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Der Telebasel Talk vom 18. Juni 2021.
Schweiz

«In der Schweiz wird die Photovoltaik systematisch diskriminiert»

Nur auf Rang 24 steht die Schweiz in Sachen Solarstrom und Windkraft. Dabei bräuchten wir beide dringend, schreibt Rudolf Rechsteiner in seinem neuen Buch.

Rühmt sich unser Land nicht gern als Innovationsstandort? Wenn uns praktisch jedes europäische Land, inklusive Rumänien oder Bulgarien, bezüglich der Stromerzeugung aus Sonne und Wind hinter sich lässt, haben wir Anlass, das Label zu hinterfragen.

Dies jedenfalls der Gedanke, der sich bei der Lektüre von Rudolf Rechsteiners neuem Buch «Die Energiewende im Wartesaal» aufdrängt. Der Energieexperte, IWB-Verwaltungsrat und Ex-SP-Nationalrat sieht die Photovoltaik-Technologie hierzulande diskriminiert: «mit schlechten Entschädigungen im Vergleich zur Wasserkraft, fehlender Honorierung von Winterstrom und durch eine lähmende Bürokratie, selbst für Standorte auf bestehenden Bauten».

Dringende Solaroffensive

Dabei sei die Photovoltaik mittlerweile der billigste Energieträger – und dessen verstärkter Einsatz, eine Ausbau-Offensive, dringlicher als je. Denn wir stünden am Beginn einer «doppelten Energiewende»: Die Produktionslücke, die durch den Atomausstieg entsteht, und der erhöhte Stromverbrauch, weil wir den C02-Ausstoss verringern. Rudolf Rechsteiner zitiert den Präsidenten der Elektrizitätskommission (ElCom). Dieser habe 2016 davor gewarnt, dass «wir mit der momentanen Zubaurate rund hundert Jahre benötigen», bis die Kernkraftwerke durch erneuerbare Energien ersetzt sind. Aber vorwärts machen andere. Rudolf Rechsteiner erklärt: «In Bayern deckt Solarstrom inzwischen fast 20 Prozent des Stromverbrauchs. In der Schweiz sind es nicht einmal 4 Prozent (Ende 2019)».

Reicht unser gesellschaftlicher Wille?

Rudof Rechsteiners im Mai erschienenes Buch ist leicht verständlich geschrieben, und dennoch dicht an Fakten, Zitaten, Tabellen. Es erschien zu einem Zeitpunkt, da das Schweizer Stimmvolk mögliche Kostenfolgen über den Klimaschutz stellt, Gemeinden (Muttenz) Windparks ablehnen und Wirtschaftsverbände die Atomkraft wieder als «Möglichkeit» erwähnen. Die NZZ schrieb: «Rechsteiners Buch macht aber eine Sache klar: Die grössten Hürden für eine saubere Energiezukunft sind nicht mehr die Technologien. Sondern der gesellschaftliche Wille und die politischen Vorgaben».

Am Freitag, 18. Juni 2021, spricht Rudolf Rechsteiner ab 18:45 Uhr im Talk über sein aktuelles Buch und die Chancen seiner Forderungen.

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