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Der Telebasel-Newsbeitrag vom 26. Juni 2021.
Basel

Jetzt kommen die Lockdown-Babies

Es gibt erste Anzeichen für einen Babyboom nach dem Corona-Lockdown. So etwa im Basler Unispital und bei künstlichen Befruchtungen am Kinderwunschzentrum.

Lockdown und Home Office, mehr Zweisamkeit in den eigenen vier Wänden. Führt das zu einem Corona-Babyboom? In der Region Basel gibt es erste Anzeichen dafür. Das Universitätsspital Basel (USB) verzeichnet einen leichten Anstieg der Geburtenzahl.

Vom Januar bis im April dieses Jahres gab es 849 Geburten. Im Vorjahr wurden im gleichen Zeitraum noch 786 Babies geboren. «Jetzt sehen wir wirklich, dass es ein bisschen anzieht», sagt USB-Sprecher Nicolas Drechsler. Allerdings bewegten sich diese Zahlen noch innerhalb der normalen Schwankungen. Ob man wirklich von einem Babyboom sprechen kann, werde man Ende Jahr feststellen.

Anders klingt es beim Kantonsspital Baselland. «Bis jetzt konnten wir keinen Lockdown-Effekt feststellen, bei uns liegen die Geburtenzahlen im ersten Quartal in etwa auf dem Niveau des Vorjahres», schreibt KSBL-Sprecherin Anita Kuoni.

Das Bethesdaspital möchte sich auf Anfrage von Telebasel nicht zu diesem Thema äussern. Spürbar ist die Nachfrage beim Geburtshaus Matthea im Kleinbasel. «Bereits heute sind wir oft voll ausgelastet und führen Wartelisten», schreibt Alinda Neidhart, Leiterin Recht und Marketing beim Geburtshaus. Allerdings wäre es verfrüht, einen Zusammenhang mit dem Lockdown herzustellen, da es das Geburtshaus erst seit 2019 gibt. «Da wir somit mehr Anfragen haben, als wir annehmen können und erst zwei Jahre offen sind, ist es uns nicht möglich, statistisch relevante Aussagen dazu zu machen», so Alinda Neidhart.

Erhöhte Nachfrage bei Kinderwunschtherapien

Einen deutlichen Effekt hatte die Corona-Krise jedoch auf die Kinderwunschtherapien, so zum Beispiel bei den Befruchtungen ausserhalb des Körpers. Frauenarzt Jean-Claude Spira vom Kinderwunschzentrum Basel sieht in letzter Zeit eine erhöhte Nachfrage, Mit den angekündigten Corona-Lockerungen sind somit auch mehr Babies auf dem Weg. «Wir haben dieses Jahr gesehen, dass wir in den ersten sechs Monaten dieses Jahres bereits gleich viele aufwändige Therapien durchgeführt haben wie im ganzen letzten Jahr und 20 Prozent mehr als 2019», sagt Jean-Claude Spira. «Das Thema Kinderwunsch ist für Paare wichtiger geworden».

Pandemie-Angst bremste zunächst den Kinderwunsch

Allerdings sei das noch vor einem Jahr, nach dem Ausbruch der Pandemie ganz anders gewesen. Das bestätigt seine Kollegin Erika Ocon, Spezialistin in Kinderwunschfragen. «Im 2020 haben wir festgestellt, dass viele Paare auch Scheu hatten und nicht recht wussten, ob sie schwanger werden sollten und das ein bisschen hintenangestellt haben», sagt die Gynäkologin.

Die Angst vor dem Virus und die allgemeine unsichere Situation habe viele Paare zögern lassen. Wie Erika Ocon erklärt, gab es auch Paare, die wegen Corona beschlossen, die Embryonen einfrieren zu lassen. Dies mit der Überlegung, den Embryo erst dann einzusetzen, wenn ein Corona-Impfstoff da ist. Nun aber sehe die Situation ganz anders aus: «Mittlerweile stellen wir fest, dass viele Paare weiterhin einen starken Kinderwunsch haben, und es im Gegenteil eine Neubesinnung gegeben hat», sagt Erika Ocon.

Corona als «Elchtest» für Paare

Die Ausnahmesituation unter den Corona-Massnahmen hat wohl die Karten neu gemischt. «Das war etwas wie ein Elchtest für die Partnerschaft», stellt Jean-Claude Spira fest. Manche Paare seien gewachsen, andere hätten sich getrennt. «Viele Paare überlegten sich, wie es weitergehen soll und haben die Prioritäten anders gesetzt und mehr miteinander geredet», vermutet der Kinderwunsch-Spezialist. Dies habe wohl in vielen Fällen den Samen für eine freundliche Umgebung für ein Baby gelegt.

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