Am Montag, 14. Juni, findet der nächste Frauenstreik in der Schweiz statt. (Archivbild: Keystone)
Schweiz

Auch nach 30 Jahren gibt es 1000 Gründe für den Frauenstreik

Die Frauenbewegung in der Schweiz hat viel erreicht, ist aber lange noch nicht am Ziel. Am 14. Juni findet erneut ein Streik statt.

50 Jahre nach der Einführung des Frauenstimmrechts, 30 Jahre nach dem ersten Frauenstreik 1991 und 25 Jahre nach der Einführung des Gleichstellungsgesetzes hat die feministische Bewegung in der Schweiz viel erreicht. Doch sie sieht sich noch lange nicht am Ziel.

Frauen in der Schweiz werden sich am 14. Juni erneut mobilisieren. Zahlreiche Aktionen sind im ganzen Land geplant. Gefordert werden bessere Löhne und Altersrenten sowie genügend Kinderbetreuungsplätze und ein verstärkter Schutz vor sexueller Gewalt.

Die Pandemie hat aus Sicht der Organisatorinnen des Streiks erneut deutlich gemacht, dass die Arbeit von Frauen weder angemessen anerkannt noch korrekt entlöhnt wird. Die Frauen hätten das Land während der Pandemie am Laufen gehalten, unter erdrückenden Bedingungen und hohem Ansteckungsrisiko in der Pflege, im Verkauf oder in der Kinderbetreuung. Sie hätten während den Schulschliessungen auch die zusätzliche Care-Arbeit übernommen, und zwar unbezahlt. «Es gibt 1000 Gründe zu streiken», schreibt die Frauenstreikkoordination Bern.

Feierabend um 15.19 Uhr

Um 15.19 Uhr werden viele Frauen am 14. Juni Feierabend machen. Die Lohndiskriminierung hat seit 2019 noch zugenommen und auf einen Tag umgerechnet arbeiten die Frauen inzwischen statt ab 15.24 Uhr bereits ab 15.19 Uhr gratis.

In Zürich und Chur etwa wird laut der Webseite 14juni.ch um 15.19 Uhr eine Lärm-Aktion stattfinden unter dem Motto «Wir lassen uns nicht unter den Teppich kehren». In Bern ist ein rückwärts laufender Flashmob geplant, um auf die Rückständigkeit der Schweiz bei der Gleichstellung aufmerksam zu machen.

In Biel werden Verkäuferinnen in einer Einkaufsstrasse streiken und viel Lärm gegen die Lohnungleichheit machen. An anderen Orten gibt es feministische Picknicks. Kundgebungen finden in der ganzen Schweiz um 18 Uhr statt.

Die im Parlament diskutierte AHV-Reform, die eine Erhöhung des Frauenrentenalters von 64 auf 65 Jahre vorsieht, wird am 14. Juni bekämpft werden. «Die Frauenrenten sind heute in der Schweiz immer noch ein Drittel tiefer als jene der Männer», stellt Gabriela Medici, SGB-Zentralsekretärin für Sozialversicherungen, in einem Video auf der Webseite 14juni.ch fest.

Bei der AHV sei die Rentensituation zwischen den Männern und Frauen ausgeglichen, da auch Erziehungs-​ und Betreuungszeiten rentenbildend sind. Aber die Renten seien sehr tief. Bei den Pensionskassen gebe es aber grosse Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Unter dem Strich bleibt eine Rentendifferenz von einem Drittel. Thema der Mobilisierung ist auch sexuelle und sexistische Gewalt, vor allem mit Blick auf die gegenwärtige Revision des Strafrechts.

30. Jahrestag

30 Jahre sind es her seit dem ersten Frauenstreik in der Schweiz. Die Idee dazu hatten damals Arbeiterinnen in der Uhrenindustrie im waadtländischen Vallée du Joux. Sie ärgerten sich darüber, dass sie weniger als die Männer verdienten.

Eine der Initiantinnen der Bewegung, Liliane Valceschini, kontaktierte damals die Gewerkschafterin und spätere SP-Präsidentin Christiane Brunner. Die Genferin überzeugte den Schweizerischen Gewerkschaftsbund SGB, einen nationalen Streik zu lancieren. Dieser hatte ein beträchtliches Echo, 500’000 Frauen beteiligten sich am 14. Juni 1991 an dem Streik.

In den Jahren darauf gab es weitere Mobilisierungen und schliesslich einen erneuten Frauenstreik am 14. Juni 2019, an dem wieder Hunderttausende auf die Strasse gingen. 2020 war die Beteiligung aufgrund der Corona-Krise etwas geringer.

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