In den USA sollen Airlines bald 15 Prozent aller Passagiere wiegen. (Symbolbild: Keystone)
International

Müssen wir uns vor Flugreisen bald alle wiegen lassen?

Nicht mehr nur Koffer auf die Waage: Um das Gewicht der Flugpassagiere besser zu berechnen, sollen US-Airlines stichprobenartig Passagiere wiegen.

Was beim Check-In für die Koffer dazu gehört, soll bei Flugreisen auch bald für Körper gelten: das Wiegen. Amerikanische Airlines starten demnächst Pilotprojekte, wie der Flugreiseblog «View from The Wing» berichtet.

Der Grund: Fluggesellschaften müssen das Gewicht der Flugzeuge samt Fracht und Passagieren wegen der Flugsicherheit möglichst genau berechnen. Die Durchschnittswerte, die amerikanische Fluggesellschaften verwenden, sind mittlerweile aber überholt: Die Bevölkerung wiegt im Schnitt mittlerweile mehr.

Die Wiege-Weisung kommt dabei nicht von den Fluggesellschaften selbst, sondern von der Bundesluftfahrtbehörde der Vereinigten Staaten. Vor allem bei kleineren Flugzeugen sollen Fluggesellschaften die Möglichkeit haben, Unterschiede beim Gewicht festzuhalten: Denn je weniger Menschen in einem Flugzeug sind, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass es Abweichungen vom Standard gibt.

Dieser Standard ist tabellarisch festgehalten: Miteingerechnet sind dabei auch die Unterschiede bei Winter- und Sommerkleidung. Mit den Gewichtserhebungen soll der Standard neu angepasst werden. So sollen täglich 15 Prozent aller Fluggäste einer Fluggesellschaft gewogen werden. Die Passagiere sollen zufällig gewählt werden. Der Prozess ist dabei freiwillig und Passagiere können sich weigern, dann muss die Airline eine andere Person per Zufall wählen – die Person, die als nächstes in der Schlange steht, soll es dabei nicht sein.

Wiegen findet bereits Anwendung

Das geplante Projekt könnte bald selbst zum Standard werden: Die Bundesluftfahrtbehörde empfiehlt die Anpassung der Gewicht-Standards alle 36 Monate vorzunehmen. Das Gewicht soll dabei nicht für alle lesbar zu sehen sein, wie etwa beim Koffergewicht, sondern vertraulich behandelt werden, wie die Behörde verordnet.

In Neuseeland wird ein diesem Vorschlag ähnliches System bereits angewandt. Seit 2015 wiegt derweil Uzbekistan Airways alle Passagiere mit der Anführung von Sicherheitsgründen. Im Pazifik zeigt sich derweil, dass das Wiegen auch finanzielle Folgen für die Passagiere haben kann: Samoa Air berechnet Flugpreise basierend auf dem Gewicht der Passagiere. Ob ähnliche Praktiken bald in Europa angewendet werden, wird sich zeigen.

3 Kommentare

  1. Persönlich finde ich es unfair, wenn mein Gepäck gewogen wird und der Passagier nicht. Ich selber habe auch ein paar Kilos zuviel. Aber wenn ich mich anschaue und den anderen Passagier anschaue, der locker 40 Kilos mehr auf den Rippen hat, regt es mich extrem auf dass ich wegen den 5 Kilo Übergewicht bei den Gepäckstücken extra noch aufzahlen musste.
    Es wäre nur fairer wenn dies auch berechnet würde.Report

  2. Wenn ich mit meinen 63 kg «nur» 23 kg Gepäck mitnehmen darf und jemand der 83kg wiegt ebenso 23kg, dann finde ich das unfair. Es sollte ein maximales Totalgewicht eingeführt werden. D.h. wer schwerer ist, muss halt dann beim Gepäck vielleicht Abstriche machen oder mehr bezahlen.Report

  3. Dass Flugpassagiere vor dem Abflug gewogen wurden, ist nicht so neu. Das gab es schon in der Frühzeit der Fliegerei (bis ca. 1930er Jahre), auch in der Schweiz. Die Flugzeuge waren damals noch vergleichsweise klein und nicht sehr leistungsfähig. Da war es wichtig, das genaue Abfluggewicht im voraus zu kennen.Report

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Mehr aus dem Channel