(Archivbild: Keystone)
Schweiz

Stefanie Heinzmann: «Ich bin der Mensch, der ich bin»

«Ich bin eine hoffnungslose Optimistin» – Stefanie Heinzmann lacht herzhaft, wenn sie das sagt. Auf ihrem neuen Album «Labyrinth» zeigt sie sich hoffnungsvoll.

Die Popsängerin, die vor zwei Jahren mit dem Album «All We Need Is Love» ein Plädoyer für die Selbstliebe vorgelegt hat, zeigt sich auf ihrem neuesten Werk «Labyrinth» nicht weniger hoffnungsvoll. In den zehn Popnummern, die durch die Bank tanzbar und knackig arrangiert sind, thematisiert Stefanie Heinzmann das Einreissen von Mauern, den Glauben an eine bessere Zukunft und die Akzeptanz der eigenen Person. «Ich bin der Mensch, der ich bin», fasste die 32-Jährige im APA-Interview die Stossrichtung zusammen. «Jede Facette davon ist okay, auch wenn ich mal einen schlechten Tag habe oder mich unsicher fühle. Für nichts davon muss ich mich schämen.»

Diese Aufbruchstimmung spiegle sich im Musikalischen wider, wie sie betonte. «Es gibt keine einzige Ballade, weil ich aus der Melancholie heraus wollte. Es ist zwar durchaus okay, da reinzufallen und mal lethargisch zu werden. Aber irgendwann musst du sagen: Es fühlt sich zwar schwer an, aber ich muss jetzt etwas tun, das mir gut tut! Ganz einfach die Verantwortung übernehmen, wie ich mein eigenes Leben sehe.»

Hört man die Stücke, denkt man zwangsläufig an den Umgang mit der Coronapandemie. Für Heinzmann selbst hatte das vergangene Jahr gewissermassen zwei Seiten: «Da ist alles dabei, wenn ich ehrlich bin. Einerseits gehts mir wirklich gut, ich gehöre ja zu den Privilegierten.» Sie konnte arbeiten, hatte TV-Auftritte, spielte die neue Platte ein. «Dafür bin ich dankbar.» Andererseits sei ihr halbes Umfeld arbeitslos. «Die Kulturbranche wird stiefmütterlich behandelt, was ich sehr schade finde. Kultur ist sehr wohl systemrelevant.»

Stefanie Heinzmann – «Labyrinth»:

(Video: Youtube/Stefanie Heinzmann)

Es wird nie perfekt

Eigentlich wäre Heinzmann vergangenen Sommer noch mit «All We Need Is Love» auf Tour gewesen, Lockdown-bedingt gab es aber den ersten freien Sommer seit über zehn Jahren für die Sängerin. «Ich konnte aber nicht nur zuhause sitzen, also habe ich lieber an neuen Songs gearbeitet.» Nur diesmal eben ohne konkretes Ziel, ohne Deadline. Eine neue Erfahrung, die Heinzmann nachträglich ins Schwärmen bringt. «Das war mega erfrischend. Ich hatte noch nie ein Album, das so druckbefreit und von alleine entstanden ist.»

Immerhin sei die Studioarbeit nicht gerade die Lieblingsbeschäftigung der Sängerin. «Damit konnte man mich echt stressen. Ich fand das Singen im Studio immer wahnsinnig anstrengend, weil man zu einer elenden Perfektionistin wird. Dabei wird es ja nie perfekt, was unglaublich frustrierend ist.»

Nun habe es aber «wirklich Bock» gemacht, lachte sie. «Wir haben uns Pizza bestellt, und wenn es mal nicht so gut lief, haben wir am nächsten Tag weitergemacht. Das war wirklich ein Lernprozess», meinte Heinzmann. «Wenn das jetzt so ging, muss das in Zukunft ja eigentlich auch so gehen. Das hat mir schon die Augen geöffnet.»

Heinzmann kann auch wütend sein

Zurück zum Inhaltlichen: Will man die Platte zu fassen bekommen, ist der Titelsong und Opener «Labyrinth» die beste Anlaufstelle: «Eigentlich hasse ich ja Labyrinthe», gab Heinzmann zu. «Aber der Song erklärt echt das ganze Album: das Befreien vom sozialen und gesellschaftlichen Druck. Es ist ein ‹Komm jetzt da raus, du bist ein toller Mensch!›. Insofern ist das Lied auch ein Wachrüttel-Song.»

Und doch waren es auch negative Emotionen, die sie beim Schreiben beeinflusst und geleitet haben. «Etwa bei ‹Would You Still Love Me›: Ich sass zuhaue und habe echt Angst bekommen. War es das jetzt für mich? Darf ich nie wieder eine Tour spielen?», erinnerte sie sich an ihre Gedanken in der Coronakrise.

«Das haben wir dann im Studio verarbeitet. Aber auch in ‹Best Life› oder ‹Knocking Down The Wall› steckt viel Frustration drin. Ich war richtig angepisst.» Ja, eine wütende Stefanie Heinzmann gibt es auch. Aber für «Labyrinth» hat dann doch die gute, weil stets positiv denkende Seite die Oberhand behalten.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Mehr aus dem Channel