Der damalige Nati-Trainer Rolf Fringer (links) und Spieler Ciriaco Sforza. (Foto: Key)
International

Die historische Schweizer Niederlage in Baku vor 25 Jahren

Am Montag reiste die Schweizer Nationalmannschaft an die EM-Endrunde nach Baku. In die Stadt am Kaspischen Meer ging es vor 25 Jahren schon einmal.

1996 stand der Start in die WM-Qualifikation für die Endrunde in Frankreich auf dem Programm, es war das Debüt von Rolf Fringer als Nationalcoach – und die Schweiz verlor gegen den krassen Aussenseiter Aserbaidschan blamabel 0:1. Noch heute erinnern sich die mitgereisten Journalisten nicht ohne Schadenfreude an die Tage in Baku.

Schadenfreude? Nach einer Niederlage des Schweizer Nationalteams? Ja, zum Beispiel deshalb: Nach der peinlichen Niederlage verhielten sich nicht alle Spieler professionell. Sie verabschiedeten sich lieber durch den Hinterausgang des Stadions, anstatt den lange auf sie wartenden Journalisten Red und Antwort zu stehen.

Mühsame Reise

In Erinnerung blieb aber nicht nur das Spiel, sondern die ganze Reise. Damals, im September 1996, war es noch üblich, dass Mannschaft, Funktionäre, Journalisten und Fans zusammen im gleichen Flugzeug an den Spielort reisten. Erst recht, wenn sich dieser in einem Land befand, das mit Linienflügen nur sehr mühsam und zeitaufwändig erreichbar war. So flog die gesamte Schweizer Reisegruppe mit einer geleasten Chartermaschine ans Kaspische Meer und logierte in Baku auch gemeinsam im einzigen Hotel der Stadt, das derart viele Gäste aufnehmen konnte.

Weil auch die sanitären Anlagen im Stadion nicht den Ansprüchen der Mannschaft entsprachen, zogen sich die Spieler gleich im Hotel für das Training und das Spiel um und kehrten unmittelbar danach zum Duschen wieder ins Hotel zurück. Notabene begleitet von mehreren Polizeifahrzeugen mit Blaulicht und Sirenen, welche die Strassen frei räumten. Weil die Mannschaft von Aserbaidschan von diesen verwöhnten und luxuriösen Gepflogenheiten Kenntnis erhalten hatte, war für sie danach der Sieg auf dem Rasen umso süsser.

Ungewöhnliche Strafe

Für die Schweizer Auswahl sollte es tags darauf neben der Häme in den Medien bei der Rückreise noch eine weitere, ungewöhnliche Strafe absetzen. Vorgesehen war, dass die Mannschaft mit dem Staff in einem separaten Bus zum Flughafen gefahren wird, die Journalisten und die mitgereisten Fans in einem zweiten Bus. Die Mannschaft sollte dabei – eskortiert durch die Polizei – ohne grosse Formalitäten direkt auf das Rollfeld gefahren werden.

Doch bei der Instruktion von Polizei und Fahrer musste etwas schiefgelaufen sein: Statt des Teams wurden die Journalisten direkt vor den wartenden Privatjet gebracht, während die Mannschaft vor dem Flughafengebäude ausgeladen wurde. Die Spieler mussten so eine langwierige Gepäckaufgabe, akribische Zollformalitäten und das Check-In über sich ergehen lassen. Die Journalisten dagegen wurden im Flugzeug bereits mit Getränken und Snacks bedient und genossen den unfreiwilligen Rollentausch in vollen Zügen.

Die Schadenfreude auf Seite der Journalisten und Fans sowie das Stutzen und ungläubige Staunen der Spieler beim Betreten des Flugzeuges waren entsprechend riesig. Nicht verwunderlich war, dass die Spieler nach diesem bitteren Moment weiterhin nicht bereit waren, mit den Journalisten über die Niederlage zu reden.

Der Autor René Baumann arbeitete von 1996 bis 2012 für die Schweizer Nachrichtenagentur «Sportinformation» als Fussball-Redaktor und war damals in Baku als Reporter im Einsatz.

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