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Der Telebasel News Beitrag vom 17. Mai 2021.
Basel

Anti-Israel-Demos: Historiker warnt vor Vereinfachungen

Der Nahostkonflikt sorgt bei der Israelitischen Gemeinde für Verunsicherung. Ein Basler Historiker kritisiert dabei die kursierenden Demo-Aufrufe.

Freitagabend: Eine Gruppe mit Palästina-Flaggen und Transparenten auf dem Barfi. Plötzlich tritt ein einzelner Gegendemonstrant vor die Barfüsserkirche. Er schwenkt eine Israelflagge. Sogleich schreiten ein paar junge Männer auf ihn zu. Sie beschimpfen ihn. Er mache ihn «kaputt», wenn er sich nicht verziehe, droht ihm einer. Schliesslich macht der Israel-Sympathisant kehrt. Er sagt im Anschluss, er sei Mitglied der EDU. Eine ähnliche Szene spielte sich auch an der nächsten unbewilligten Demo am Samstag ab. Eine Gruppe von Demonstranten verfolgt eine Frau mit Israel-Fahne. «Am Rande der Kundgebung hat die Polizei eine Situation deeskaliert, ausgelöst durch eine Person in einer schwierigen Lebenssituation», sagt Polizeisprecher Martin Schütz. Ansonsten sei es an beiden Demos zu keinen nennenswerten Vorkommnissen gekommen.

Entwarnung bei der Synagoge am Samstag

Erneut Unruhe am Samstagabend: Das Sicherheitspersonal der Synagoge an der Leimenstrasse wird auf zwei Personen aufmerksam. Die Polizei rückt aus und kontrolliert die beiden. «Aus dieser Kontrolle haben sich keine weiteren polizeilichen Handlungen und wir konnten die beiden Personen aus der Kontrolle entlassen», bestätigt Martin Schütz. Auch wenn es bei der Synagoge zu einer Entwarnung kam und Handgreiflichkeiten an den Demos knapp vermieden werden konnten: Der Nahostkonflikt sorgt auch in Basel für Verunsicherung. So riet etwa die Israelitische Gemeinde Basel (IGB) ihren Mitgliedern, wegen der Demos einen Bogen um den Barfüsserplatz zu machen. Da am Montag der jüdische Feiertag Schawuot ansteht, war der IGB-Vorstand nicht erreichbar für weitere Erläuterungen dazu.

Situationen wie in Gelsenkirchen vermeiden

Mit Sorge betrachtet Erik Petry die derzeitige Entwicklung. Der Historiker am Zentrum für Jüdische Studien der Uni Basel, kritisiert dabei die Demoaufrufe, die letzte Woche im Internet zirkulierten. Wie er betont, sei es zwar das gute Recht der Demonstrierenden, wegen des Nahostkonflikts auf die Strasse zu gehen. Wenig anfangen kann er aber mit den Parolen auf dem Flyer. «Es vereinfacht diese hochkomplexe Situation doch erheblich und sorgt schnell für eine Zuschreibung gut-böse», sagt Erik Petry. So wird Israel per se als Kolonialherr dargestellt, von der Hamas und ihren Raketen aus Gaza ist hingegen kein Wort zu lesen. Gerade solche Simplifizierungen seien heikel. «Wenn es auf dieser Einseitigkeit basiert, wird dieser Schluss sehr schnell auf Israel, auf die Juden bezogen», sagt Erik Petry. Zwar machten nicht alle diese Verbindung, manche aber schon. Dies hätten zum Beispiel die jüngsten antisemitischen Vorfälle in Deutschland gezeigt. «Somit ist es ein gefährlicher Aufruf, der, wie wir in Gelsenkirchen zu einer hochkritischen, gefährlichen Situation führt». 

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