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Der Telebasel Talk vom 9. Juni 2021.
Basel

Initiative fordert mehr Fördergelder für Pop und Jazz

Die Initiative dürfte für Unruhe bei Klassikfans sorgen. Die IG Musik fordert, dass die Basler Fördergelder für Kultur neu verteilt werden.

Die IG Musik Basel schreibt: «Basel-Stadt sollte laut Kulturfördergesetz für ein vielfältiges Musikschaffen und -angebot sorgen. Tut es aber nicht: Von den rund zehn Millionen Franken pro Jahr gehen über neun Millionen an Institutionen. Freischaffende im Pop, Rock, Hip-Hop, Jazz und vielen weiteren Musikstilen werden mit knapp 400’000 Franken gefördert».

Die IG Basel findet diese Verteilung unfair, auch nicht mehr zeitgemäss und fordert ein «Update». Im Herbst soll die Initiative lanciert werden.

Andere Verteilung oder mehr Geld für die Kultur?

Ins Auge stechen im Jahresbericht 2019 der Abteilung Kultur BS die hohen Beiträge für die Orchester. 90 Prozent der jährlichen Fördergelder erhalten sie. Sollen sie also zugunsten der Förderung von Pop und Jazz verzichten müssen? Der Klassik soll es mit der Initiative nicht «an den Kragen gehen», zitiert die «Basellandschaftliche Zeitung» die Initianten, ohne genauer auszuführen, wie das gemeint ist. Die IG Musik fasst ihre Initiative so zusammen:

● Institutionen und freies professionelles Musikschaffen erhalten je mindestens einen Drittel des Förderbudgets. So wird die ganze Bandbreite an Musik unterstützt.

● Ein Drittel der Förderbeiträge verteilt die Kulturabteilung frei. So geht das Geld dorthin, wo es am dringendsten gebraucht wird.

● Das Förderungsbudget kann sukzessive erhöht werden, damit die Institutionen keine Kürzungen der bestehenden Subventionen erfahren.

Die Kann-Formulierung im letzten Punkt bedeutet, dass die Höhe der Beiträge für die «Institutionen» bei Annahme der Initiative zur (politischen) Debatte stünden. Betroffen wären im Wesentlichen die etablierten Orchester, die mit hohen Anteilen an gebundenen Ausgaben funktionieren und deren Qualität von einem hohen Mass an langfristiger Planungssicherheit abhängt. Mutmasslich würde (erneut) die Frage gestellt, ob Basel weiterhin ein Sinfonieorchester und eine Sinfonietta braucht. Oder ob man sie nicht auch «gestutzt» betreiben könnte.

Mehr Lady Gaga, weniger Zwölfton-Musik?

Die Initianten wollen eine stärkere Förderung «von dem, was ein Grossteil der Bevölkerung hört und liebt». Heisst das, dass der Staat nun vermehrt auch die Produktion allgegenwärtiger Mainstream-Musik im Stil von Lady Gaga fördern soll? Vielleicht eher als eine Orchester, das für ein kleineres Publikum Arnold Schönbergs Streichquartette einstudiert? Müssen die Basler Kulturförderer als «wertvoll» definieren – und finanziell unterstützen –, was sich mehr am Massengeschmack orientiert?

Die Jazzmusiker Fabian Gisler und Kaspar von Grünigen von der IG Musik Basel sprechen ab 18:45 Uhr am Mittwoch, 9. Juni 2021, im Talk über die geplante Initiative.

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