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Der Telebasel News-Beitrag vom 7. Juni 2021.
Region

So will die Handelskammer die digitale Medizin vorantreiben

Die Schweiz hinkt bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens im internationalen Vergleich hinterher. Die Handelskammer beider Basel will das ändern.

Jeder dritte Franken in der Region Basel wird im Bereich Life Sciences verdient. Die Forschung braucht zwingend Daten, um neue Medikamente und Therapien zu entwickeln. Die Daten seien zwar vorhanden, könnten aber nicht genutzt werden, weil sie zum Beispiel kein einheitliches Format haben.

Das soll geändert werden, sagt René Buholzer vom Pharmadachverband Interpharma: «Meine Vision wäre nicht eine grosse Datenbank, sondern, dass wir individuell strukturierte Datensätze haben, die wir dann untereinander austauschen können. Damit das möglich ist, müssen wir alle die gleiche Sprache sprechen, wir müssen also die Kodifizierung und Kategorisierung gleich machen, damit wir die austauschen können. Das wäre das Ziel einer solchen Dateninfrastruktur».

Man stehe auch mit anderen Staaten, die bei der Auswertung und in der Nutzbarmachung von grossen Datenmengen im Austausch bereits mehr Erfahrung haben und man organisiere zum Beispiel Studienreisen, um vom bereits vorhandenen Know-How zu profitieren.

Datenschutz und «Kantönligeist»

Dem Datenschutz wird in der Schweiz traditionell ein hoher Stellenwert beigemessen, insbesondere bei Gesundheitsdaten. Ist die Angst vor dem gläsernen Patienten berechtigt? «Nein», sagt Jürg Erismann von Roche. «Wir haben als Pharmaunternehmen auch Erfahrung über klinische Studien, bei denen ja auch mit Patientendaten gearbeitet wird. Und ich denke, da gibt es sicher auch Wege, das auf eine breitere Basis auszuweiten.» Dazu komme, dass die Pharmaindustrie meist an statistischen Daten interessiert sei, also an anonymisierten Datensätzen und nicht individualisierten.

In der Schweiz liegt die Gesundheitsversorgung in der Kompetenz der Kantone. Das heisst, die Schweiz hat nicht ein Gesundheitssystem sondern deren 26. Diese fragmentierte Gesundheitslandschaft führt zu nicht kombinierbaren Datensätzen.

Standesinitiative beider Basel kommt in die Parlamente

Die Handelskammer beider Basel will, dass der Bund den Lead übernimmt. Konkret heisst das: Eine einheitliche Dateninfrastruktur, eine einheitliche Datenerfassung und einheitliche Bestimmungen zum Datenschutz. Das seien die Voraussetzungen für einen weiterhin florierenden Life Sciences-Standort in der Region, so  Handelskammerdirektor Martin Dätwyler. «Dann können wir etwas Gutes tun für unser Land, dann bleiben wir wettbewerbsfähig und dann ist unser Standort, der Life Sciences-Cluster Basel, weiterhin attraktiv.»

Darum wird diese Woche im Grossen Rat und im Landrat über eine Standesinitiative diskutiert. Mit dieser würden die beiden Basel in Bundesbern verlangen, die Digitalisierung im Gesundheitswesen voranzutreiben und zu vereinheitlichen.

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