Der Corona-Impfstoffkandidat von Curevac hat die vorgegebenen statistischen Erfolgskriterien nicht erfüllt. (Bild: Keystone)
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Curevac-Impfstoffkandidat weniger wirksam als erhofft

Die Tübinger Biopharmafirma Curevac meldet am Mittwoch, dass deren Impfstoffkandidat nur eine vorläufige Wirksamkeit von 47 Prozent erzielt habe.

Rückschlag für einen Hoffnungsträger der Impfkampagne: Im Rennen um die Markteinführung eines weiteren hochwirksamen Corona-Impfstoffs hat die Tübinger Biopharmafirma Curevac einen empfindlichen Dämpfer publik gemacht.

Vom Impfstoff Curevac hat die Schweiz fünf Millionen Dosen bestellt. Der Impfstoff ist in der Schweiz jedoch noch nicht zugelassen. Grundsätzlich werde der Kaufpreis eines Covid-19-Impfstoffs erst bei der Lieferung in die Schweiz fällig, hiess es beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Eine Lieferung erfolgt aber grundsätzlich erst nach Zulassung in die Schweiz.

Bei einer allfälligen Weitergabe von Covid-19-Impfstoff an andere Länder im Rahmen der Covax-Initiative würden die Rahmenbedingungen gemeinsam mit dem Empfänger vereinbart. Der Bund werde die Möglichkeit prüfen, Impfstoffe anderen Ländern weiterzugeben, sollten diese in der Schweiz nicht benötigt werden. Die Covax-Initiative hat zum Ziel, Länder mit kleinem und mittlerem Einkommen mit Corona-Impfstoffen zu versorgen.

Curevac sammelt weiterhin Daten

Das Unternehmen musste am späten Mittwochabend in einer Pflichtbörsenmitteilung einräumen, dass der eigene Impfstoffkandidat CVnCoV in einer Zwischenanalyse nur eine vorläufige Wirksamkeit von 47 Prozent gegen eine Corona-Erkrankung «jeglichen Schweregrades» erzielt habe. Damit habe er die vorgegebenen statistischen Erfolgskriterien nicht erfüllt.

Der Curevac-Impfstoffkandidat befindet sich schon seit Dezember – also seit rund einem halben Jahr – in der finalen und damit zulassungsrelevanten 2b/3-Studienphase. Während zahlreiche Konkurrenten ihre Vakzine längst auf den Markt gebracht haben, sammelt Curevac nach wie vor Daten. Ob Curevac nun überhaupt absehbar – und wenn, wann – liefern kann, bleibt vorerst unklar.

Die deutsche Regierung hatte den Curevac-Impfstoff Berichten zufolge lange für die zweite Jahreshälfte eingeplant, auf der jüngst vom Bundesgesundheitsministerium veröffentlichten Liste der Impfstoff-Lieferplanungen fehlte das Unternehmen aber bereits. Zuletzt hatte die Plattform «Business Insider» berichtet, es habe noch Ende Mai in internen Lieferprognosen der Bundesregierung geheissen, dass von Curevac bis Jahresende eine zweistellige Millionenmenge an Impfstoffdosen erwartet werde.

Aktionäre vertröstet

Angesichts der massiven Zeitverzögerung hatte die Firma zuletzt nicht nur ihre Aktionäre immer wieder vertröstet. Bis Anfang Juni hatte es geheissen, das Unternehmen erwarte – abhängig von den klinischen Studiendaten – die Zulassung seines Impfstoffkandidaten in der EU zumindest noch im zweiten Quartal. Doch kurz darauf wurde bekannt, dass sich das Verfahren weiter verzögern werde.

Zuletzt war darüber spekuliert worden, der Curevac-Impfstoff könne möglicherweise im August in der EU zugelassen werden. Auch diese Aussichten könnten sich nach Bekanntwerden der neuen Daten erledigt haben. Die Anleger reagierten zeitweise panisch: Der Curevac-Börsenkurs sackte im nachbörslichen US-Handel am Mittwoch um mehr als die Hälfte ab.

Zur Frage, wie es mit dem bisherigen Impfstoffkandidaten nun weitergehen soll, äusserte sich Curevac in der Mitteilung nicht im Detail. Allerdings lud das Unternehmen «interessierte Parteien» für Donnerstag (14 Uhr) zu einer Telefonkonferenz ein.

Curevac-Chef Franz-Werner Haas teilte mit, man habe auf stärkere Ergebnisse in der Zwischenanalyse gehofft. Man wolle die laufende Studie aber dennoch bis zur finalen Analyse fortsetzen.

Partner von Bayer

Der Impfstoffkandidat der Tübinger basiert – ebenso wie beispielsweise das bereits länger in der EU zugelassene Vakzin des Mainzer Konkurrenten Biontech – auf sogenannter «messenger RNA» (Boten-RNA) und unterscheidet sich damit von herkömmlichen Vektorimpfstoffen wie etwa jenem von Astrazeneca. Doch anders als bei Biontech oder auch beim US-Konkurrenten Moderna lässt die Wirksamkeit des Curevac-Impfstoffs offenbar deutlich zu wünschen übrig.

Die Firma teilte mit, dass die Wirksamkeit des Impfstoffkandidaten von der untersuchten Altersgruppe und den Virusstämmen abhänge. In die Analyse sei die Wirksamkeit gegen mindestens 13 Covid-Varianten eingegangen.

Curevac hatte sich im vergangenen Jahr über einen Börsengang in New York sowie mehrmals über Kapitalerhöhungen frisches Geld verschafft und zudem eine Partnerschaft mit dem Leverkusener Pharmariesen Bayer vereinbart. Historisch noch enger verzahnt ist Curevac allerdings mit dem SAP-Mitbegründer und Investor Dietmar Hopp, der nach wie vor einen Grossteil der Anteile an dem Unternehmen hält.

Hopp sorgte zu Beginn der Corona-Krise im Frühjahr 2020 für Schlagzeilen, als er überraschend und öffentlichkeitswirksam verkündete, Curevac könne möglicherweise schon im Herbst 2020 einen Corona-Impfstoff liefern. Das blieb ein unerfüllter Wunsch.

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