Beim Absturz starb ein 40-Jähriger. (Bild: Keystone)
Schweiz

Fehlende Absprache Schuld am tödlichen Sessel-Absturz auf dem Stoos

Der tödliche Absturz eines Sessels der Bergbahn auf den Stoos SZ im Februar 2020 ist auf eine interne Kommunikationslücke zurückzuführen, so das Sust-Urteil.

Für die nächtliche Fahrt der Sesselbahn wurde keine Zustimmung beim Pisten- und Rettungsdienst eingeholt. Die Pistenfahrer waren unwissend unterwegs, wodurch es zur fatalen Kollision zwischen einem Sessel und einem Windenseil kam.

Der zuständige technische Leiter hatte die Zustimmung nicht eingeholt, obwohl er dazu verpflichtet gewesen wäre, heisst es im am Mittwoch publizierten Bericht der Sicherheitsuntersuchungsstelle Sust. Dieses Versäumnis sei damit begründet worden, dass die betreffende Piste in dieser Saison noch nie offen gewesen sei.

So wussten der Pisten- und Rettungsdienst und die Pistenfahrer nichts von der nächtlichen Rückfahrt der Sesselbahn Mettlen-Fronalpstock. Der betroffene Pistenfahrer war also unwissend in der Dunkelheit im Gebiet Charenstöckli unterwegs und hat gemäss Sust-Bericht auch nicht wahrgenommen, dass die Sesselbahn während der Nacht in Betrieb genommen wurde. Er sicherte sein Gefährt im steilen Hang mit einem Windenseil, damit er sich besser bewegen konnte. Das Seil verlief dabei vertikal unter der Sesselbahn sehr nah an der Höhe der Sessel.

Seil verkeilt sich mit Sessel

Um 22 Uhr kamen die drei Sessel schliesslich talwärts. Insgesamt zehn Personen kehrten von einem Firmenausflug auf dem Fronalpstock auf den Stoos zurück. In zwei Sesseln sassen je drei Personen, in der mittleren vier. Dabei kollidierte der mittlere Sessel mit dem gespannten Windenseil. Dieses rutschte auf der linken Seite des Sessels entlang, scheuerte gegen die Gehängestange und verkeilte sich zwischen der Gehängestange und der Aufhängung des Sessels.

Die Sesselbahn fuhr weiter und zog das Windenseil talwärts mit. So wurde die Kraft immer grösser, wodurch sich schliesslich die Klemme des Sessels vom Förderseil löste. Der Sessel mit den Passagieren stürzte zehn Meter in die Tiefe.

Einer der vier Passagiere, ein 40-Jähriger, wurde dabei so schwer verletzt, dass er einige Tage später verstarb. Die anderen drei im Alter zwischen 33 und 38 Jahren erholten sich von ihren schweren Verletzungen. Die sechs weiteren Personen konnten unverletzt geborgen werden.

Fehlende Kenntnisse des Betriebskonzepts

Gemäss Sust wäre es nicht erlaubt gewesen, dass bei einem 3er-Konvoi die äusseren Sessel Passagiere befördern. Als risikoreiche Faktoren wurden zudem die fehlenden Kenntnisse des Betriebskonzeptes der Anlage seitens der technischen Leitung bemängelt. Zudem seien die Betriebsvorschriften der Anlage nicht nachgeführt worden, wenn neue behördliche Vorgaben herausgegeben worden seien. Sicherheitsempfehlungen hat die Sust keine erlassen.

Die Stoosbahnen reagierten auf die aufgedeckten internen Kommunikationslücken. Sie hätten ihre Kommunikationsprozesse und die Sicherheitschecks vor der Inbetriebnahme der Bahn überarbeitet und ergänzt, teilten sie am Mittwoch mit. Die Sicherheit für die Gäste sei vollumfänglich gegeben.

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