In der Manor Greifengasse war am Montag eine Testkäuferin im Einsatz. (Bild: Keystone)
Schweiz

Manor lässt Angestellte mit Testkäufen kontrollieren

Die Manor setzt TestkäuferInnen zur Überprüfung ihrer Angestellten ein. Die Datenschutzbeauftragten vom Bund schätzen das Vorgehen als bedenklich ein.

Am Montag, 31. Mai 2021, hat die Manor in ihren Filialen mehrere TestkäuferInnen eingesetzt. Sogenannte «Mistery Shopper» sollten überprüfen, ob sie beim Einkauf nach der Kundenkarte gefragt werden. Die TestkäuferInnen sind über die App «Spotr» rekrutiert worden. Rund 600’000 Menschen erledigen über die App Aufträge wie diese. Ein «Bajour»-Journalist hat sich als «Mistery Shopper» probiert und den Einsatz geschildert.

In der Manor-Filiale Greifengasse sollte der «Mistery Shopper» zwei Artikel für je maximal 5 Franken einkaufen. Die zwei Produkte mussten auf unterschiedlichen Ebenen bezahlt werden, sodass zwei verschiedene Kassen getestet werden. Dabei sollte der Testkäufer darauf achten, ob man ihn nach seiner Manor-Kundenkarte fragt. Bei beiden Käufen sei er zwar freundlich bedient, nicht aber nach der Kundenkarte gefragt worden, so der «Bajour»-Journalist. Das Ergebnis wird in der App angegeben. Dafür werden auch die Quittungen gescannt.

Leistungsüberwachung der Manor «unverhältnismässig»

Bei den Testkäufen handele es sich um eine «zulässige und im Detailhandel übliche Form der Leistungsüberprüfung», sagt Manor-Sprecherin Sofia Conraths gegenüber «Bajour». Die Informationen bei den Testkäufen würden nicht personenbezogen erhoben oder verarbeitet.

Die TeamleiterInnen seien laut der Medienstelle über die Testkäufe informiert worden. Die VerkäuferInnen jedoch nicht. Das kritisiert die Sprecherin beim eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten, Silvia Böhlen. Nach Artikel 26 des Arbeitsrechts seien Verhaltensüberwachungen am Arbeitsplatz verboten. «Es liegt sehr wahrscheinlich eine unverhältnismässige Datenbearbeitung vor», sagt Silvia Böhlen gegenüber «Bajour». Leistungskontrollen müssten verhältnismässig sein, um zulässig zu sein. Ausserdem müssen die Angestellten im Voraus über die Leistungskontrollen informiert werden. Auch wenn die Daten nicht personenbezogen verarbeitet werden, handle es sich um «eine Personendatenbearbeitung im Sinne des Datenschutzgesetzes», so Böhlen weiter.

Die Manor dementiert die Kritik: Die Mitarbeitenden würden von der Promotion der Manor-Kundenkarte profitieren. Denn mit ihr werde die Frequenz und Bindung der KundInnen gestärkt. Die Manor plant, die Formen des «Mistery Shoppings» in Zukunft weiterhin zu nutzen.

18 Kommentare

  1. Solche Kontrollen werden schon seit Ewigkeiten in jeglichen Betrieben durchgeführt. Egal, ob in der Gastronomie, Detailhandel oder Sonsiges. Warum sie nur bei Manor solch einen Einspruch erheben, kann ich überhaupt nicht verstehen. Es gibt mittlerweile so viele Angebote, egal ob es interne oder externe Kontrollen sind.Report

  2. Wo Problem? Ich arbeitete einige Zeit im Verkauf und behandelte alle Leute gleich freundlich ob die jetzt für zwei oder zweihundert Franken einkauften, also hätte ich von einem Misteryshopper nie was zu befürchten gehabt.Report

  3. An Martha Dakhaloui ich hoffe für sie das sie nicht im Verkauf arbeiten sondg wüssten Sie was man sich als Verkäuferin alles gefallen lassen muss. Wir sind keine prellböcke für frustrierte Kunden.Report

  4. Der Kunde ist Kunde und nicht König. Er bekommt Ware gegen Geld. Ich als Verkäuferin mache doch nicht den Bückling, bin ich Sklave oder was? Freundlich soll auch der Kunde sein und anständig. Das bin ich als Verkäuferin selbstverständlich. Aber auch direkt, wenn sich jemand daneben benimmt. Das gilt natürlich auch für die Chefs. Da mangelt es oft sehr!Report

  5. Das ist dich nicht neu und überhaupt nicht schlimm. Das ist doch ein wunderbares Kontrollinstrument. Nur so kann man sich verbessern.
    Andere Unternehmen machen das schon lange. Fielmann etc.
    Das hat mit Datenschutz nichts zu tun.Report

  6. Das gibt es schon immer. Seit längeren werden die Kunden extrem frech und unhöflich, klauen und betrügen.
    Hallo, Kassiererinen sind das Fussvolk in der Gesellschaft und werden so behandelt. Wehe du funktioniert nicht wie der Kunde es wünscht. Du bekommst als Kassierin kein Lohn..nein Schmerzensgeld für die ständigen respektlosen Wortverbalen Vorwürfen welche grenzwertig sindReport

  7. Warum so ein Aufstand. 1. machen das viele andere grossen Detailhändler auch und 2. sollte vielleicht jeder Kunde sich mal über sein eigenes Verhalten in einem Verkaufsgeschäft Gedanken machen. Bezeichnungen wie voll Mongo, idiot usw müssen sich Verkäufer anhören / gefallen lassen! Solche Dinge beschäftigen mich viel mehr!Report

  8. Ich als ehmaliger Mitarbeiter sehe dies so:
    In den letzten Jahren wurde immer wieder Personal abgebaut. Immer und immer wieder (20Minuten berichtete). Das Verhältnis stimmt nicht mehr. Die Verkäufer müssen immer mehr Arbeiten im Hintergrund oder auf der Fläche (Umbau) erledigen. Dazu kommt, dass die Mitarbeiter von einer 41 Std Woche jetzt ohne Lohnerhöhung wohlverstanden eine 42 Std Woche leisten.
    Ich denke, was sehr gut tun würde für die Mitarbeiter wenn die Firma Manor entlich erwachen würde und wieder einen oder mehrere Plus Punkte schafft für die Verkäufer. Vorallem müsste die Manor entlich Ihre Öffnungszeiten anpassen. Jeden Tag bis 20:00 Uhr offen zu haben kann nicht rentabel sein.
    Natürlich muss Manor (Geschäftsleitung) auch aus seinen negativ Schlagzeilen kommen oder zumindest nicht neue schaffen!Report

  9. Diese Testeinkäufe werden schon lange unter anderem auch von Coop und Jumbo getätigt. (Mistery-Shoper) Dies wird dann ausgewertet und mit Punkte versehen. Damit wollen die Grosshändler herausfinden, ob und wie das Personal, die vorgegebenen Richtlinien für die Kundenbetreuung richtig einsetzen. Werden Zusatzverkäufe gemacht, wird richtig begrüsst, wird der Kunde wahr genommen usw. Wenn die Punkte zu tief liegen, gibt es ein MA Gespräch. Bei gutem Resultat nicht mal ein feuchter Händedruck.Report

  10. Es wird immer wie mehr…. 1 Stunde mehr Arbeitszeit pro Woche, von Privat auf Standart versichert, vorgaben für Kundenkarten. Falls man keine Kundenkarten macht wird man verwarnt uswReport

  11. Bei solchem Gebaren und dem kleinen Gehalt der KassierInnen wäre ich auch ab und mürrisch und unhöflich.
    Sicher tragen solche Machenschaften nicht zu einem guten Klima zwischen Geschäftsleitung und Angestellten bei. Aber das interessiert ja das Kader nicht wenn nur der Rubel rollt.Report

  12. Das sind jetzt aber keine wirklichen «News». Gibt es schon seit Jahren.

    In fast allen Unternehmungen werden *Controllings» durchgeführt. Auf die eine oder andere Art.

    Im Detailhandel können diese «am Besten nur» im direkten Verkauf gemessen werden,

    Abgesehen von «Umsatzzahlen».

    Umsatz muss aber nicht zwingend auch gute Beratung bedeuten.Report

  13. Das ist überhaupt nix neues, das machen viele Geschäfte…. Ich habe in Globus gearbeitet ist ganz normal… dann Autogaragen auch fast alle…Report

  14. Richtig so. In die letzte Zeit sind Verkäufer und Verkäuferinnen öfters unhöflich, die Kunde ist alles andere als König. Und Kontrolle sind dafür da, unangemeldet zu machen.Report

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