leicht verletzt, als der Hagelschauer ihre Frontscheibe beschädigte. Insgesamt gingen bei der Kantonspolizei Zug rund 100 Meldungen ein.

In Wolhusen LU wurde eine Person durch herumfliegende Gebäudeteile und zwei weitere durch Hagelkörner verletzt, wie die Luzerner Polizei am Montagabend mitteilte. Insgesamt gingen 450 Meldungen bei der Einsatzzentrale ein.

Die Berner Kantonspolizei erhielt über 300 Schadenmeldungen. In Meikirch sei es zu einem schweren Unfall mit einem Auto gekommen. Details dazu will die Polizei am Dienstagmorgen bekanntgeben. Wie Alertswiss zu entnehmen war, waren die Gemeinden Mühlethurnen und Lohnstorf im Kanton Bern am Abend wegen eines Wasserleitungsbruches von der Wasserversorgung abgeschnitten.

Bei Schutz&Rettung Zürich gingen fast 400 Notrufe ein. Sie betrafen vor allem umgestürzte Baugerüste, entwurzelte Bäume, herabgefallene Äste und Wasser in Gebäuden. In Solothurn stürzte wegen des Unwetters das Gerüst beim Rathaus in der Altstadt ein.

Probleme auf Strassen und Schiene

Wie der Bahninformation der SBB zu entnehmen war, kam es am Nachmittag auf den Linien Bern-Belp-Thun, Burgdorf-Solothurn, Bern-Schwarzenburg und Bern-Kerzers FR zu Störungen. Letztere konnte am späten Montagabend behoben werden.

Die Autobahn A6 zwischen Münchenbuchsee und Schüpfen im Kanton Bern war laut der Verkehrsinformation während mehrerer Stunden beeinträchtigt, wegen der überfluteten Fahrbahn kam es auch dort zu Staus. Wegen Hochwassers bleibt der Schiffsbetrieb zwischen Solothurn und Biel bis 2. Juli eingeschränkt, wie die SBB mitteilt.

Neue Gewitter nach Verschnaufpause

Bis am frühen Dienstagmorgen beruhigte sich die Lage etwas. Nach einer kurzen Verschnaufpause dürften tagsüber aber bereits neue heftige Gewitter aufziehen und erneut Sturmböen, Starkregen und Hagel bringen, wie SRF Meteo auf Twitter schreibt.

Während sich die Lage im Norden beruhigte, zogen in der Nacht auch in Teilen des Kantons Tessin Gewitter auf. In Bosco/Gurin und Airolo fielen seit dem späten Abend rund 50 mm Regen, teilweise sogar mehr, wie MeteoNews am frühen Dienstagmorgen auf Twitter mitteilte.

Viele Blitze

Laut SRF Meteo war der Montag «blitzintensiv», es seien in der Schweiz bereits 10’000 Blitzeinschläge registriert worden. Bereits letzte Woche hatte es in der Schweiz mehr als üblich im Juni geblitzt. Vergangene Woche hatten immer wieder Unwetter und Gewitter grosse Schäden in Teilen der Schweiz verursacht. So auch in Cressier, dort kam es am Dienstag vor einer Woche wegen Starkregen zu Schlammlawinen und Überschwemmungen. Zurzeit sind hunderte Armeeangehörige an Aufräumarbeiten in der Neuenburger Gemeinde beteiligt.

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