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Der Telebasel News Beitrag vom 14. Mai 2021.
Basel

Den ganzen Tag arbeiten und trotzdem vom Staat abhängig

Basel streitet über den Mindestlohn. Doch was denkt eine Person, die weniger als 23 Franken verdient, von der Initiative?

Pellegrino arbeitet in einer Kita als Betreuungsperson. Bei einem 90-Prozent-Pensum verdient sie 3’400 Franken im Monat. «Wenn ich jetzt alle Kosten abziehe, die ich gesetzlich bezahlen muss und alles was anfällt, bleiben mir 500 Franken übrig im Monat.» Mit diesen 500 Franken bezahlt sie Essen, Kleider und was sonst noch anfällt.

Anfangs Monat ist dann rechnen angesagt, sagt Pellegrino «Okay, was leiste ich mir, gehe ich mal schön essen, oder lege ich das auf die Seite für allfällige Rechnungen die noch anfallen?» Denn Rückstellungen müssen gemacht werden. Wenn Pellegrino zum Beispiel eine Arztbehandlung bezahlen muss, hat sie wie die meisten jungen Leute eine hohen Selbstbehalt und bleibt lange auf diesen Kosten sitzen.

Nicht mehr abhängig sein

Doch was würden die 23 Franken in der Stunde bedeuten? Denn das wären ungefähr 2,50 Franken mehr in der Stunde als jetzt. «Dass ich nicht angewiesen bin auf Prämienverbilligungen oder andere Institutionen. Dass ich voll und ganz meine Sachen so einzahlen kann, wie ich das möchte, ohne abhängig zu sein von den Institutionen und auch von den Steuerzahlern.»

Doch führt ein höherer Lohn, nicht zum Beispiel zu weniger Prämienverbilligung und unter dem Strich zu gleich viel oder weniger Geld Ende Monat? Ja, das könnte sein, aber trotz Arbeit von Sozialleistungen abhängig zu sein, sei auch kein schönes Gefühl, findet Pellegrino. «Denn das ist für die meisten Menschen, die das in Anspruch nehmen, mit einer gewissen Scham verbunden ist. Okay, ich bin abhängig vom Staat. Ich arbeite zwar von morgens bis abends, gebe meinen Beitrag, leiste meinen Beitrag für die Gesellschaft, trotzdem bin ich noch abhängig.»

Angst, dass bei einer Annahme der Initiative ihre Stelle verschwinden könnte, hat Pellegrino nicht. Denn Kinderbetreuung könne schlecht automatisiert werden und der Betreuungsschlüssel in den Kitas wird wohl auch nicht geändert.

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