In der Schweiz gibt es pro 1'000 Personen 11,4 diplomierte Pflegefachpersonen. (Bild: Keystone)
Schweiz

Diese Fakten zu Krankenpflegerinnen müssen Sie kennen

Am 12. Mai ist der Internationale Tag der Pflege. Wichtige Fakten zu Krankenpflegerinnen gibt es hier in der Übersicht.

Applaus fürs Gesundheitspersonal: In der ersten Welle der Corona-Pandemie schwappte ein grosse Dankbarkeit für die Arbeit von Pflegefachpersonen mit. Mittlerweile ist der Applaus in der Schweiz und Europa wieder verebbt. An den Arbeitsbedingungen der Pflegefachkräfte hat sich derweil mit der Pandemie nichts geändert.

So fordern Pflegefachkräfte in der Schweiz seit Jahren bessere Arbeitsbedingungen und eine generelle Aufwertung der Gesundheitsberufe.

Bundesrat Alain Berset setzte zum Tag der Pflege einen Tweet ab.

Politisch bewegt sich jedoch wenig, obwohl Pflegefachkräfte in unserer Gesellschaft unabdinglich sind – und das nicht erst seit Ausbruch der Corona-Epidemie. Die Ursprünge und weitere wichtige Fakten zum Pflegeberuf gibt es hier in der Übersicht:

Anfänge der Krankenpflege in der Frühzeit

Kranke und schwächere Mitglieder der Familie oder Gemeinschaft versorgen: Das gehörte von Anfang an zur Menschheit dazu. ForscherInnen sind überzeugt, dass sich die Menschen bereits in der Frühzeit gegenseitig gepflegt haben. Das belegen fossile Funde: Verheilte Knochenbrüche, die die Patienten nicht ohne Hilfe überlebt hätten, lassen auf die Behandlung von Unfallfolgen durch Andere schliessen. Die Pflege der Alten, Kinder und Verletzten dürfte hier bei den Frauen gelegen haben.

Fest steht dabei: Dass Menschen sich gegenseitig unterstützen und pflegen ist in allen Gesellschaften und Religionen der Welt verbreitet. Neben der Pflege der Kranken und Verletzten gehört dazu die Fürsorge für Kinder und Alte sowie die Unterstützung der Armen.

Eine erste Spezialisierung des Pflegeberufs liess sich im alten Orient nachweisen: Dort gibt es die ersten Hinweise auf Hebammen. Im alten Ägypten arbeiteten Pflegerinnen wohl Hand in Hand mit Ärzten, ebenso um 250 v. Chr. in Indien, wo die erste Schule für Krankenpflege überhaupt entstand. In den folgenden Jahrhunderten werden die Spuren der Krankenpflege in der Geschichte immer deutlicher, bis sie sich im 18. und 19. Jahrhundert in Europa endgültig zum Beruf entwickelten.

Die Anfänge menschlicher Krankenpflege lassen sich bis in die Antike und die Frühzeit verfolgen. (Bild: Wikipedia)

Die berühmteste Krankenpflegerin

Das Geburtsdatum von Florence Nightingale ist der Grund, weshalb der internationale Tag der Krankenpflege am 12. Mai gefeiert wird: Die britische Pflege-Pionierin publizierte 1859 mit ihren «Notes on Nursing» die erste Pflegetheorie überhaupt.

Das von ihr entwickelte Nightingalsche System revolutionierte im 19. Jahrhundert die bislang von Ärzten dominierte Krankenpflege und reformierte die Pflegebildung. Die Britin vertrat die Ansicht, dass es neben dem ärztlichen Wissen ein eigenständiges pflegerisches Wissen geben sollte.

Die Begründerin der modernen westlichen Krankenpflege war im viktorianischen England ein Star: Sie galt als Ideal christlicher Weiblichkeit und soll in ihrer Bekanntheit nur von der britischen Königin Victoria übertroffen worden sein.

Ihr Wirken strahlte bereits zu ihren Lebzeiten über die britischen Landesgrenzen hinaus: Mit ihrem Schaffen beeinflusste Florence Nightingale Henry Dunant, der die internationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung begründete. Der Schweizer richtete weltanschaulich und konfessionell unabhängige Krankenpflegeschulen ein.

Florence Nightingale (1820-1910) gilt als berühmteste Krankenpflegerin. (Bild: Wikipedia)

Typischer Frauenberuf

Die Krankenpflege gilt auch in der heutigen Zeit als typischer Frauenberuf. Dazu zählen unter anderem auch Reinigungsberufe oder Berufe in der Erziehung. 86 Prozent der Schweizer Pflegefachpersonen in der Schweiz sind laut dem Bundesamt für Statistik noch heute Frauen.

Der hohe Anteil der Frauen schlug sich auch in der ursprünglichen Berufsbezeichnung für Pflegefachfrauen nieder: Krankenschwester. Die Anrede «Schwester» gilt heute als überholt und ist keine offizielle Berufsbezeichnung, wird aber besonders von älteren Generationen noch immer häufig verwendet. Entstanden ist der Begriff, weil er traditionell als Namenszusatz für Nonnen oder Diakonissen stand. Die frühere Bezeichnung entstand in Anlehnung an diesen Namenszusatz, da Pflegerinnen früher häufig religiösen Gemeinschaften angehörten.

Die Zahl der Männer in Pflegeberufen wuchs dabei in den vergangenen Jahrzehnten langsam, aber stetig. Mehr Männer als Pflegefachpersonen zu gewinnen wird dabei von vielen als Lösung für den internationalen Fachkräftemangel gesehen.

Die Krankenpflege gilt traditionell als typisch weibliches Berufsfeld. (Bild: Wikipedia)

Weltweit zu wenig Pflegefachpersonal

Mitten in der Corona-Pandemie schlägt die Weltgesundheitsorganisation WHO Alarm: Weltweit fehlen laut einem Bericht aus dem Jahr 2020 5,9 Millionen Pflegefachkräfte, um die gesundheitliche Versorgung zu sichern. Bis 2030 soll sich die Lage weiter dramatisieren: Neun Millionen weitere Pflegefachkräfte und Hebammen fehlen bis dann nach den Prognosen der WHO.

Menschen in Pflegeberufen fordern derweil zur Sicherung des Nachwuchses bessere Arbeitsbedingungen, wie etwa höhere Löhne.

In der Schweiz werden bis im Jahr 2030 65’000 Pflegefachkräfte fehlen. Aktuell wird schweizweit jährlich nur knapp die Hälfte des aktuellen Bedarfs an Pflegefachpersonal ausgebildet.

In der Schweiz und weltweit gibt es einen Notstand beim Pflegefachpersonal. (Bild: Keystone)

11,4 diplomierte Pflegefachpersonen auf 1’000 Menschen

Diesbezügliche Sorgen bereitet in der Schweiz die wachsende Überalterung der Bevölkerung: In den nächsten 30 Jahren wird die Zahl der über 65-Jährigen auf 2,7 Millionen Personen steigen. Zum Vergleich: Im Jahr 2014 waren es noch 1,5 Millionen. Um gegen den Mangel an Pflegefachpersonal anzukämpfen, lancierte der Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner SBK 2017 eine Volksinitiative. Diese wurde allerdings trotz gesammelter 114’078 Unterschriften vom Bundesrat abgelehnt.

Die Initiative verlangte, dass Bund und Kantone dazu verpflichtet werden, eine dem Bedarf der Schweizer Bevölkerung angemessene pflegerische Versorgung zu gewährleisten. Das Parlament hat im März 2019 die Arbeiten an einem indirekten Gegenvorschlag zur Pflegeinitiative abgeschlossen. Damit werden die Kompetenzen der Pflegefachpersonen ausgeweitet. Den Kern des Gegenvorschlags bildet eine Ausbildungsoffensive.

Das Initiativkomitee will im Juni 2021 darüber entscheiden, ob es an der Pflegeinitiative festhält oder sie zurückzieht. Der SBK kritisiert, dass beim Gegenvorschlag das Problem der vielen BerufsaussteigerInnen nicht angegangen wird. Rund 180’000 Personen arbeiten 2021 in Pflegeberufen in der Schweiz. 45,9 Prozent aller Pflegefachpersonen verlassen den Beruf aber frühzeitig.

Der Ständerat entscheidet in der Sommersession über den Gegenvorschlag zur Pflegeinitiative.

Mehr Männer als Pflegefachpersonen:  Das fordern Experten zur Bekämpfung des Pflegenotstands in der Schweiz. (Bild: Keystone)

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