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Der Telebasel News-Beitrag vom 4. Juni 2021.
Basel

Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Covid-Impfung bei Schwangeren

Eine Covid-19-Impfung von Schwangeren ist ab der 12. Schwangerschaftswoche möglich. Christoph Berger, Oberarzt am Unispital erklärt, weshalb.

Nachdem das BAG anfänglich schwangere Frauen von der Impfung gegen Covid-19 ausgeschlossen hat und dann ausschliesslich Höchstrisiko-Schwangere zugelassen hat, wird seit dem 14. April 2021 einem erweiterten Kreis von Schwangeren die Möglichkeit gegeben, sich ab der 12. Schwangerschaftswoche impfen zu lassen.

In den USA sind bisher fast 100’000 schwangere Frauen mit den Impfstoffen gegen SARS-CoV-2 geimpft worden, ohne dass es Hinweise auf unerwartete Nebenwirkungen auf Mutter und Kind gab. Allerdings gibt es bisher noch keine klinischen Studiendaten zur Sicherheit der Impfung bei Schwangeren.

Telebasel traf Christoph Berger, Oberarzt am Universitätsspital Basel, zum Interview.

Telebasel: Gynäkologen rufen momentan die Schwangeren dazu auf, sich impfen zu lassen. Wieso ist dies im Falle einer Schwangerschaft empfohlen, aber bei Kindern bis 12 Jahren nicht?

Christoph Berger: In einer Schwangerschaft ist es empfohlen, weil man bis jetzt weiss, dass bei Schwangeren, insbesondere wenn sie Vorerkrankungen haben, also wenn sie Bluthochdruck, Übergewicht oder andere Erkrankungen haben,  einen schwereren Verlauf haben können, und dass das so enden kann, dass sie auf einer Intensivstation landen.  Das hat wiederum einen Einfluss auf die Schwangerschaft. Dass die Schwangerschaft gefährdet werden kann und die ungeborenen Kinder wiederum darunter leiden können. Darum ist die Überlegung: Wenn Schwangere geimpft werden, verhindert man schwere Verläufe. Man hat also ein kleineres Risiko, wenn Schwangere geimpft sind.

Wie kann es sein, dass ein Ungeborene mitgeimpft werden, bei 12-Jährigen aber noch gezögert wird und es für sie noch keine Zulassung gibt?

Wenn man jemand schwangeres impft, dann produziert die schwangere Person Antikörper. Das ist eine aktive Leistung des Immunsystems. Die Antikörper, die produziert werden, schwimmen für eine gewisse Zeit im Blut der schwangeren Frau und können auf das ungeborene Kind übertragen werden. Das ist ein Transfer über die Plazenta, über den Blutaustausch. Das führt dazu, dass das Kind, wenn es zur Welt kommt, immer noch Antikörper der Mutter hat und während eines schweren Verlaufs mitgeschützt ist. Diese Antikörper nehmen danach ab. Das Kind ist in diesem Sinne nicht geimpft, so dass es selber Antikörper produzieren kann, aber es ist vorübergehend geschützt. Das nennt man Nestschutz. Das machen wir schon lange bei anderen Impfungen und verfolgen das Ziel, das ungereifte Immunsystem des Kindes quasi zu ersetzen. Bei Kindern, also unter 12-Jährigen, gibt es sehr selten einen schweren Verlauf bei einer Covid-Erkrankung, und wenn man die impfen will, was man natürlich irgendwann wollen wird, dann braucht es auch Daten, dass die Impfung wirklich sicher ist. Das sind Studien, die gerade erst laufen. Bis jetzt hatten wir erst Zulassungsstudien für Kinder bis 16 Jahre und jetzt gab es auch eine Studie für solche bis 12 Jahre. Nun braucht es weitere Studien für Kinder unter 12, die beweisen, dass die Impfung sicher ist und auch funktioniert. Erst dann macht es Sinn, Kinder zu impfen. 

Durch den Nestschutz ist ein Kind nicht gleich geschützt, wie die Mutter?

Es ist nicht die Impfung, die übertragen wird, sondern die Antikörper, welche die Mutter produziert hat. Das Kind ist so lange geschützt, wie die Antikörper im Blut sind. Wie gut das funktioniert, weiss man noch nicht. Da gibt es zu wenig Studien dazu, weil es auch zu wenig Fälle gibt. Gerade bei den Neugeborenen. Das gibt es selten, aber es gibt ganz wenig ganz kleine Kinder, die schwer an Covid erkranken.

Wenn eine Frau noch nicht schwanger ist, es aber gerne demnächst werden möchte – wann empfiehlt sich eine Impfung?

Wenn man sich impfen lassen möchte, ist es sicher sinnvoll, wenn man sich schon vor der Schwangerschaft darum kümmert, dass man geimpft ist, dass man geschützt ist, weil man so auch Antikörper während der Schwangerschaft hat, die dann auch weitergegeben werden. Der Prozess geschieht genau gleich, wie wenn man sich während der Schwangerschaft impft. Aber je mehr Antikörper man hat, desto mehr gehen zum Kind und deswegen ist es während der Schwangerschaft besser geschützt. Einen genauen Zeitpunkt zu bestimmen ist schwer, aber ich würde sagen: Wenn man sich schützen möchte, sollte man das so früh wie möglich tun, wenn man bereits eine Schwangerschaft plant. Dann würde ich mich jetzt für eine Impfung anmelden und warten, bis ich einen Termin bekomme.

Sehen Sie hier das ganze Interview mit Christoph Berger. (Video: Telebasel)

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