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Der Telebasel News-Beitrag vom 6. Juni 2021.
Basel

Film über Malaria-Bekämpfung kritisiert auch Novartis

Der Dokumentarfilm «Das Fieber» kritisiert die Malaria-Bekämpfung in Afrika. Statt in teuren Medikamenten aus dem Norden liege die Lösung in einer Heilpflanze.

«Das Fieber» der österreichischen Regisseurin Katharina Weingartner feierte am 4. Juni 2021 im kult.kino Basel Premiere. International wurde der Film bereits in anderen Städten gezeigt. Am Freitag waren die Regisseurin und die Protagonistin des Films, die Heilpraktikerin Rehema Namyalo aus Uganda, in Basel anwesend.

Der Film ist stark umstritten. Er kritisiert nicht nur die WHO und die Bill & Melinda Gates-Stiftung, sondern auch Pharmakonzerne, z.B. die Novartis.

Kostengünstige Malaria-Prophylaxe

Im Zentrum des Films steht die Heilpflanze Artemisia (einjähriger Beifuss). Als Tee verabreicht, sei sie eine kostengünstige Malaria-Prophylaxe und bekämpfe Malaria wirksam. «Das Spezielle an Artemisia ist, dass es 240 Heilmittelkomponenten enthält. Ich habe mit der Pflanze schon viele Menschenleben gerettet», erzählt die Heilpraktikerin Rehema Namyalo. Der grosse Vorteil der Pflanze sei, dass sie jede Familie selbst anpflanzen könne. Auch Katharina Weingartner ist von der Heilkraft der Pflanze überzeugt. Sie verwendete Artemisia während der Dreharbeiten in Afrika als Prophylaxe.

Anderer Meinung ist Novartis, die selbst ein Malaria-Kombinationspräparat herstellt, das einen Artemisia-Wirkstoff enthält. Artemisia habe als Tee keine Wirkung: «Die WHO kam zum Schluss, dass sie die Förderung oder Verwendung von Artemisia-Pflanzenmaterial in jeglicher Form zur Prävention oder Behandlung von Malaria nicht unterstützt», schreibt Novartis auf Anfrage. Auch Christian Lengeler, Epidemiologe am Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut, sagt: «Die Pflanze zeigt zwar bis zu einem gewissen Punkt Wirkung, diese ist aber schwer voraussehbar. Es wäre deshalb fahrlässig, ein schwerkrankes Kind damit zu behandeln», so Lengeler.

Novartis, Bill Gates und WHO ernten Kritik

Für Regisseurin Katharina Weingartner ist klar, dass das ganze System nicht stimmt: «Es werden immer noch Profite im globalen Norden gemacht. Dies auf Kosten von Menschen, die im globalen Süden sterben». Sie äussert sich gegenüber der Pharma-Stadt Basel kritisch: «Für mich ist die Stadt Basel ein bisschen sowas wie das Herz der Finsternis, das eigentlich immer in Afrika gesucht wird. Aber ich glaube, die eigentliche Finsternis herrscht hier».

Im Film werden die WHO, Pharma-Unternehmen und die Bill & Melinda Gates-Stiftung kritisiert. Die Kritisierten kommen aber nicht zu Wort. «Wir haben alle Zuständigen interviewt. Ich habe mit über 150 Malaria-ForscherInnen auf der ganzen Welt Interviews gemacht», so die Regisseurin. Der Entscheid, die Kritisierten nicht zu Wort kommen zu lassen, sei erst im Schneideraum gefällt worden: «Wir haben uns entschlossen, diesmal nur den ostafrikanischen ExpertInnen Platz zu lassen. Es war allerdings ein Entscheid, der nicht gut angekommen ist», sagt Katharina Weingartner im Interview.

Swiss TPH nennt Einseitigkeit «wirklich skandalös!»

Für den Epidemiologen Christian Lengeler geht die Einseitigkeit des Films zu weit. Seit dem Jahr 2000 habe es enorme Anstrengungen in der Malaria-Bekämpfung gegeben: «Das Resultat davon ist, dass wir 7,6 Millionen Malaria-Todesfälle und 1,5 Milliarden Malaria-Fälle verhindert haben. Zu sagen, dass nichts läuft, ist wirklich skandalös», so Lengeler gegenüber Telebasel.

Auch bei Novartis betont man die weltweiten und eigenen Anstrengungen im Kampf gegen Malaria: «Bis heute hat Novartis 1 Milliarde Malaria-Behandlungen bereitgestellt, darunter 430 Millionen pädiatrische Behandlungen, und damit zu einem deutlichen Rückgang der Todesfälle durch Malaria beigetragen. Im Jahr 2018 kündigte Novartis zudem an, mehr als 100 Millionen US-Dollar in die Entwicklung und Erforschung neuer Therapien zu investieren», schreibt der Pharmakonzern auf Anfrage.

Film soll zum Nachdenken anregen

Malaria gehört zu den am häufigsten vorkommenden Infektionskrankheiten der Welt. Der Krankheit, die durch Mücken übertragen wird, fallen in Afrika pro Jahr immer noch über 400’000 Menschen zum Opfer, darunter viele Kinder. Regisseurin Weingartner wünscht sich, dass der Film zum Nachdenken und Diskutieren anregt. Gerade auch in der Pharma-Stadt Basel.

Wann und wie der Film in nächster Zeit in der Schweiz gezeigt wird, ist noch offen. Die Corona-Krise hat auch hier die Planung erschwert.

3 Kommentare

  1. Schauen Sie doch mal unter «Coartem» nach und sehen Sie was Novartis zu Selbstkosten alles gegen Malaria macht.
    von wegen «Herz der Finsternis»Report

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