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Der Telebasel News Beitrag vom 28. Mai 2021.
Basel

Lehrbetriebe fürchten negative Folgen des Mindestlohns

Über den Mindestlohn stimmt Basel am 13. Juni ab. Ausbildungsbetriebe fürchten aber, dass eine Lehre so für viele unattraktiv werden würde.

Zwanzig Berufsbildnerinnen, Berufsbildner und Lehrbetriebe habe gemeinsam einen offenen Brief veröffentlicht. Darin formulieren sie ihre Befürchtung, dass ein staatlicher Mindestlohn zu falschen Anreizen für junge Menschen führen könnte.

Gegenüber Telebasel präzisiert Philipp Henz, Geschäftsführer der Heinrich Schmid AG, dass sie schon heute Mühe hätten, genügend Lehrlinge zu finden. Und da der Lohn während der Lehre relativ tief sei, führe ein Mindestlohn, der auch für ungelernte Hilfsarbeiter bezahlt werden muss dazu, dass es für gewisse Jugendliche schwieriger werde, sich für die Lehre zu entscheiden. Dies treffe insbesondere auf Personen aus sozial schwächeren Schichten zu: «Wenn man ihnen nun noch die Instrumente gibt, mit denen sie fast 4000 Franken Lohn kriegen, denke ich nicht, dass sie eine Lehre machen.»

Lohn liesse sich in der Ausbildung nicht erhöhen

Um dies auszugleichen, könne man nicht einfach die Löhne der Lernenden erhöhen. Denn der Aufwand für die Ausbildung sei hoch. Philipp Henz sagt, die Auszubildenden hätten länger und bräuchten manchmal mehrere Anläufe, um ihre Arbeiten auszuführen. Zudem müssten sie jeweils eingeschult und kontrolliert werden.

Die Gewerkschaft Unia sei jedoch anderer Meinung, wie die Sprecherin Daria Frick auf Anfrage schreibt. Der Mindestlohn reiche «gerade so zum Leben in der Stadt-Basel, davon macht noch niemand grosse Sprünge.» Wer mehr verdienen wolle, komme nicht darum herum, eine Ausbildung zu machen.

Dass eine Ausbildung klare Vorteile hat, das sieht auch Martina Stäger, Chefexpertin der Floristen, so. Jedoch sei das Bewusstsein dafür bei vielen jungen Menschen noch nicht ausgebildet. Ein weiteres Problem sei, dass der Lohn im ersten Jahr nach der Lehre in diesem Beruf nicht immer schon über 4000 Franken liege. Daher würden sich einige Betriebe überlegen, keine direkten Lehrabgänger mehr einzustellen. Die Firmen würden zu diesem Lohn lieber Leute mit mehr Erfahrung einstellen.

Am 13. Juni wird in Basel-Stadt über die Einführung eines kantonalen Mindestlohnes abgestimmt.

2 Kommentare

  1. «Philipp Henz sagt, die Auszubildenden hätten länger und bräuchten manchmal mehrere Anläufe, um ihre Arbeiten auszuführen»
    Dann brauchen die Lehrlinge halt 5-10 minuten länger für einige Tätigkeiten, ich kenne Lehrlinge die bereits im 2 Lehrjahr mehr leisten als fest-Mitarbeiter, finde ich nicht gerechtfertigt wenn man hier sagt es würde ein «Mehraufwand» bestehen, viele Betriebe nehmen sich teilweise nicht mehr die Zeit für Lehrlinge. Die Realität sieht nämlich so aus: «Person X meldet sich Krank bei der Arbeit. Hey Lehrling heute leider kein Lerntag wir haben eine Krankmeldung.» Teilweise werden gute Lehrlinge auch aufs Maximum ausgenutzt. Zum Mindestlohn: Es hat nicht jeder das Privileg eine Ausbildung zu geniessen, die Anpassung Ausländischer Ausbildungen ist hier in der Schweiz eine Katastrophe, habe ich am eigenen Leib erfahren.
    Für manche Menschen ist es Ihre einzige Einnahmequelle, deswegen befürworte ich einen Mindestlohn von 23 Chf.Report

  2. Es sind nicht nur die die Betriebe mit Lehrstellen wo Probleme haben werden auch gibt es keine Praktikums mehr.
    Alle die im Beruf umsteigen wollen können mit einem Praktikum (tieferen Lohn) sich für Firmen attraktiv machen und so sich neues Knowhow aneignen. So bleibt jeder immer nur das stehen was er genau gelernt hat. Oder muss eine teure Weiterer Ausbildung machen.
    Das Arbeitslosenamt hat ja so ein Migros Verkäufer Programm für ein halbes Jahr und die sagen ja selber es würde sich für Migros nicht rentieren. Bei einem Praktikum ist es auch mal wichtig Arbeiten zumachen die nicht direkt was mit gelernten zutun hat und dafür einfach mehr zeit braucht. Darum der tiefere Lohn auf Zeit.Report

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