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Der Telebasel News Beitrag vom 5. Juni 2021.
Basel

Studentinnen fordern sicheren Heimweg

Mit einem Projekt wollen zwei Studentinnen auf die Ängste von Frauen beim Heimweg aufmerksam machen. Mit «Raum für Alle» soll eine Debatte angestossen werden.

Man hört Schritte und sanfte Klaviertöne. Dann sagt Rebecca Bucher: «So spät in der Nacht bin ich ehrlich gesagt selten alleine Unterwegs.» Wenn, dann nur mit KollegInnen, am liebsten aber mit dem Fahrrad. Dann ist man weniger exponiert. Rebecca Bucher ist eine von fünf Frauen, die im Projekt «Raum für Alle» zu Wort kommt. Zur Motivation, um an dem Projekt teilzunehmen, sagt Rebecca Bucher: «Es kommt zu vielen Vorfällen von sexueller Belästigung in Basel, aber diese bekommen zum Teil gar nicht die Aufmerksamkeit, die solche Vorfälle eigentlich verdienen.»

Aufmerksam für die Problematik schaffen, ist das Ziel von Annick Senn und Larissa Bucher, die das Projekt ins Leben riefen. Im Rahmen einer Studium-Projektarbeit entstand die Idee. Mit fünf Frauen machten die beiden Initiantinnen nächtliche Rundgänge und dokumentierten die Gedanken der Frauen. Herausgekommen sind fünf Audiostücke, die bis zu zehn Minuten dauern. Dazu gibt es eine Karte der Strecke. Die Idee: Interessierte Personen können in Echtzeit mit den Audioaufnahmen mit spazieren. Dabei bekommen die ZuhörerInnen Einblicke in die Ängste, die die Frauen beim gehen nachts in Basel haben. Ausserdem werden Plakate aufgehängt.

Mit Plakaten Aufmerksamkeit erzeugen

«Die Plakate hängen an den Routen, wo die Frauen durchgegangen sind und für uns ihre Gedanken festgehalten haben», sagt Senn. Larissa Bucher fügt an: «Ich denke, es muss mehr den Leuten klar werden, dass das weiterhin ein Problem ist.» Zu oft würden die Ängste von Frauen und Minderheiten nicht ernstgenommen. Larissa Bucher: «Oft wird es verharmlost, oder als normal angeschaut, dass man solche Ängste, etwa auf dem Nachhauseweg, hat.» Doch das könne nicht sein.

Eine Umfrage von 2019 der Nichtregierungsorganisation Amnesty International gibt den beiden Frauen Recht. 4500 Frauen wurden befragt. Das Ergebniss lässt den Schluss zu, dass die Dunkelziffer von sexueller Gewalt an Frauen in der Schweiz hoch ist. Mindestens jede fünfte Frau ab 16 Jahren in der Schweiz hat schon ungewollte sexuelle Handlungen erlebt. Mehr als jede zehnte Frau hatte Sex gegen ihren Willen.

Mit dem Projekt wollen Senn und Bucher die Debatte anstossen – und dafür sorgen, dass nicht die Frauen für Übergriffe verantwortlich gemacht werden. Sondern, dass etwa Männer über ihr Verhalten auf der Strasse in der Nacht nachdenken. 

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